Lebensmittelkontrolle Baden-Württemberg Bei Vanilleeis wird oft getrickst

Von Christoph Link 

Wie heiß ist das Grillfleisch vom Imbiss? Ein Kontrolleur prüft die Ware. Foto: Fotolia
Wie heiß ist das Grillfleisch vom Imbiss? Ein Kontrolleur prüft die Ware. Foto: Fotolia

Lebensmittelkontrolleure in Baden-Württemberg haben 2017 fast 80.000 Betriebe untersucht – und 717 vorübergehend geschlossen. Die meisten Mängel betrafen die Hygiene und die Produktkennzeichnung.

Stuttgart - Die Bilanz der Lebensmittelüberwachung für 2017 sieht auf den ersten Blick eher düster aus, aber Peter Hauk, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, hat am Mittwoch bei ihrer Vorstellung in Stuttgart trotzdem ein positives Fazit gezogen: „Die Lebensmittel in Baden-Württemberg garantieren höchste Sicherheit, man kann hier ohne Bedenken essen und trinken – vermutlich so gut wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.“ Die vielfältigen Kontrollen sorgten dafür. Insgesamt haben die Kontrolleure von den fast 240 000 Lebensmittelbetrieben im Südwesten – das reicht vom Metzger über die Brotfabrik und Bierbrauerei bis zum Eis-Salon – ein Drittel kontrolliert.

Dabei haben sie in 16 Prozent der Kontrollen Verstöße festgestellt, in der großen Mehrzahl waren es Hygienemängel (72 Prozent) oder eine mangelhafte Kennzeichnung oder Aufmachung der Ware (25 Prozent). Exakt 717 Betriebe mussten vorübergehend geschlossen werden (im Vorjahr 848) bis der Betreiber die Mängel abgestellt hat. Minister Hauk machte aber deutlich, dass auch Bagatellfälle wie das Fehlen von Seife in einem Seifenspender zu einer Bemängelung fehlen könnten, bei den Trinkwasserproben beispielsweise könne schon eine zu hoher Härtegrad zur Beanstandung führen. Überdies seien die Kontrollen nicht repräsentativ, denn die unangemeldeten Besuche seien „risikoorientiert“, das heißt, bei den Ämtern bekannten Schwarzen Schafen schauen die Inspekteure öfter vorbei.

Verschimmelter Gyrosspieß im Kühlhaus

Wenn die Mehrzahl der Fälle auch harmloser Natur sein mögen, krasse Fälle kommen auch vor. Ein Beispiel war der Fund von verdorbenen Lebensmitteln in einer Gaststätte – verschimmelter Speck und Thunfisch in geöffneten Dosen, ein gammeliger Gyrosspieß im Kühlhaus. Das Lokal wurde sofort geschlossen, die Staatsanwaltschaft wurde verständigt und es erging ein Strafbefehl. Im Jahresbericht ist der Fall mit Fotos dokumentiert.

Nicht nur Betriebe, auch die Lebensmittel selbst, Wein, Kosmetika und Tabak sind von den vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) unter die Lupe genommen worden. Von fast 45 000 Proben sind 18,5 Prozent beanstandet worden, im Vorjahr waren es 17,9 Prozent. Auch hier fällt jede zweite Beanstandung in den Bereich „nicht korrekte Kennzeichnung oder irreführende Aufmachung“. „Insgesamt kann mit wenigen Ausnahmen die Sicherheit der Produkte im Land bestätigt werden“, sagt Minister Hauk. Auf drei Sonderfälle macht er allerdings auch aufmerksam: So habe sich bei mariniertem Grillkäse ein Problem gezeigt, sobald der backfertig in Aluminiumschalen verpackt war. „Diese Schalen lösen sich in der Marinade oft auf, es entstanden Risse. Untersuchungen wiesen Aluminium in den Lebensmitteln nach“, berichtet Hauk. Diese Ware durfte nicht weiter verkauft werden.

Getäuscht wird oft beim Vanilleeis

Neben dem Gesundheitsschutz geht es den Behörden auch um den Schutz vor Täuschung: Da echte Vanille sehr teuer ist, verwenden viele Lebensmittelhersteller häufig ein synthetisches Vanillearoma – doch das muss auch so gekennzeichnet sein. Statt Vanilleis müsse bei künstlichem Aroma eben „Eis mit Vanillegeschmack“ im Aushang stehen, sagt Hauk. „Unsere Untersuchungen von Vanilleeis zeigten, dass über die Hälfte aller Proben falsch gekennzeichnet waren.“

Der große Lebensmittelskandal des Vorjahres war der um das Desinfektionsmittel Fipronil in Eiern. Auch in Baden-Württemberg seien 400 Eierproben untersucht worden. Auch wurden Teigwaren und andere Eiprodukte untersucht – ohne auffällige Befunde. Was die eigentliche Ursache des Skandals anbelangt herrscht noch Unklarheit: „Die Eintragsquelle ist bis heute nicht gefunden worden“, sagte Hauk. Wenn Bürgern sich an Lebenskontrolleure wenden wollen, dann sind auf dem Land die Landratsämter zuständig, in den Städten die Stadtverwaltungen.

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