Lebensmittelkontrolleure schlugen in Esslingen jahrelang keinen Alarm. Jetzt wurden mit einer Bäckerei und einem Pizzalieferdienst erstmals zwei Betriebe veröffentlicht, die gegen Hygieneregeln verstoßen haben. Das Land will den Gastropranger aufhübschen.
Fünf Jahre nach dem Start des Verbraucherinformationsportals der Lebensmittelüberwachung stehen nun erstmals auch zwei Betriebe aus Esslingen am sogenannten Hygienepranger. Das Esslinger Landratsamt veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Bäckerei sowie einen Pizzalieferdienst, die bei Kontrollen durch gravierende Verstöße gegen die gesetzlichen Hygieneregeln aufgefallen waren. Im Fall der Bäckerei liegt der Besuch der Lebensmittelkontrolleure bereits mehrere Monate zurück. Veröffentlicht werden Restaurants und andere Betriebe der Lebensmittelbranche, wenn sie ein Bußgeld von mindestens 350 Euro erwartet. Viele Wirte fürchten den Imageschaden mehr als die eigentliche Strafzahlung.
Im Februar hatte eine Auswertung unserer Redaktion eine starke regionale Ungleichverteilung der veröffentlichten Fälle im Kreis Esslingen offenbart. Während im südlichen Kreisgebiet, also auf den Fildern und im Albvorland, zwischen Juli 2021 und Januar 2023 regelmäßig Betriebe am Hygienepranger standen, gab es auf dem Schurwald sowie im Neckartal keinerlei Veröffentlichungen. Das Landratsamt hatte die Häufung mit einer „inhomogenen Verteilung der Bevölkerungs- und Betriebsdichte sowie Zufallseffekten“ erklärt. Auch im regionalen Vergleich sind die Fallzahlen stark abweichend. Während es im Rems-Murr-Kreis seit dem Start des Hygieneprangers 2018 bis Ende Januar dieses Jahres 107 Veröffentlichungen gab, waren es im einwohnerstärkeren Kreis Ludwigsburg im selben Zeitraum nur elf.
Verbraucherschutzministerium schaltet Portal ab – und kündigt Neuerung an
Das Stuttgarter Verbraucherschutzministerium, das auf Landesebene für die Lebensmittelüberwachung zuständig ist, hat unterdessen vor einigen Tagen sein Verbraucherinformationsportal abgeschaltet. Bislang waren dort direkte Links zu den Listen der Landratsämter hinterlegt. Auf deren Webseiten sind die entsprechenden PDF-Dokumente zumeist wenig prominent platziert. Künftig sollen die Daten nach Angaben eines Ministeriumssprechers nun zentral auf der Webseite der Landesbehörde verfügbar gemacht werden. Dies würde die landesweite Vergleichbarkeit der Fallzahlen erleichtern. Ziel sei „die bessere Nutzbarkeit durch die Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagte der Sprecher. Unter anderem werde es eine Suchfunktion sowie eine verbesserte Ansicht für Smartphones geben. Der Start des neuen Portals sei für April geplant.
Lebensmittelüberwachung im Kreis Esslingen
Kontrolleure
Im Landkreis Esslingen sind laut Landratsamt 16 Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleure sowie vier Amtstierärztinnen in der Lebensmittelüberwachung im Einsatz. Lebensmittelproben werden an den Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämtern untersucht.
Fälle
Seit Juli 2021 wurden nach Angaben des Landratsamts kreisweit mehr als 5000 Kontrollen durchgeführt.