Als der Waldheimverein Zuffenhausen vor 101 Jahren gegründet worden ist, standen soziale Überlegungen Pate.

Zuffenhausen - Seit Jahrzehnten machen Kinder in den Ferien Urlaub im Waldheim auf der Schlotwiese. Gegründet worden ist der Verein im Jahr 1911, seine Wurzeln liegen im sozialpolitischen Bereich. Das Waldheim sollte für Arbeiter und ihre Familien ein Ort der Erholung sein.

Als am 28. Mai 1911 der Verein Waldheim Zuffenhausen aus der Taufe gehoben wurde, herrschten andere gesellschaftliche Verhältnisse als heute: 60 oder mehr Wochenarbeitsstunden waren die Regel, und obwohl in Zuffenhausen viel Industrie angesiedelt worden war, gab es immer noch zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe. Ebenso wie in den Fabriken war auch auf den Bauernhöfen Kinderarbeit an der Tagesordnung. Es gab sogar spezielle Ernteferien, damit Kinder mithelfen konnten. Unter diesen Zuständen litten Mädchen und Buben körperlich wie seelisch. 1909 führte der Zuffenhäuser Stadtarzt Doktor Castpar Untersuchungen durch und kam zu dem Ergebnis, dass nur 18 Prozent der Kinder wirklich gesund waren. Die anderen litten unter anderem an Blutarmut, chronischen Halsentzündungen oder Wirbelsäulenverkrümmungen.

Sozialer Gedanke stand im Vordergrund

Um ihre Situation zu verbessern, schlossen sich die Arbeiter zu Gewerkschaften zusammen. In diesem Zusammenhang gründeten sich auch bald Arbeitersportvereine oder Gesangs- und Wandervereine. Diese wiederum brauchten Räume, in denen sie sich regelmäßig treffen und Veranstaltungen durchführen konnten. Auch ein Ort der Ruhe und Entspannung, wo sich die Arbeiter und ihre Familien von den täglichen Anstrengungen erholen konnten, fehlte in Zuffenhausen. So kam es zur Gründung des Waldheimvereins. Zunächst zog man auf ein zwei Hektar großes Areal im Birkenwald. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde der „linke Verein“ verboten und enteignet. Nach dem Krieg lebte der Waldheim-Gedanke wieder auf, 1950 entstand an der Hirschsprungallee ein neues Waldheim.

Dem Verein fehlt heute Geld

Das große Hauptgebäude steht heute noch. Es ist allerdings in die Jahre gekommen. Da ständig Reparaturen anstehen, belastet es die Vereinskasse stark. „Wir sind ein kleiner und armer Verein“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende Dieter Kupsch die Situation. Da das Gelände Eigentum des Vereins ist, gibt es von der Stadt kaum Zuschüsse. Deshalb ist man ständig auf der Suche nach Sponsoren. Im Frühsommer 2011 hat auf dem Vereinsgelände ein externer Betreiber einen Waldklettergarten eröffnet, den bislang 9000 Gäste besucht haben. „Der Waldheim-Gedanke ist für uns nicht nur Idee, sondern praktische Verpflichtung“, sagt Kupsch. Nach wie vor liege der Schwerpunkt bei der Kinder- und Jugendarbeit. Für die Sommerferien sei man beinahe schon komplett ausgebucht. Lange Tradition hat die Feier am ersten Mai, bei der sich regelmäßig die lokale Politprominenz sehen lässt. Zum 100. Geburtstag des Vereins ist 2011 eine 96-seitige Chronik veröffentlicht worden.

Wie es die nächsten 100 Jahre weiter geht, kann heute niemand sagen. Wünsche für die Zukunft gibt es aber: „Die Schlotwiese muss besser an den Personennahverkehr angebunden werden“, sagt Kupsch. Und um alle Sanierungen zu stemmen, käme dem Vorsitzenden ein sechsstelliger Lottogewinn gerade recht.

Waldheimverein

E-Mail waldheim-zuffenhausen@arcor.de

Homepage www.waldheim-zuffenhausen.de

Vorsitzender Dieter Kupsch

Kontakt Mönchsbergstraße 95, 70435 Stuttgart

Telefon 87 45 14 (Dieter Kupsch)

Gründungsjahr 1911

Mitgliederzahl 50

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