Seit einigen Wochen ist der Lebensmittelladen in Büsnau zu. Foto: Alexandra Kratz

Es gibt Interessenten für das Ladenlokal. Auch auf der Versammlung des Bürgervereins gab es Ideen.

Büsnau - Es sah danach aus, als würde es ein Treffen werden, auf dem alle ihren Ärger Luft machen, sich danach aber nichts ändern würde. „Büsnauer Ladensterben – Was ist zu tun?“ – unter diesem Motto hatte der Bürgerverein Vaihingen-Rohr-Büsnau die Anwohner des Vaihinger Stadtteils in das evangelische Gemeindezentrum eingeladen. Seit der zweiten Septemberwoche ist der Nah-und-Gut-Markt am Büsnauer Platz geschlossen, und damit der größte Magnet für die übrigen Läden.

Seit Jahren haben Teilorte in Stuttgart massive Probleme, ihre Nahversorgung aufrecht zu erhalten. Die Ursache ist oft hausgemacht: Immer mehr Anwohner kaufen in den großen Discountern ein und nutzen den etwas teureren Lebensmittelladen vor Ort nur noch für kleine Besorgungen.

Dass die Situation in Büsnau andere Gründe haben könnte, darauf deutete der Andrang im Gemeindehaus hin. Mehr als 60 Einwohner waren gekommen. Einige sprachen nicht nur für sich persönlich, eine junge Mutter etwa auch für die Belange der Eltern des katholischen Kindergartens. Der Tenor: wir wollen weiterhin in Büsnau einkaufen können. Ein Ort mit mehr als 2700 Einwohnern, darunter viele Senioren, biete genug Kundschaft für einen Lebensmittelmarkt.

Die Atmosphäre hat durch die Abwesenheit des Besitzers gelitten

„Das Sterben des Ladens kam doch nicht von heute auf morgen“, sagte eine Anwohnerin. Sie verwies darauf, dass der Markt im Frühjahr 2009 fulminant in Büsnau gestartet sei. „Es hat richtig Spaß gemacht, dort einzukaufen,“, sagt auch der evangelische Pfarrer Detlef Häusler. Der Laden sei wegen seines Angebots ein richtiger Treffpunkt im Ort gewesen. Doch dann habe sich das Angebot sukzessive verschlechtert, fügten andere Anwohner an. „Man hat sich nicht mehr gerne dort aufgehalten.“

In die Kritik fiel mehrfach der Name Mohammed Alsadis, des ehemaligen Inhabers des Nah-und-Gut-Marktes. Er sei kaum im Laden präsent gewesen, beklagten manche. Die persönliche Atmosphäre, womit so ein kleiner Laden gegenüber der großen Konkurrenz punkten könne, habe dadurch gelitten. Auch habe Alsadi sich nicht genug darum gekümmert, dass der Markt ein attraktives Angebot biete. Darauf angesprochen weist Mohammed Alsadi die Vorwürfe weit von sich. Ohne genaue Angaben zu machen, wie oft er in seiner Filiale in Büsnau gewesen war, sagt er, „sehr oft“ im Geschäft präsent gewesen zu sein. „Ich habe dann natürlich nicht nur an der Kasse gesessen. Ich musste ja auch im Büro und im Lager arbeiten.“ Er habe versucht, den Laden weiter zu führen. „Aber wenn die Leute das Angebot vor Ort nicht nutzen, hat es keinen Sinn.“ Groß sei sein Ärger, dass viele Kunden den Büsnauer Laden als Pfandannahmestelle für Flaschen genutzt hätten, die sie woanders gekauft hatten. Sein Resümee: es seien zu wenig Leute gekommen und die Miete sei viel zu hoch für ein Geschäft in dieser Lage gewesen. Er nennt die Zahl von 5000 Euro Miete im Monat.

Dies wiederum weist die Eigentümerin zurück. „Dieser Betrag stand niemals als Miete gegenüber Herrn Alsadi im Raum“, sagt sie und nennt einen Mietpreis, der um weit mehr als 1000 Euro darunter liegt. Auch der Netto-Markt, der im April 2013 im benachbarten Wohngebiet Lauchhau-Lauchäcker eröffnen soll, könne doch nicht schon jetzt der Grund für die Schwierigkeiten des Lebensmittelmarktes Nah-und-Gut gewesen sein, wirft eine Besucherin der Veranstaltung ein. „Es lief schon seit Beginn dieses Jahres immer schlechter.“

Ein Geschäft in Büsnau hat Zukunft

Noch etwas spricht gegen das Argument, die hohe Miete und die baldige Eröffnung des Nettos seien verantwortlich für die schlechten Geschäfte in Büsnau: Laut der städtischen Wirtschaftsförderung interessiert sich das Unternehmen Bonus-Markt dafür, den Standort in Büsnau zu übernehmen. Diese Nachricht konnten die beiden Stadträtinnen Roswitha Blind (SPD) und Dorit Loos (CDU) überbringen. „Das Unternehmen hat die Zahlen geprüft und glaubt auch nicht, dass der Netto negative Auswirkungen haben wird.“ Bevor es zu dieser Lösung kommen könne, wolle Bonus-Markt allerdings mit der Besitzerfamilie noch einmal über die Höhe des Mietpreises reden.

Eine andere Variante wäre es, den Laden zu vergrößern – der Eigentümerin gehört auch das Nachbargebäude am Büsnauer Platz 3 – und einen größeren Supermarkt dort anzusiedeln. Potenzielle Betreiber wie Rewe, Naturgut und Alnatura prüften bereits.

Im Laufe des Abends entwickelte sich die Diskussion jedoch eher in eine andere Richtung: Wenn das Ladenlokal verkleinert würde und somit die Nebenkosten sänken, dann könne auch ein kleinerer Betreiber den Laden führen. Vielleicht auch eine Genossenschaft – eine Variante, für die mehrere Besucher auf dem Diskussionsabend plädierten. „Ich sehe, ein Geschäft in Büsnau hat Zukunft“, fasste Frank Otto Huber vom Bürgerverein als Ergebnis der Versammlung zusammen.

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