Gaby Köster 2012 bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises (mit Atze Schröder, Wolfgang Stumph und Bülent Ceylan, v. li.). Foto: dpa

Gaby Köster hat durch ihren Schlaganfall viel verloren, aber nicht ihren Humor. Ein Film erzählt nun im Privatfernsehen von ihrem schweren und langen Kampf um Selbstständigkeit.

Berlin - Am meisten vermisst sie das Sprinten. Loslaufen, wann und wohin sie will. Aufspringen und sich ein paar Nudeln machen, aber zack, zack. Dieses Wort hat Gaby Köster aus ihrem Vokabular gestrichen. Alles geht so furchtbar langsam, seit sie vor neun Jahren einen Schlaganfall erlitt und erst nach Wochen wieder aus dem künstlichen Koma erwachte: halbseitig gelähmt.

Gestern noch eine der schnellsten und schlagfertigsten Komikerinnen der Republik, heute ein . . . Nein, das Wort Pflegefall wird man aus ihrem Mund nicht hören. Denn Gaby Köster hat zwar einiges verloren, seit sie im Januar 2008 plötzlich der Schlag traf und sie im Bad mit dem Kopf auf eine Heizung knallte, aber nicht ihren Humor. Und der bewahrt sie und andere auch heute davor, über den fiesen Scherz zu jammern, den sich das Schicksal mit ihr erlaubt hat.

„Ein Schnupfen hätte auch gereicht“

Das ist die Botschaft des Films der Produktionsfirma Zeitsprung („Contergan“) den RTL am Karfreitag ausstrahlt: „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“. Er erzählt davon, was passierte, nachdem Gaby Köster im Januar 2008 plötzlich von der Bildfläche verschwand und die Fans rätselten, was wohl passiert sein könnte. Die einen behaupteten, sie wäre an Aids erkrankt. Andere dichteten ihr Brustkrebs an. Sogar für tot war sie schon erklärt worden.

Sie selber beseitigte alle Spekulationen im September 2011 bei einem Auftritt in der Sendung „Stern TV“. Das Publikum erhob sich von den Plätzen, als sie gestützt auf den Arm von Moderator Steffen Hallaschka das Studio betrat. Ovationen im Stehen für eine Stehauffrau. Tot, nein, tot sei sie nicht, erklärte sie auf ihre unnachahmlich rustikal-charmante Art. „Eigentlich ist meine Körpertemperatur recht angenehm.“

Was für ein Comeback. Schmaler geworden ist sie und langsamer beim Sprechen. Aber die Pointen sitzen immer noch an der richtigen Stelle. Sie schüttelt sie immer noch aus dem Ärmel. Diese Szene findet man auch im RTL-Film. Zeitsprung hat Archivbilder von Köster-Auftritten hineinmontiert. Kein Bild transportiert die Botschaft der Komikerin so gut wie das vom ersten Auftritt nach drei Jahren Sendepause. „Sie möchte Menschen und ihren Angehörigen Mut machen, denen so etwas auch passiert ist. Es geht ihr gar nicht so um die eigene Geschichte, sondern um den Umgang mit solchen Situationen. Die Message lautet: Gebt nicht auf!“

Mit dem Beruf der Comedian ist es vorbei

So formuliert es Anna Schudt (43). Die Dortmunder „Tatort“-Kommissarin spielt die halbseitig gelähmte Komikerin. Sie sagt, es sei eine der schwierigsten, aber auch lehrreichsten Rollen ihres Lebens gewesen. Man sieht, wie sie aus dem Koma erwacht und sich im Spiegel kaum wiedererkennt, weil auch ihre linke Gesichtshälfte anfangs noch gelähmt war. Es ist ein steiniger Weg zurück aus dem Krankenhaus, das von Paparazzi umlagert wird. Köster brauchte eine Weile, um sich einzugestehen, dass die Lähmung nicht wieder verschwinden wird und sie ihren Beruf als Komikerin so nicht wieder ausüben kann. Ein schmerzreicher Prozess.

Sie, die Darstellerin der schlagfertigen Supermarkt-Kassiererin aus der Sitcom „Ritas Welt“, stößt dabei immer wieder Menschen vor den Kopf, die ihr helfen wollen. Doch am Ende verlässt sie das Kran­kenhaus an Krücken, nicht im Rollstuhl. Das Köster dieser Kraftakt gelungen ist, schreibt Schudt nicht nur ihrem Humor, sondern auch der Unterstützung durch ihren damals erst 13-jährigen Sohn Donald und ihrer Mutter und ihrem gesunden Pragmatismus zu. „Sie ist keine Jammerliese.“ Das verbinde sie und Gaby Köster.

Die schreibt heute Romane und stellt ihre farbenfrohen Aquarelle unter dem Künstlernamen „La Manca“ (Die Einarmige) aus. Sie stand dem Filmteam auch während der Dreharbeiten als Beraterin zur Seite. Ein echtes Privileg, sagt Schudt. Was macht es mit einem Menschen, wenn sich beim Schlaganfall Gefäße im Kopf durch ein Blutgerinnsel verschließen und Nervenzellen absterben? Wenn er wieder alles neu lernen muss, sprechen, gehen, sitzen, essen?

Das besondere Köster-Kölsch

Das waren Fragen, die niemand besser als Köster beantworten konnte. Auch ein Osteopath und ein Sprachtrainer halfen ihr bei der Vorbereitung auf die Rolle, der eine mit der Motorik, der andere mit dem Kölsch. Mit diesem besonderen Köster-Kölsch, von dem Schudt sagt, dass es „immer ein bisschen näselt, aber tief aus dem Bauch herauskommt, wenn sie rotzig ist“.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Darstellung der halbseitig Gelähmten ist preisverdächtig authentisch. Gaby Köster jedenfalls erkannte sich darin wieder. Sie bedankte sich für das Herzblut und die Akribie, die Schudt in die Rolle investiert hat. Allerdings nicht sofort, sondern erst nach einigen Wochen. Zack, zack war gestern.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: