Mit einem Laser werden Farbstoffpartikel in der Haut zerschossen. So wird ein Tattoo in mehreren Behandlungen entfernt. Foto: dpa

Studios, die Tätowierungen mit dem Laser entfernen, haben immer mehr zu tun. Doch künftig dürfen nur noch Ärzte die Laser einsetzen. Ist die Behandlung von Tattoos so riskant? Fragen und Antworten zum Thema.

Stuttgart/Karlsruhe - Das Geschäft mit Tattooentfernungen wächst. Jede und jeder vierte Deutsche über 18 Jahren, so zeigen Umfragen, ist heute tätowiert. Und einige von ihnen scheinen mit ihren Tätowierungen unzufrieden zu sein: Etwa zehn bis 15 Prozent sind es laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov oder der Gesellschaft für Konsumforschung. Aber gibt es wirklich einen Trend hin zu Tattoo-Entfernungen? Und wie riskant ist das Verfahren heute noch?

Wie viele Menschen lassen sich ihre Tattoos entfernen?

Genaue Erhebungen oder seriöse Zahlen gibt es dazu nicht. Schätzungen zufolge nehmen jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Menschen eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch. Das merken auch jene, die solche Entfernungen anbieten. „Wir merken von Monat zu Monat eine Steigerung“, sagt Leoni Raab von der Tattooentfernung Endlich ohne in Stuttgart. Auch die Konkurrenz in dem Geschäft wachse, weil immer mehr Studios und Praxen Tattoo-Entfernungen durchführen. „Es ist aber schon lange nicht mehr so, dass nur alte Tattoos entfernt werden. Es geht heute auch viel um das Cover-up, also das Überdecken, oder ums Aufhellen“, sagt Lasertherapeutin Leoni Raab.

Auch in der Laserklinik Karlsruhe sieht man seit Jahren eine Tendenz zur Zunahme. Ein enormer Trend hin zu Entfernungen lasse sich aber nicht feststellen: „Noch liegt das Tätowieren im Trend, noch lassen sich hierzulande mehr Menschen tätowieren als Tattoos entfernt werden“, sagt Dermatologe und Professor Christian Raulin. Aber: „Da haben wir noch eine Bugwelle vor uns.“ Er gehe davon aus, dass viele Menschen ihre Tattoos mit dem Älterwerden nicht mehr so schön finden – und der Wunsch zum Entfernen dann komme.

Wer darf Tätowierungen mit dem Laser entfernen?

Derzeit können nicht nur Hautärzte und plastische Chirurgen, sondern auch private Kosmetikstudios Tätowierungen mithilfe von Lasern entfernen. Doch das wird sich ändern: Der Bundesrat hat im vergangenen Herbst darüber entschieden, dass künftig nur noch Ärzte mit entsprechender Fachkunde Tätowierungen entfernen dürfen. Hintergrund war eine Forderung des Bundesamts für Strahlenschutz: Die Experten verlangten rechtliche Hürden für die kosmetische Anwendung von Lasern und anderen Geräten, die mit Strahlung arbeiten. Denn, so die Experten: Lasergeräte könnten bislang im Prinzip von jedem gewerblich eingesetzt werden. Nötig seien dazu nur ein Gewerbeschein, das mindestens 10 000-Euro-teure Lasergerät und der Besuch eines Laserschutzkurses. Weil die Anwendungen mit gesundheitlichen Risiken verbunden sei, gebe das zu wenig Sicherheit. Mit der Modernisierung des Strahlenschutzrechts soll sich das ändern: Ab Ende 2020 sind Tattoo-Entfernungen mit einem Laser dann nur noch von Ärzten möglich. Bis dahin, so der Gedanke, können sich Ärzte die entsprechenden Fachkenntnisse aneignen.

Lesen Sie hier: Wie Tattoos entfernt werden – und wie gut das funktioniert

Warum wurde eine neue Regelung angestrebt? Ist eine solche Entfernung wirklich so riskant?

Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte in einer Studie ermittelt, dass es in etwa einem Fünftel der Behandlungen mit Lasern zu Nebenwirkungen kam. Das Institut warnte infolge der Studie vor Verbrennungen, vorübergehenden oder bleibenden Pigmentveränderungen, Entzündungen und Narbenbildung – etwa dann, wenn der Laser nicht richtig eingesetzt wird. Auch andere Krankheiten könnten die Folge sein, so die Experten des Bundesamts. So wies bereits das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass bei der Laserbehandlung entstehende Pigment-Bruchstücke ins Lymphsystem gelangen und sich als Nanopartikel dauerhaft im Körper ablagern. Diese Farbpigmente, so hieß es vom BfR, könnten je nach Struktur giftig oder gar krebserregend. Von vielen in Tätowiermitteln verwendeten Stoffen sei noch gar nicht bekannt, wie sie im Körper wirken.

Was sagen die, die Tätowierungen entfernen?

Eine Sicherheit, das nichts passiere oder es keine Nebenwirkungen gebe, habe das Verfahren nicht, sagt etwa Christian Raulin, Dermatologe an der Laserklinik in Karlsruhe. Das hänge stark von den für eine Tätowierung verwendeten Farben, von der Intensität und dem Hauttyp ab. „Es kann vorkommen, dass Tattoos nicht komplett weggehen, dass sich Narben jeder Art bilden oder in seltenen Fällen auch Allergien entstehen“, sagt Raulin, der auch Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen ist.

Oft sei bei alten Tattoos kaum noch nachvollziehbar, welche Farbe verwendet wurde – und wie tief sie ist, sagt Leoni Raab vom Stuttgarter Studio des Unternehmens Endlich Ohne, das auf Tatto-Entfernungen spezialisiert ist. Zwar könne es mitunter zu Nebenwirkungen kommen, sagt auch sie – aber sie würden im Vergleich zu den positiven Effekten nicht so schwer wiegen.

Wie funktioniert das Verfahren überhaupt?

Die Energie der optischen Strahlung eines Lasers zerschießt die Farbpigmenten eines Tattoos in der Haut in kleine Partikel. Die entstehenden Bruchstücke sollen vom Körper abtransportiert oder abgebaut werden. Das geht über die Lymphknoten, Leber, Milz und Niere. Bei dieser Zerstörung von Farbpigmenten können giftige Stoffe wie Blausäure oder Benzol entstehen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Um ein Tattoo zu entfernen, bedarf es mehrerer Behandlungen. Zwischen diesen müssen jeweils vier Wochen liegen.

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