Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erhofft sich durch das neue Instrument mehr Transparenz für Patienten. Foto: dpa/Britta Pedersen

Mit einem neuen Internet-Portal des Bundesgesundheitsministeriums lässt sich schnell herausfinden, welche Klinik für welchen Eingriff empfehlenswert ist.

Patienten, die vor einer Operation stehen, womöglich sogar vor einem schweren und unerwarteten Eingriff, befinden sich in einer außergewöhnlichen Stresssituation. Viele Fragen stellen sich ihnen, viele Vorkehrungen sind zu treffen. Vor allem aber: Das richtige Krankenhaus ist auszuwählen. Das ist eine Entscheidung, die im Extremfall über Leben und Tod entscheiden kann, aber auch in einer weniger dramatischen Situation erhebliche Tragweite hat.

Schneller Vergleich von Kliniken per Mausklick

Seit Freitag steht Patienten ein neues Hilfsmittel zur Verfügung, um diese Wahl auf einer wesentlich besseren Grundlage treffen zu können als bisher. Das Bundesgesundheitsministerium hat den Bundes-Klinikatlas online freigeschaltet. Unter „bundes-klinik-atlas.de“ können nun alle rund 1700 Krankenhäuser in Deutschland, die somatische Eingriffe vornehmen, nach bestimmten Kriterien miteinander verglichen werden.

So lässt sich ermitteln, welche Häuser den benötigten Eingriff überhaupt durchführen, wie viele dieser Operation im Jahr durchgeführt werden, ob die Klinik für die nachgefragte Operation ein Zertifizierung besitzt, wie die Pflegesituation in den Häusern ist und wie es um die Notfallversorgung steht. Im Laufe des Jahres sollen weitere Informationen abgefragt werden können, vor allem die Komplikationsrate bei dem gesuchten Eingriff. Per Mausklick lässt sich sehr schnell ein unmittelbarer Vergleich zwischen vom Nutzer ausgewählten Krankenhäusern anstellen.

Das Projekt ist Teil von Lauterbachs Krankenhausreform

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) machte bei der Vorstellung des Atlas am Freitag deutlich, wie wichtig ihm vor allem der schnelle Zugriff auf die Zahl der Fälle und später auf die Komplikationsrate ist. Der Minister gibt folgendes Beispiel. „Ich kann durch dieses Portal erkennen, dass es in Berlin 48 Kliniken gibt, die Darmkrebsoperationen durchführen. Ich kann aber gleichzeitig ersehen, dass davon nur 18 die Zertifizierung als spezialisiertes Zentrum haben. Das sind für den Patienten entscheidende Informationen.“

Die Handhabung des Portals ist durchaus nutzerfreundlich. Wie bei der Tacho-Anzeige im Auto zeigt eine Nadel, die in Fünferschritten einen Bereich von rot nach grün abdeckt, ob viel oder wenig Erfahrung mit einer bestimmten Operation im Haus vorliegt oder die Ausstattung mit Pflegekräften gut oder eher knapp ist.

Lauterbach versteht den Klinik-Atlas als integralen Teil seiner Krankenhausreform, entsprechend umkämpft war das entsprechende Gesetz von Anfang an. Die Bundesländer, die das Vorhaben rechtlich nicht verhindern konnten, weil es nicht zustimmungspflichtig war, schickten es im Frühjahr in den Vermittlungsausschuss und drohten lange damit, dort das Votum auf die lange Bank zu schieben.

Viele Kliniken hätten sich späteren Start gewünscht

Kritik an dem Vorhaben kam außerdem von vielen Interessenvertretern der Krankenhäuser. Die Befürchtung: Gerade kleinere Häuser befürchten, dass die Patienten nun auf spezialisierte Zentren ausweichen werden und so Häuser, die oft ohnehin schon Finanzprobleme haben, endgültig in Schieflage kommen werden oder die Insolvenz nicht mehr vermeiden können. Sie hätten sich den Start des Atlas deshalb erst zu einem Zeitpunkt gewünscht, zu dem die kommende Krankenhausreform bereits greift und die kleinen Häuser ein neues Profil hätten entwickeln können.

Für den Minister ist es dagegen durchaus im Interesse der Patienten, wenn sich der Prozess der Spezialisierung nun beschleunigt. „Wir brauchen Transparenz und Spezialisierung“, sagte Lauterbach. Er verweist darauf, dass nur höhere Fallzahlen und damit verbundene Erfahrung auch Qualität garantieren können.