Intendant Axel Preuß mit Musicalstar Amani RC Robinson bei der Stuttgarter Premierenparty für das Musical „Sister Soul und ihre Schwestern“. Foto: StN

Nach der umjubelten Premiere der Nonnen in der Komödie im Marquardt tanzte die Stuttgarter Kulturszene in einer langen Partynacht. Wie Intendant Axel Preuß die Traditionsbühne verjüngen will, ohne das angestammte Publikum zu verlieren.

Stuttgart - Ob Heinz Erhardt, Conny Froboess oder Harald Juhnke – die großen Stars des Wirtschaftswunders traten an diesem geschichtsträchtigen Ort auf, der mal der goldene Saal des legendären Prachthotels Marquardt war. In der 1951 gegründeten Komödie im Marquardt ist schon viel gelacht und viel geklatscht worden.

Ein älterer Herr, der die Premiere des Gospel- und Swing-Musicals „Sister Soul und ihre Schwestern“ besucht hat, verfolgt die Marquardt-Programme schon sehr lange, wenn auch nicht bis ganz zurück zu den Anfängen. Was er bei der bestens besetzten Show der fetzigen Nonnen erlebt, ist für ihn geradezu sensationell.

„Einen so lauten Beifallssturm hab’ ich hier noch nie erlebt“

„Eine so große Begeisterung und einen so lauten Beifallssturm hab’ ich hier noch nie erlebt“, staunt der weißhaarige Theaterfan. Das Durchschnittsalter im Marquardt geht in Bereiche hoch, in denen man eher zurückhaltend ist – an diesem Abend aber reißt es nicht nur die Jungen von den Sitzen. Oh happy day!

Happy ist Intendant Axel Preuß. Die gute Laune, für die der Wirbelwind der Glitzernonnen sorgt, erfasst auch ihn bei der Premierenparty voll und ganz. Der Traditionsbühne will er ein neues Profil geben. Ohne das angestammte Publikum zu verlieren, soll sich das Haus für jüngere Besucher öffnen. Die liebsten Stoffe sind ihm die, die Generationen zusammenführen. Die Nonnen könnten es schaffen.

Getanzt wird bis um 2 Uhr morgens

Und wie oben auf den Fildern, wo die Stage Entertainment, der Musicalmarktführer, bei Premieren Stars, Sternchen und Stadtpromis einlädt, nutzt auch Preuß die erste Schwesternnacht zum Feiern und Fröhlichsein. Die heimische Kulturszene ist reichlich vertreten, so dass auch hier mit Multiplikatoren so etwas wie ein gesellschaftliches Ereignis geschaffen wird. Auf der Marquardt-Bühne stehen Darsteller, die man vom „großen Musical“ kennt.

Bis 2 Uhr früh wird bei DJ-Musik im Foyer des altehrwürdigen Theaters getanzt. Bei der Premierenparty gesehen: die Intendanten Sebastian Weingarten (Renitenz), Susanne Heydenreich (Theater der Altstadt) und Timo Steinhauer (Friedrichsbau Varieté), die Schauspielerinnen Ute Willing (ihre Karriere begann 1979 in der „Sesamstraße“) und Ulrike Barthruff (die Bäckersfrau Marga aus „Laible und Frisch“), Ingmar Otto, der Intendant des Kammertheaters Karlsruhe, Musicalstar Amani RC Robinson („Hairs“), Eva Hosemann, die Künstlerische Leiterin der Burgfestspiele Jagsthausen, Christian Seeler, der langjährige Chef des Ohnsorg-Theaters, Bine Schulz, die Organisatorin der Stuttgarter Kriminächte, und viele andere.

Ja, will jetzt auch die Moni Hirschle Nonne werden?

Monika Hirschle, zum Publikumsliebling der Komödie im Marquardt gewählt, ist so begeistert, dass sie sich vorstellen mag, doch noch Nonne zu werden – wenn es da so lustig und beschwingt zugeht. Christina Lucia Semrau, Botschafterin des Kinderhospizes Stuttgart, ist voll des Lobes, weil Intendant Preuß nicht nur tolle Ideen für Spielpläne hat, sondern sich auch sonst was Sinnvolles einfallen lässt. Jeden Abend wird die Kollekte, die Teil des Sister-Soul-Stücks ist und für die Körbe im Publikum kreisen, an das Kinderhospiz gehen, auch wenn bei der Premiere dies noch nicht allen klar ist.

Oh happy day! Frauen, die Schleier statt Smartphone tragen, denen die Bibel wichtiger ist als Botox, für die Keuschheit statt Clubbing gilt, zeigen’s himmlisch stark: Mit Schwung und Lebenslust gelingt alles besser. Wer gute Laune tanken will, ist im einstigen Prachthotel richtig.

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