Liebeskummer ist nicht zu unterschätzen. Foto: imago/Cavan Image

Wer hat schon gerne Liebeskummer? Wir haben mit Paartherapeut Oliviero Lombardi darüber gesprochen, was bei Herzschmerz hilft, warum er wichtig ist und warum bei einer Trennung von einer toxischen Person eh alles anders ist.

Präkrastination ist das Gegenteil von Prokrastination und meint den Drang, eine Aufgabe sofort anzufangen und so schnell wie möglich abzuschließen. Nach einer Trennung bedeutet das, dass wir den Drang haben, den Liebeskummer flott und strukturiert abzuhaken – denn Liebeskummer tut weh und hat niemand gerne.

 

Wie lange man dafür braucht, eine Trennung zu verarbeiten, hängt überwiegend vom eigenen Selbstwertgefühl ab. Ist das eigene Selbstwertgefühl sehr stark ausgeprägt, geht die Verarbeitung meist schnell. Das liegt daran, dass man sich selbst genügend Liebe geben kann und allgemein sehr stabil ist. Selbstverständlich spielen die Dauer der Beziehung oder zum Beispiel gemeinsame Kinder auch eine Rolle.

Wichtig: Im Umkehrschluss gilt diese Sichtweise nicht. Wer sehr schnell über eine Trennung hinweg kommt, kann auch einfach gefühlskalt sein.

Ausnahme: Toxische Beziehungen

Eine Ausnahme: Wer zuvor in einer toxischen Beziehung steckte oder zum Beispiel mit einem oder einer Narzisstin zusammen war, durchlebt meist eine besonder schwierigere Trennung. Denn Menschen, die in einer toxischen Beziehung leben sind aufgrund der Situation meist bereits in der Partnerschaft instabiler und nicht so aufgeräumt. Deshalb ist für sie eine Trennung auch schwerer.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben?

Manche Frauen und Männer befinden sich bereits wenige Wochen oder Monate nach der Trennung in einer neuen Beziehung. Das liegt daran, dass Menschen schlecht alleine sein können. Sie springen dann oftmals von einer Beziehung in die nächste, um eine Trennung überhaupt vollziehen zu können. Ein neuer Partner oder eine neue Partnerin und das Frischverliebtsein können eine hilfreiche Ablenkung sein, um die Beziehung mit dem oder der Ex zu überwinden.

Das klingt so, also ob diese Menschen die Trennung nicht ordentlich verarbeiten und mangelnde Wertschätzung gegenüber dem oder der Ex-Partner:in zeigen. Das kann man auch so sehen – hilfreich ist es aber trotzdem.

Dient der oder die neue Partner:in aber nur dazu, über den oder die alte hinweg zu kommen, wird die neue Beziehung früher oder später scheitern.

Was, er hat schon eine Neue?

Für den oder die Expartner:in ist es meist nicht leicht, den oder die Ex mit einer neuen Partner:in zu sehen. Da tauchen Eifersucht und viele andere Gefühle auf. Auch in dieser Zeit ist es wichtig, immer wertschätzend miteinander umzugehen. Man sollte keine Versteckspiele spielen, dem oder der Ex aber auch nicht auf die Nase binden, dass man frisch verliebt ist. Sofort das Whatsapp-Profilbild gegen ein neues Pärchenbild auszutauschen, ist zum Beispiel sehr unsensibel.

Es hat aber Vorteile, sich nicht direkt in eine neue Beziehung zu stürzen und den Liebeskummer richtig ausheilen zu lassen. Denn nur wenn man seinen Liebeskummer richtig ausgeheilt hat, also auch sein Selbstwertgefühl ausreichend entwickelt hat, ist man wirklich beziehungsfähig und damit in der Lage, eine neue Beziehung tragfähig einzugehen.

Heilen und den Selbstwert steigern

Hat man diese Reife nicht erreicht, wird man auch in der neuen Beziehung zum Beispiel zu sehr Klammern oder den oder die Neue mit überzogenen Vorstellungen überfrachten.

Doch man muss auch nicht ewig leiden, beziehungsweise sich rund um die Uhr mit der Trennung beschäftigen. Wenn man ständig an den oder die Ex denkt, traumatisiert man sich jedes Mal neu. Sogenannte Psychohygiene kann da helfen. Das bedeutet, dass man seinen Kopf „sauber“ hält und immer, wenn der oder die Ex in den Kopf kommt, diese Gedanken unterbricht und sich stattdessen auf etwas anderes, möglichst positives konzentriert.

Ansonsten gilt: Nur die Liebe heilt. Am besten die Selbstliebe.