Im schlimmsten Fall kann es zu krasser Selbstentwertung fühlen, wenn wir rückfällig werden und Sex mit einem Expartner haben, meint Claudia Huber. Foto: Rawpixel.com/stock.adobe.com

Jede fünfte Frau hatte schon mal Sex mit dem Ex. Warum wir das tun, obwohl man sich danach häufig einfach nur schlecht fühlt und was das alles mit Weihnachten zu tun hat, erklärt unsere Kolumnistin Claudia Huber.

Stuttgart - Die Lebkuchen im Supermarktregal kündigen es bereits an: Bald ist Weihnachten. Für Singles häufig eine emotional schwierige, weil emotional aufgeladene Zeit. Wenn man dann schwerstverliebte Pärchen händchenhaltend über den Weihnachtsmarkt schlendern sieht und man selber auch noch länger keinen Sex mehr hatte, wird die Gefahr akut: Sex mit dem oder der Ex zu haben. Eine Studie sagt, dass jede fünfte Frau das schon mal gemacht hat.

Im Detail können die Gründe hierfür natürlich ganz unterschiedlich sein. Entweder man hat mit der Sache noch nicht ganz abgeschlossen, hofft, den anderen wieder für sich gewinnen zu können, oder aber um die Distanz nach der Trennung zu überwinden oder einfach aus Abschluss-Verlegenheit.

Aufwärmen bringt nichts

Egal, welcher Grund zutrifft, das Ergebnis ist häufig wenig überzeugend: Frust, emotionale Verletzung, Enttäuschung, die Frage, ob man es nicht noch einmal versuchen soll – es kann bis zur krassen Selbstentwertung gehen. Häufig sind die Gefühle für die Betroffenen ganz absehbar. Und auch wenn das Mehr an Vertrautheit mit einem Ex-Partner gegenüber einem One-Night-Stand ein nachvollziehbar ist, stellt sich die Frage: Warum hab ich das jetzt eigentlich gemacht?

Das Ganze kann in zwei Richtungen gehen – in eine gute und in eine weniger gute. Zum einen kann es sein, dass die Person, von der man sich getrennt hat, wahrscheinlich gar nicht so doof ist, wie man denkt. Es gab einen Trennungsgrund, klar. Aber womöglich haben sich beide nach einiger Zeit etwas verändert und in seltenen Fällen so, dass es jetzt noch mal passen könnte. Dann ist es wichtig, sich noch mal von vorne kennenzulernen. Im neutralen Fall war es ein nettes sexuelles Erlebnis.

In welchem Fall ich dringend davor abrate, rückfällig zu werden oder den Ausrutscher zumindest nicht zu ernst zu nehmen: Wenn noch nicht viel Zeit seit der Trennung verstrichen ist oder der Trennungsgrund offensichtlich noch aktuell ist. Es bringt überhaupt nichts, eine Beziehung noch mal aufzuwärmen, die scheiterte. Ich rate euch: Hakt die Sache ab, auch wenn es noch so hart ist.

Der Sex wird auch nicht besser

Das gilt übrigens für alle Beteiligten und nicht nur für die Person, die womöglich mehr leidet, üblicherweise die, die nicht Schluss gemacht hat. Mit jemandem wieder ins Bett zu gehen, obwohl man die Beziehung selbst beendet hat, das ist verantwortungsloses Handeln. Sucht euch jemand anderen zum Vögeln! Schon aus Respekt vor den Gefühlen der anderen Person.

Auf den Sex selbst, so zumindest mein Eindruck, hat das mit dem getrennten Beziehungsstatus ohnehin keinen großen Einfluss. War der Sex gut, wird er selten viel enthemmter werden. Und wenn er schlecht war, wird er sicher nicht viel besser werden.

Weihnachten ist für Singles außerdem keine schlechte Zeit. Denn man ist ja nicht der einzige Mensch, der sich in dieser Zeit ganz besonders nach ein bisschen Liebe sehnt.

Hier geht es zu Claudia Elisabeth Hubers Blog.

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