Diese Pfannen wurden schon lange nicht mehr gereinigt. Foto: Stadt Stuttgart

Der Bericht der Lebensmittelkontrolleure mahnt zur Vorsicht in Zeiten der Pandemie. Gleich nach dem Ende des Lockdwons war nicht alles taufrisch, was aus lange nicht benutzten Küchen kam.

Stuttgart - Wie haben sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter nach dem Ende des Lockdowns gefreut, endlich wieder ein frisch gezapftes Bier in der Kneipe zu genießen – oder andere Köstlichkeiten. Doch die Freude könnte getrübt gewesen sein. Denn in Zeiten der Pandemie versteckten sich in monatelang alleingelassenen Zapfanlagen und Küchen auch Krankheitserreger, während alles Tun dem Schutz vor dem Coronavirus gewidmet war. So etwa in jener Kneipe, in der ein Lebensmittelkontrolleur glücklicherweise vor allen Gästen aufschlug und den Fehler schnell fand: Der Wirt hatte den Schlauch vom Bierfass abgemacht, aber nie geputzt. Fröhlich breitete sich der Schimmel am Zapfkopf aus, der am Ende des Lockdowns erneut ohne Reinigung wieder aufgesteckt wurde. „Da kommt statt Bier dann nur noch Bröckchen raus“, sagt der Leiter der Lebensmittelüberwachung, Thomas Stegmanns, am Montag bei der Präsentation der Jahresbilanz für das vergangene Jahr.

Nach dem Lockdown ist manchmal vor dem Putzen

Befunde wie dieser verdeutlichen, warum auch im ersten Coronajahr 2020 eine große Zahl gastronomischer Betriebe geschlossen werden musste, wie Stegmanns berichtet. Denn trotz mehrmonatiger Schließungen während der Lockdowns und Zeiten des Teillockdowns sank die Zahl der Betriebe, welche die Kontrolleure zumachen mussten, lediglich von 176 auf 131. Damit lag die Zahl sogar deutlich über zurückliegenden Jahren vor 2020. Im Jahr 2016 wurden 84 Betriebe dichtgemacht, 2017 traf es 120. Seit der Wiedereröffnung in diesem Sommer sind es bereits 60 gewesen.

Wenn die Betriebe leer stehen, dann vermehren sich nicht nur Bakterien und Schimmelpilze, wenn es mit der Sauberkeit nicht stimmt, sondern auch Schädlinge. Ein grausames Beispiel hat Thomas Stegmanns aus einem Betrieb parat, wo man sich eines Mäusebefalls bewusst gewesen sei, aber dann noch mehr Fehler gemacht habe: Auf einer Klebefalle liegen Brotstücke, der Karton ist mit einer klebrigen Substanz bestrichen. Darauf ist eine Handvoll Mäuse hängengeblieben und elendig verendet. „Das war dann gleich auch noch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Stegmanns.

Bei mehr als der Hälfte der Betriebe tauchen Hygienemängel auf

Mehr als die Hälfte der kontrollierten Betriebe (51,1 Prozent) wurde beanstandet. Finden die Kontrolleure etwas, was hygienisch nicht in Ordnung ist, wird der Betrieb vorübergehend geschlossen. Die Betreiber bekommen dann die Chance, bis zur nächsten Kontrolle zu putzen.

Die Pandemie hat die Kontrolleure auch in anderen Bereichen gefordert. Die Zunahme des Internethandels habe dazu geführt, dass die Kontrolleure sehr viel im Bereich der Produktsicherung zu tun hatten. Dazu zählen Dinge wie Tattoofarben, die vom Markt genommen werden müssen, wenn sie etwa Schwermetalle enthalten, aber auch einfache Gebrauchsgegenstände wie Kaffeebecher.

In die letzte Kategorie fallen Alltagsmasken aus Stoff, nicht aber die medizinischen. Auch ein Wimpernserum, dass die Wimpern zu verführerischer Länge anwachsen lässt, musste vom Markt genommen werden: Es enthält den Wirkstoff Prostaglandin. Dieser wird auch bei Grünem Star eingesetzt. Nimmt jemand dieses Kosmetikprodukt, läuft er oder sie Gefahr, dass ein Augenarzt einen beginnenden Grünen Star übersieht.

Gerne würden die Kontrolleure mehr im Netz nach solchen Anbietern suchen. Aber mit 26 Kontrolleuren habe man dafür nicht ausreichend Personal. Lob vom Chef gab es trotzdem: Der Verbraucherschutz bewege sich auch „in stürmischer Zeit“ in ruhigem Fahrwasser, meint der Ordnungsbürgermeister Clemens Maier.

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