Stefan Landeck von der Firma Deutsche See mit einem rund sieben Kilogramm schweren Heilbutt Foto: Jan Reich

Der Internethandel wächst unaufhaltsam. Mittlerweile können Liebhaber von Fischen und Meeresfrüchten das Getier per Online-Bestellung frisch ins Haus liefern lassen.

Stuttgart - Ein alter Zungenbrecher lautet: „Fischers Fritz fischt frische Fische – frische Fische fischt Fischers Fritz“. Nicht nur Fischers Fritz aus vergangenen Tagen gelüstet es nach frischem Fisch. Schon lange sorgen beispielsweise Feinkost Böhm und andere Lebensmittelhändler dafür, dass alles, was mit Flossen, Tentakeln oder Scheren im Meer oder in Flüssen und Seen herumlungert, relativ kurze Zeit nach dem Fang in die Küchen der Stuttgarter Verbraucher gelangt. Jetzt kommt weitere Konkurrenz.

Die Niederlassung des Bremerhavener Fischgroßhändlers Deutsche See hat in Feuerbach einen Online-Shop für jedermann geöffnet. Bisher stand das Angebot ausschließlich den gewerblichen Kunden – vom Lebensmitteleinzelhandel über Gastronomie und Caterer bis hin zu Kantinen – offen, jetzt haben auch Privatkunden die Wahl.

Zur Wahl steht ganzer Fisch, Filet, Meeresfrüchte, Feinkostsalat und saisonale Artikel, Dorade, Thunfischfilet und Süßwasserfisch wie Forelle. Für Feinschmecker gibt es auch exklusive Spezialitäten wie Kaisergranatschwänze oder Holsteiner Heringssalat. Die Firma verspricht, den Fisch innerhalb von 24 Stunden nach der Bestellung auf Eis in eigenen Kühlfahrzeugen an die Kunden auszuliefern. Der Clou: Damit der Kunde nicht den ganzen Tag auf den Fischmann warten muss, kann er bis zehn Uhr am Vortag ein Zeitfenster von zwei Stunden für die Anlieferung der Ware vereinbaren. 30 Minuten vor Ankunft der Ware, so verspricht es die Firma, erhalte der Kunde einen Anruf vom Fahrer, der auch über die richtige Zubereitung berate. Die Auslieferung sei gratis.

Die Deutsche See beschränkt ihren Lieferservice nicht auf die Landeshauptstadt, sondern fährt auch nach Ludwigsburg, ins Remstal, nach Metzingen, Reutlingen, Böblingen und Sindelfingen. „Als Deutschlands größter Fischhändler kaufen wir unsere Produkte täglich frisch auf internationalen Märkten ein. Das, und ein Logistiknetz mit 20 Niederlassungen und 1700 Mitarbeitern in der gesamten Bundesrepublik ermöglichen diesen Service“, sagt Andreas Kremer, Leiter der Kommunikationsabteilung der Deutsche See.

In der Region Stuttgart beliefert allein die Feuerbacher Niederlassung jährlich rund 900 Einzelkunden mit 2500 Tonnen Ware. die Fische werden in der zentralen Manufaktur Bremerhaven filetiert, geräuchert oder mariniert und morgens von den Feuerbachern bestellt. Dann fährt der Lastwagen los und kommt nachts in Stuttgart in der auf minus 22 bis minus 23 Grad gekühlten Ladezone an. Die Ware wird dann auf diverse Lagerhallen verteilt.

Die Deutsche See ist nicht der einzige Anbieter, der frischen Fisch zur Adresse des Bestellers liefert. Während die Nordsee in der Stuttgarter Schulstraße oder Lebensmittelmärkte noch auf den Direktverkauf im Laden setzen, liefert Feinkost Böhm die Ware auch direkt zum Kunden. Allerdings müssen dann Fisch oder Meeresfrüchte einige Tage vorher telefonisch bestellt werden.

Ist Fischessen angesichts der dramatisch abnehmenden Fischbestände denn überhaupt noch politisch korrekt? „Ja, es kommt eben darauf an, den richtigen Fisch zu essen,“, sagt Andreas Kremer. „Erst einmal muss er aus gesunden Beständen stammen, nach den neuen Bestimmungen der EU gefischt werden, frisch sein, gut aussehen, und dann muss er auch noch gut schmecken.“

Der Maßstab für den Fischkauf müsse die Beurteilung der Bestände durch die Wissenschaft sein. Fischereibiologen des Bundes hätten dazu eigens eine Datenbank geschaffen, die jedermann im Internet unter www.fischbestände.de einsehen könne. Andreas Kremer: Dort informieren auch wir uns im Zweifel und richten seit vielen Jahren unsere Einkaufspolitik genau nach diesen Daten aus.“

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