Die Temperatur, bei der Lebensmittel gelagert werden, ist entscheident für die Haltbarkeit. Foto: Michael Käfer

Wir haben den Lebensmittelkontrolleur Ronny Georgi bei einer Routine-überprüfung lokaler Betriebe begleitet. Eine Betriebskantine schneidet sehr gut ab.

Fellbach - Ronny Georgi holt eine kleine schwarze Lampe aus der Hosentasche und leuchtet in die hinterste Ecke des Lagerraums. Hier könnten sich Mäusekot oder Schmutzreste versteckt haben. Das Ergebnis der Suche ist negativ und damit sehr positiv für Riccardo Vito Suraniti, denn Ronny Georgi ist als Lebensmittelkontrolleur im Auftrag des Landratsamts Rems-Murr unterwegs.

Im Betriebsrestaurant des Landesamts für Besoldung macht der 40-Jährige eine seiner vorgeschriebenen Routinekontrollen. Riccardo Vito Suraniti ist hier der Chef und sichtlich darum bemüht, seinen bis zu 700 Gästen täglich nicht nur ein schmackhaftes, sondern auch hygienisch einwandfreies Essen zu bieten. Die Kontrollen betrachtet er als hilfreiche Unterstützung. „Wir haben hier eine Riesenverantwortung“, sagt Suraniti, der auch von den baulichen Voraussetzungen in seiner Kantine profitiert. Für verschiedene Lebensmittelgruppen gibt es unterschiedliche Kühlräume, deren Temperaturkontrolle der Chef zweimal täglich dokumentieren lässt.

Auch die Dunstabzugshaube wird kontrolliert

Inzwischen ist Ronny Georgi in der Küche angekommen und greift in eine Rinne des Dunstabzugs: „Das ist der obligatorische Griff: klebt es oder klebt es nicht.“ Bei Riccardo Vito Suraniti klebt nichts. Die Oberflächen aus Edelstahl glänzen und obwohl am späten Vormittag Hochbetrieb herrscht, sieht sogar der Küchenboden sauber aus. „Hier würde ich auch Essen gehen“, sagt Ronny Georgi. Tatsächlich vermeidet der Backnanger aber Interessenskonflikte: „Ich versuche da nicht einzukaufen, wo ich kontrolliere.“

Der gelernte Bäcker, Küchenmeister und Barmeister kam nach seiner Zeit bei der Bundeswehr zur Lebensmittelkontrolle. Schon bei den Streitkräften war er an mehreren Standorten und während vier Auslandseinsätzen Küchenchef. In Brandenburg hat er die zweijährige Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur absolviert und die sich anschließende Prüfung bestanden. Seit 2010 arbeitet er im Rems-Murr-Kreis. In seinem Fellbacher Bezirk gibt es rund 550 Lebensmittel verarbeitende Betriebe. Wer empfindliches Hackfleisch herstellt oder für ein Altenheim kocht, der wird öfter kontrolliert als ein Filialbäcker. Vermehrt auf Besuch freuen darf sich auch, wer in der Vergangenheit negativ aufgefallen ist. „Extrembetriebe habe ich bei mir nicht“, sagt Ronny Georgi, dennoch kann er von so mancher unerfreulichen Episode erzählen. Von einem Pizzadienst etwa, bei dem ein Kunde Grund zur Klage hatte. Das Ergebnis der Beschwerdekontrolle fiel – vorsichtig ausgedrückt – unschön aus. „Die Unterlagen liegen bei der Staatsanwaltschaft“, sagt Ronny Georgi.

Das gekochte Huhn liegt neben dem rohen Gemüse

Nicht optimal ist im Gegensatz zur Behördenkantine die Lage auch in einem Fellbacher Restaurant, das als nächstes auf der Kontrollliste steht. Das gekochte Huhn liegt neben dem rohen Gemüse, der Boden klebt, und im Kühlraum ist das Abluftgitter dick mit Schimmel überzogen. Die Einträge in der Kontrollnotiz von Ronny Georgi werden immer länger, zumal auch noch bauliche Mängel hinzukommen. Der Wasserschaden an der Außenwand kümmert den Hauseigentümer nicht. Pech für den Wirt, denn er ist verantwortlich.

„Seit ich meinen Beruf ausübe, gehe ich weniger weg und koche mehr zu Hause“, sagt Ronny Georgi, der sich eher als hilfreicher Unterstützer, denn als strenger Bestrafer der Betriebe sieht: „Ich bin mehr der Erklärbär.“

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