Auf dem festlich beleuchteten Marktplatz kamen Kinder und Eltern zum St.-Martins-Spiel zusammen Foto: /Stefanie Schlecht

Nach fünf Jahren Pause führt St. Martin am Samstag wieder einen Laternenlauf um die Böblinger Seen an. Die Wiederauflage sei ein voller Erfolg gewesen, schwärmt Citymanagerin Kira Morgan. Einzig das Pferd fehlt.

Um den Tag des heiligen St. Martin zu feiern, der mit seiner Barmherzigkeit zur Legende wurde, lud die Stadt Böblingen erstmals seit 2019 wieder zum Laternenlauf. Nach Jahren der Corona-Zwangspause war unsicher, wie viele Familien den Weg an die Böblinger Seen finden würden. Doch die Neuauflage knüpft an alte Erfolge an.

 

Über 1000 sollen es sein Genau durchgezählt hat am Samstag freilich niemand. Doch nach dem Start des Laternenumzugs am Elbenplatz um 18 Uhr schlängelt sich ein ein eindrucksvoller Lindwurm aus Laternen tragenden Kindern um die Böblingen Seen. Er zieht vom Frechdax entlang der Uferstraße Richtung Stadtgarten. Von dort umkreist er den Oberen See, um durch Wandelhalle und über die Alba-Brücke Richtung Marktplatz zu wandern. Kira Morgan als Veranstalterin schätzt die Zahl der Teilnehmer auf über 1000. Für die Sicherheit sorgt ein Eventteam.

Bunte Fabelwesen Einen leuchtenden Drachen schwenkt die siebenjährige Nelli Keitel vor sich her. „Wir sind aus Grafenau hergekommen“, sagt ihre Mutter, die mit ihrer Tochter zum ersten Mal im Laternenlauf mitgeht. Nelli habe sich schon auf ein echtes Pferd gefreut, doch der St. Martin ist ihr auch als Fußsoldat recht. Sie geht ganz vorne im Zug mit, gleich hinter dem römischen Soldaten. An den Laternenstäben ringsum hängen viele fantasievolle Gebilde: Vom Glücksschwein über bunte Wolken bis zu kunstvollen Gebilden aus Pappmaschee. Was zur absoluten Rarität geworden ist: Echte Kerzen. Heute leuchtet man LED-gestützt.

Premiere für St. Martin Erstmals in die Rolle des römischen Soldaten, der hernach zum Bischof wurde, schlüpft am Samstag Toni Anastasakis aus Dagersheim. Der 46-Jährige genießt die Rolle im Kostüm eines römischen Legionärs sichtlich. Unzählige Kinder wollen ein Foto mit ihm schießen. „Es hat mir Spaß gemacht, gerne wieder“, sagt er inmitten des Trubels. Das Kostüm allerdings musste er nicht selbst auftreiben: Der blank polierte Helm samt römischer Legionärskluft gehört der Stadt.

Historisches Vorbild Die Sage des heiligen St. Martin geht zurück auf Bischof Martin von Tours. Der soll als römischer Soldat um 340 n. Chr. im französischen Amiens stationiert gewesen sein. In einer kalten Nacht teilte er seinen Mantel, eine sogenannte Chlamys, die im oberen Teil mit Schaffell gefüttert war, um einem Bettler vor dem Stadttor die Hälfte zu schenken. Im Traum erschien ihm Jesus Christus und Martin wurde später Bischof.

DAT-Darstellerinnen auf dem Marktplatz /Stefanie Schlecht

Nicht auf dem Rücken eines Pferdes War in früheren Jahren der Laternenlauf auch tatsächlich ein St. Martins-Ritt auf dem Rücken eines Pferdes, fehlt der behufte Hauptdarsteller beim Neustart. „Für uns war es im Handling einfach zu schwierig“, sagt Citymanagerin Kira Morgen. Ein geeignetes Pferd samt Reiter sei nicht leicht zu finden, zudem bei so vielen Teilnehmern nicht ganz ungefährlich. Ein Kompromiss war noch 2019 ein Pferd, das St. Martin am Strick führte. Doch es hätte ohnehin nicht mit auf den Marktplatz kommen können, weshalb man sich für die Zu-Fuß-Version entschied.

Händler zufrieden Gut gelaunt steht der Böblinger Gewerbevereins-Vorsitzende Christoph Rohr vor dem Alten Rathaus. Er verteilt gebackene Martinsgänse aus Mürbteig von der Bäckerei Sehne an die Hungrigen. „Die Resonanz ist viel größer als im Jahr zuvor“, sagt er zufrieden. Gemeinsam mit dem langen Einkaufsabend und dem Martinimarkt in der Bahnhofstraße sei ein gelungenes Gesamtpaket entstanden, dass die Vorweihnachtszeit in Böblingen stimmungsvoll einläutete, sagt der Werbefachmann.

Toni Anastasakis (46) mit OB Stefan Belz (r.) /Stefanie Schlecht

Sage in Standbildern Das Böblinger DAT-Theater spielte die Sage auf dem Marktplatz nach: Drei junge Darstellerinnen zeigten in acht Standbildern die historische Szene der Mantelteilung. Kommentiert wurde das Geschehen von Theaterpädagoge Tobias Ballnuss. Anschaulich schlüpften die jungen Mädchen in die unterschiedlichen Rollen von Bettler, Bischof bis Soldat – ohne viel Requisiten oder Kulissen.

OB erinnert an Menschlichkeit

Die Martinssage nahm der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz zum Anlass, an Mitmenschlichkeit zu erinnern: „St. Martin vermittelt uns Mitgefühl, Nächstenliebe und Zusammenhalt in der Gemeinschaft. In einer Welt, in der gerade nicht alles gut ist, ist das umso wichtiger.“

Laternenlauf in St. Klemens

Andacht
 „Wir teilen gemeinsam“ ist das Motto der traditionellen Andacht zu St. Martin am 11. November um 17.30 Uhr in St. Klemens. Die katholische Gesamtkirchengemeinde lädt dem Heiligen St. Martin zu Ehr auf den Kirchplatz in die Feldbergstraße ein.

Umzug mit Pferd
 Livia Thriemer auf ihrem Pferd Marie führt nach dem St. Martinsspiel den Laternenumzug durch die Straßen an. Anschließend wird auf dem Kirchplatz traditionell die Martinsbrezel geteilt. Die Ministranten verkaufen Waffeln und Punsch. Der Waffelteig wird von Thomas Heilig im Restaurant Paladion gespendet. Weitere Informationen auf https://se-bb.drs.de