HIV ist „nur“ eine der vielen Erkrankungen, vor denen ein Kondom schützen kann. Foto: imago images/Panthermedia/BreakingTheWalls via www.imago-images.de

Es ist ein Thema, das gern verschwiegen wird: Geschlechtskrankheiten. Das Wissen darüber hält sich folglich bei vielen in Grenzen, was fatale Folgen haben kann. Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn gibt einen Überblick.

Stuttgart - Man traut sich kaum das Wort laut auszusprechen, und es ist ja auch wirklich kein schönes Wort: Geschlechtskrankheiten. Fangen wir gar nicht erst mit den Namen der einzelnen Erkrankungen an… Doch, heute kommen Fakten auf den Tisch, und zwar von der Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

 

Was auf jeden Fall zu den häufigsten Infektionen im Genitalbereich gehört, sind die Chlamydien. Das Problem ist vor allem, dass sie bei Frauen zu chronischen Schmerzen oder sogar zu Unfruchtbarkeit führen können. Aber man kann diese Erkrankung gut mit Antibiotika behandeln. Die Krankenkassen übernehmen außerdem bei Frauen unter 25 Jahren einmal im Jahr einen Vorsorge-Abstrich.

Dann gibt es auch die HPV-Viren, besser gesagt: ungefähr hundert verschiedene davon. Fast jede Frau im gebärfähigen Alter kommt wohl irgendwann mit solchen Viren in Berührung. Aber nicht jede Infektion führt zu einer Erkrankung. Die sogenannten Faigwarzen sind beispielsweise an sich nicht gefährlich, können jedoch Wegbereiter für andere Infektionen sein. Dagegen sind HPV-Viren am Gebärmutterhals gefährlicher: Hier können sie zu Gebärmutterhalskrebs führen. Heutzutage gibt es die HPV-Impfung, umgangssprachlich auch oft Gebärmutterhalskrebs-Impfung genannt – dank ihr wird man sich wohl in Zukunft vor dieser Krankheit nicht mehr allzu sehr fürchten müssen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema HPV-Viren: Was gegen HPV-Viren wirklich hilft

Dann das Thema Pilzerkrankungen: Diese können bei sexuellem Kontakt übertragen werden – aber nicht immer sind die Männer schuld! Auch eine falsche Intimpflege kann der Auslöser für eine gestörte Scheidenflora sein. Und ebenso die Einnahme von Antibiotika, da diese nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Bakterien zerstören. Aber nichts gegen Antibiotika. Es gibt einfach Punkte, da reicht Handauflegen oder ein Zwiebelumschlag eben nicht mehr aus.

Der Genitalherpes ist nicht mehr so Thema, wie er schon einmal war. Er äußert sich durch juckende und schmerzende Bläschen im Genitalbereich. Übrigens hat er nichts mit dem Lippenherpes zu tun. Durch Genitalherpes kann keine weiterführende Erkrankung entstehen, allerdings kann er in den Nervenbahnen überleben und in Extremsituationen immer wieder zum Vorschein treten – sei es durch die Immunabwehr oder auch nur durch einen Klimawechsel. Generell ist Herpes gut behandelbar. Wenn eine Frau allerdings Herpesbläschen vor einer Geburt aufweist, muss ein Kaiserschnitt gemacht werden.

HIV-Tests beim Gesundheitsamt oder beim Gynäkologen

Eine HIV-Infektion ist eine der schwersten Erkrankungen, die beim Sex übertragen werden kann. Beim Gesundheitsamt oder beim Gynäkologen können Tests gemacht werden. Inzwischen gibt es gute Medikamente, durch die eine Infektion nicht mehr automatisch einen früheren Tod bedeutet. Natürlich hat man aber ein erhöhtes Risiko für andere sexuell übertragbare Krankheiten. Frauen sind noch anfälliger als Männer, da die Viren in kleinste Verletzungen der Scheidenhaut leicht eindringen können. Und wie so oft gilt auch hier: Ein Kondom ist einfach eine feine Geschichte.

Was viele nicht wissen: Auch Hepatitis B – mit der darauffolgenden Entzündung der Leber - zählt zu den Geschlechtskrankheiten. Auch sie wird über sexuelle Kontakte übertragen. Wir haben heutzutage die Impfung gegen Hepatitis A und B, mit der man einen guten Schutz dagegen hat. In Baden-Württemberg wird diese Kombi-Impfung von den Krankenkassen übernommen.

Das Gespräch zeichnete Hanna Helder auf.

„Unsere Kolumnen-Reihe „Lasst uns über ... reden“ über Liebe, Sex und Intimes – alle Folgen im Überblick“