Die Landesbank Baden-Württemberg wird wohl 24.000 ihrer Wohnungen an die Stadt Stuttgart verkaufen. Foto: dpa

Stuttgart und vier Partner bieten um Wohnungen der LBBW mit. Der Preis ist noch offen.

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart und vier Partner haben vertraglich fixiert, dass sie die 24.000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kaufen wollen. Der Gemeinderat hat bereits zugestimmt. Doch es gibt noch offene Fragen - etwa die nach dem Preis.

Die LBBW muss ihre Immobiliensparte bis Ende 2012 verkaufen. Das hat die EU-Kommission wegen der Milliardenhilfen von Land, Sparkassenverband und Stadt während der Finanzkrise verfügt. Nun stehen die Chancen gut, dass sich Ängste vor gierigen Investoren wohl nicht bewahrheiten werden. Ein Konsortium aus der Stadt und vier Partnern will die rund 24.000 Wohnungen im ganzen Land in einem Paket kaufen. Das Bieterverfahren soll in den nächsten Monaten beginnen.

Die Beteiligten des sogenannten Baden-Württemberg-Konsortiums haben am Freitag ihre Zusammenarbeit vertraglich besiegelt. Hauptgesellschafter mit einem Anteil von 59,9 Prozent wird die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG (GWG). Die Landeshauptstadt ist mit 25,1 Prozent vertreten und sichert sich so eine Sperrminorität für Beschlüsse. Je fünf Prozent wollen sich die Bietigheimer Wohnbau GmbH, die Flüwo Bauen Wohnen eG und die GSW Sigmaringen mbH sichern.

Die Stadt will mit ihrer Beteiligung in erster Linie verhindern, dass sich eine sogenannte Heuschrecke, also ein rein auf Profit bedachter Investor, die Wohnungen sichert. In diesem Fall könnte es zu deutlichen Mieterhöhungen sowie zu einer Zerschlagung und Vernachlässigung des Bestands kommen. "Wir wollen in Stuttgart solche Finanzinvestoren nicht haben", sagt der Erste Bürgermeister Michael Föll, "es gibt in anderen Städten zu viele abschreckende Beispiele."

"Wir sind in der Lage, jeden realistischen Betrag zu bezahlen"

Rund 4000 der Wohnungen befinden sich in Stuttgart. Sie sind in wenigen Stadtteilen, vor allem im Nordbahnhofsviertel, konzentriert. Die Stadt habe ein großes Interesse daran, über die Zukunft dieser Wohnungen mitentscheiden zu können, so Föll. Zudem wolle man den Firmensitz der heutigen LBBW-Wohn-Immo GmbH in Stuttgart sichern und für den Erhalt der rund 500 Arbeitsplätze dort Sorge tragen.

Auch GWG-Vorstand Christian Holz versichert, dass die fünf Partner großen Wert auf soziale Aspekte legen wollen, so sie den Zuschlag erhalten. "Wir sehen die Chance, den Bestand dauerhaft und qualitätvoll zusammenzuhalten im Sinne der Mieter und der betroffenen Kommunen", sagt er. Man werde großen Wert auf die Instandhaltung der Wohnungen legen. Was die Mieten betrifft, gehe man davon aus, dass die derzeitigen Miethöhen "angemessen" sind. Größere Erhöhungen müssten die Betroffenen also nicht befürchten.

Bis das Bieterverfahren beginnt, müssen allerdings noch einige Fragen geklärt werden. Weder kennen die Konsortiumspartner die genaue Verteilung der Wohnungen im Land und darüber hinaus, noch den exakten Wert des Unternehmens. Sie gehen jedoch von einer Kaufsumme zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro aus. Für die Stadt würde das einen Anteil von mindestens 250 Millionen Euro bedeuten. Föll rechnet jedoch nicht damit, eine derart hohe Summe bezahlen zu müssen, weil die LBBW-Tochter in Teilen fremdfinanziert sei. Der Gemeinderat hat die Pläne bereits einstimmig gebilligt, muss jedoch im Juli noch einen Nachtragsetat beschließen und die Verwaltung zum Bieten ermächtigen.

Das Konsortium rechnet damit, dass mindestens zwei weitere Bieter ihren Hut in den Ring werfen. Doch die Beteiligten sind zuversichtlich, den Zuschlag zu erhalten. "Wir sind in der Lage, jeden realistischen Betrag zu bezahlen", versichert Holz, "auf Luftblasen werden wir uns aber nicht einlassen." Die Stadt hatte ursprünglich ein rein kommunales Konsortium angestrebt, war damit aber am Desinteresse anderer Städte gescheitert. Der jetzige Zusammenschluss gilt dafür als besonders stark: Die fünf Partner bewirtschaften bereits jetzt insgesamt 64.000 Wohnungen im Land.

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