Die Bürger und Firmen gieren nach schnellem Internet. Foto: dpa

Im Gebiet um die Adolf-Murthum-Straße in Echterdingen surfen viele Anwohner im Schneckentempo. Die Enttäuschung ist groß. Ein Vermieter wirft Stadt und Stadtwerken Untätigkeit vor. Dort aber wird mit massiven Kosten argumentiert.

Leinfelden-Echterdingen - Peter Weda arbeitet seit 40 Jahren als IT- und Kommunikationsplaner. Es ist wohl Ironie des Schicksals, dass seine Kommunikation stockt, weil die IT bei ihm zu Hause streikt. Die Internetverbindung im Neubau an der Adolf-Murthum-Straße in Echterdingen ist schlecht. Während die Nachbarn außenrum über VDSL mit Geschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde und mehr surfen, erreichen Peter Weda und einige andere Anwohner im Gebiet südlich des Ursulawegs „über Uralt-Vorkriegs-Kupferleitungen“ 16 Megabit – offiziell. „Wenn Sie es messen, kommen hier je nach Tagesform und Wetterlage sechs bis neun Megabit an“, betont er, und das in der Wirtschaftsregion Stuttgart. „Wir leben doch nicht auf der schwäbischen Alb“, sagt er.

Auf den letzten Metern sei keine Ader mehr frei

Woran das liegt? Auf den letzten Metern zwischen dem Telekom-Verteilerkasten am Spielplatz der Adolf-Murthum-Straße und jenem Kasten, der das fragliche Gebiet versorgt, sei keine Ader mehr frei, erklärt Peter Weda, das VDSL-Kabel fehle. Nicht nur beim 68-Jährigen hängt der Haussegen schief. Er ist Vermieter für fünf Parteien im neuen Mehrfamilienhaus, „die sind natürlich sauer“. Alle Mieter seien darauf angewiesen, per Homeoffice effizient zu arbeiten, und alle hätten sich vor dem Einzug von ihren Anbietern versichern lassen, dass eine moderne Verbindung verfügbar sei. „Die haben alle versprochen, die bekommen schnelles Internet, gekommen ist nichts“, sagt er.

Peter Weda sagt, er habe alles versucht. Die Korrespondenz fülle Ordner. Der Alternativanbieter Unitymedia etwa habe kein Interesse an einem Ausbau, die Telekom schiebe den schwarzen Peter zur Stadt. Von der und dem Eigenbetrieb Stadtwerke, der selbst den Glasfaserausbau vorantreibt, ist Peter Weda enttäuscht. Eine schnelle Internetversorgung sei „keine Aufgabe der Daseinsvorsorge“, hat ihm der OB Roland Klenk geschrieben. Peter Weda widerspricht. „Heute ist Breitbandinternet mindestens genauso wichtig wie Wasser oder Gas. Das ist die Basis unseres Tuns.“

Er werde immer wieder vertröstet

Was ihn frustriert: Die Stadtwerke L-E. haben Leerrohre für Glasfaserkabel längst während der Bauphase bis in den Keller verlegt, für den letzten Akt werde er aber vertröstet. „Mit den Stadtwerken kann man keinen Saustall stürmen“, wettert er. Peter Friedrich, der Stadtwerke-Chef, will das nicht auf sich sitzen lassen. Man sei durchaus in Sachen schnelles Internet tätig. „Im Moment probieren wir, alle Gewerbegebiete über Glasfaser anzubinden“, auch die weiterführenden Schulen und Neubaugebiete habe man im Blick, „das Problem ist aber, dass wir 30 bis 40 Millionen Euro benötigen, wenn wir ganz Leinfelden-Echterdingen ausbauen wollen. Das zahlen wir nicht aus der Portokasse“. Der Fall Weda sei ihm bekannt, und Leerrohre würden grundsätzlich pro forma bei allen Neubauprojekten gelegt. Um die fehlenden 250 Meter zu überbrücken, würden aber „locker 100 000 Euro an Baukosten fällig“, betont Peter Friedrich. Das Ganze sei ein Kostenproblem, und verdient sei mit der teuren Technik aktuell zu wenig. „Viele wollen nicht angeschlossen werden. Das Problem ist, dass viele Kunden nicht bereit sind, wesentlich mehr zu zahlen.“

Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte profitieren

Hoffnung bringt diese Nachricht: Die Stadt befindet sich aktuell in Verhandlungen mit mehreren Anbietern, unter anderem der Telekom. Die Gigabit Region Stuttgart – eine gemeinsame Gesellschaft der Wirtschaftsförderung der Region, der Landeshauptstadt und von fünf Kreisen – hat im Mai einen Kooperationsvertrag mit der Telekom unterschrieben, „und wir sind im Zweckverband“, sagt Peter Friedrich. Bis zum Jahre 2025 soll allen Firmen ein Glasfaser-Zugang zur Verfügung stehen, bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte profitieren.

Laut Peter Friedrich gingen die Kommunen nun mit der Telekom in Verhandlungen. Er betont: Die Stadt habe keinen Einfluss auf die Ausbautätigkeit der Provider, und „die Telekom macht das auch eigenwirtschaftlich“.

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