In Altdorf hat sich ein Laden ganz dem Thema Wasserbetten verschrieben. Nachdem sie in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind, geben die Inhaber ihr Geschäft nun auf. Der Abverkauf läuft bis Ende Mai.
Für Florian und Jeannette Grünewald ist bald Schluss in Altdorf. Ihr Laden Lay down Wasserbetten muss nach 30 Jahren schließen. Am Samstag, 31. Mai, ist der endgültig letzte Öffnungstag. „Anstatt unser Jubiläum zu feiern, machen wir Feierabend“, sagt der Inhaber. Für den 57-Jährigen und seine Frau ist es ein bitterer Abschied, aber „wir sind froh, dass wir die Reißleine gezogen haben, bevor wir in ein Insolvenzverfahren gerutscht sind“, sagt er.
Der Wasserbettenladen an der Holzgerlinger Straße habe seit Jahrzehnten treue Kunden, sagt Jeannette Grünewald wehmütig. Als das Ehepaar vor einigen Wochen eine E-Mail an den gesamten Verteiler schickten, in dem sie ihre Kunden um Hilfe anflehten, hätten ihnen diese am nächsten Tag beinahe die Tür eingerannt, um bei ihnen einzukaufen. Gerettet hat das den Laden aber nicht. „Wir haben zu spät nach Hilfe gefragt“, erkennt Jeanette Grünewald jetzt. Schließlich hätten sie ihre Altersvorsorge anzapfen müssen, um die Ladenmiete bezahlen zu können. Körperlich und psychisch habe die Situation an ihnen gezehrt. Der Entschluss, das Fachgeschäft zu schließen, sei dann recht schnell gefallen. „Wir saßen an einem Sonntag auf dem Sofa, haben uns angeschaut und beide gesagt: Das war’s, wir hören auf“, sagt die 51-jährige Maichingerin.
Vom Kollegen zum Chef
Einmal selbstständiger Ladenbesitzer zu sein, war eigentlich nicht Florian Grünewalds Lebensentwurf. „Aber mein Vater war mehr als 40 Jahre selbstständig, vielleicht bin ich dadurch inspiriert worden“, sagt er mit einem Lachen. Grünewald hatte im Jahr 2006 als Monteur im Laden von Iris Geyer begonnen, die das Geschäft 1995 gegründet hatte, und sei nach einer Zeit in den Verkauf gegangen. Als Geyer jedoch 2010 überraschend und in jungem Alter verstarb, war Eile geboten. „Es gab eigentlich nur die beiden Möglichkeiten, den Laden zu schließen, oder ihn selbst weiterzuführen“, sagt er. Als einziger Mitarbeiter mit kaufmännischer Ausbildung habe er damals den mehr als acht Mitarbeiter starken Betrieb übernommen. „Es war sehr seltsam, vom Kollegen zum Chef zu werden“, erinnert er sich. Für alle Beteiligten sei das eine steile Lernkurve gewesen. „Aber es hat dann 15 Jahre lang hervorragend funktioniert.“
Immer mit dabei war im Wasserbettenladen ein zotteliges Maskottchen. Die 21 Monate alte Briard-Hündin Alani und davor jahrelang Hündin Bahati waren für das Ehepaar besondere „Ladenhüter“. Viele Kundinnen und Kunden hätten beim Besuch im Laden extra ihretwegen Leckerlis in der Tasche gehabt. „Wir hätten uns gewünscht, dass Alani auch im Laden aufwächst“, sagt Jeannette Grünewald.
Krisenzeiten
Wie viele andere Unternehmen habe auch Lay down Wasserbetten in der Pandemie gelitten. „Corona brach über uns herein wie über alle anderen auch“, sagt der Laden-Inhaber. Als „Berufsverbot“ bezeichnet das Ehepaar die Zeit der Ladenschließungen und des Lockdowns. Auch nach der Pandemie seien die Nachwirkungen noch zu spüren. Dadurch, dass die Menschen nun deutlich häufiger im Homeoffice arbeiteten, sei die Laufkundschaft zurückgegangen. Die Leute bestellten lieber im Internet.
Doch nicht nur das sei eine Schwierigkeit für Selbstständige, auch der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 habe sich sehr negativ auf den Laden ausgewirkt. „Unsere Wasserbetten in der Ausstellung brauchen Strom, und außerdem haben wir eine Gasheizung – das war deutlich zu bemerken“, sagt Florian Grünewald. Im Einkauf seien ihre Produkte verteuert worden, was bei den rückläufigen Einnahmen nicht mehr auszugleichen sei. Zudem habe sich in der Bevölkerung eine „Konsumverdrossenheit“ breit gemacht, was zu noch mehr Umsatzrückgang geführt habe. „Ich habe in den letzten zwei Jahren 50 Prozent weniger Pflegemittel gebraucht, weil viele ihre Abonnements gekündigt haben“, sagt Jeannette Grünewald. „Je frustrierter alle wurden, desto weniger hatten sie Lust, Geld auszugeben.“
Neues Kapitel beginnt
Bis zum letzten Kapitel ihres Ladens habe es immer positive Erlebnisse gegeben. Von der Klientel, die für jedes Familienmitglied seit 20 Jahren Wasserbetten kauft, über die teils schwer kranken Kunden, für die die Auswahl der richtigen Matratze auch mal mehrere Termine im Laden in Anspruch genommen habe. „Und das waren dann auch die Kunden, die sich zuerst bei uns gemeldet haben, als die Nachricht von der Schließung raus war“, sagt Jeannette Grünewald.
Bis Ende Mai will das Ehepaar nun alles abverkaufen, was noch im Laden ist – die Einrichtung inbegriffen. Nebenbei müssen die Unterlagen gesichtet und teilweise noch zur Aufbewahrung mitgenommen werden. „Danach sind wir raus“, sagt Florian Grünewald. Bei aller Enttäuschung über die seiner Meinung nach fehlende Unterstützung für Selbstständige – Florian Grünewald hat bereits eine neue Anstellung in Aussicht.
Ein Geschäft mit Geschichte
Gründung
Eröffnet wurde Lay down Wasserbetten im Jahr 1995 von Iris Geyer. Sie machte sich mit Anfang 20 an der Schönaicher Straße in Böblingen selbstständig.
Expansion
Später eröffnete auch eine Filiale in Hessen. Nach dem Tod von Iris Geyer wurde diese geschlossen. Den Stammsitz übernahm Florian Grünewald.
Sindelfingen
Der Wasserbettenladen zog nach Sindelfingen ins Cristal Carrée an der Weiherstraße. Als der Mietvertrag vom Eigentümer gekündigt wurde, fand das Ehepaar Grünewald Verkaufsräume in Maichingen – aber nur auf Zeit.
Altdorf
Gegen Ende der Pandemie kam der Laden nach Altdorf, wo er noch bis Ende Mai an der Holzgerlinger Straße zu finden ist.