Lipizzaner sind ein österreichisches Kulturgut, haben aber slowenische Wurzeln. Das hört man in Österreich nicht gerne. Foto: dpa

Lange stritt Österreich mit Slowenien über die Herkunft der Lipizzaner. Jetzt macht man gemeinsame Weltkulturerbe-Sache. Warum sind die Pferde für Österreicher so wichtig?

Stuttgart - Die Lipizzaner sind ein kulturelles Erbe, das einzig und allein Österreich gehört. So hat man das im Nachbarland immer gesehen. Die Pferde, die durch die Spanische Hofreitschule in Wien weltberühmt wurden und aus dem slowenischen Lipica stammen, sollen nun zwar durch ein gemeinsames Ansuchen der beiden Länder gemeinsames Weltkulturerbe werden. Auf Versuche Sloweniens, die Lipizzaner für sich zu beanspruchen, hatte Österreich bisher stets reagiert, als würde versucht, ein Nationalheiligtum zu stehlen. Nun hat man sich gütlich geeinigt.

Sind Lipizzaner sowas wie die Royals der Österreicher?

Das Jahr 1999 markiert den ersten Okkupationsversuch, als Slowenien den an den Herkunftsort der Zucht angelehnten Lipizzaner-Begriff bei der Welthandelsorganisation schützen lassen wollte. Auch als Slowenien 2007 Lipizzaner auf die 20-Eurocent-Münzen prägte, fand man das nicht lustig. Immerhin zierte das Pferd vorher Fünf-Schilling-Münzen. Das erweckt den Eindruck: Slowenischstämmige Pferde, da tun sich Österreicher so schwer wie Briten mit einer amerikanischen Prinzessin. Sind die Lipizzaner etwa die Royals Österreichs?

Kleines Land, aber kulturelle Großmacht

Die Sehnsucht nach der Monarchie sei passe, Österreich habe sich damit abgefunden, ein Kleinstaat zu sein, sagt der österreichische Historiker Hannes Leidinger. Während in Großbritannien die Royals ein Massenphänomen seien, verfolge das Kokettieren mit der monarchischen Vergangenheit des Imperiums der Habsburger in Österreich eher Ziele des Tourismusmarketings. Man präsentiere sich als Barockgroßmacht, als kleines Land mit großer Kultur. Das zeige sich an Festivals wie den Bregenzer oder Salzburger Festspielen und nicht zuletzt den Mozartkugeln, sagt Leidinger. Man habe Mozart, Haydn und Schubert regelrecht in Besitz genommen. „Die Lipizzaner passen da gut hinein”, sagt Leidinger. Die Spanische Hofreitschule, die schon materielles Weltkulturerbe ist, sowieso.

Diese Woche hat man sich zu einem gemeinsamen Weltkulturerbe-Antrag durchgerungen – und milde Worte gefunden. „Die Lipizzaner sind ein gemeinsames kulturelles Erbe, das Österreich und Slowenien miteinander verbindet”, sagt Österreichs Außenministerin Karin Kneissl. „In gemeinsamen Vermarktungsinteressen“, liest man zwischen den Zeilen.

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