Der Riesen-Tischkicker der Mobilen Jugendarbeit Ost war ständig dicht umlagert von Fußballfans. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Bei der 15. Langen Ost-Nacht konnte die ganze Vielfalt des Stadtbezirks auch kulinarisch erkundet werden. Gefeiert wurde bis Mitternacht, Tausende von Besuchern ließen sich die Festlaune auch durch den zwischenzeitlichen Regen nicht verderben.

S-Ost - Noch ein bisschen Dorf und dazu eine satte Portion Internationalität: Diese Mischung macht den Reiz des Stuttgarter Ostens aus und prägt auch das Stadtteilfest, die Lange Ost Nacht, die am Samstag das Jubiläum der 15. Wiederkehr erlebte: mit Choreografien von Salsa bis orientalischem Bauchtanz, Musik in allen Tonlagen, sportlichen Darbietungen, Zirkus-Attraktionen und Spezialitäten aus fernen Ländern. „Dieses Fest hat eine ganz besondere Dynamik“, schwärmt Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier, als sie die Straßenparty zusammen mit Peter Metzler, dem Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins Gablenberg, am Schmalzmarkt eröffnet und einen besonderen Genuss verspricht. „Das kulinarische Angebot spiegelt den Stuttgarter Osten wider“ – sowohl die Vergangenheit Gablenbergs als Weinbauern-Dorf wie auch den Anteil von Migranten, der inzwischen die Hälfte der Bewohner des Stuttgarter Ostens ausmacht.

Bis zu den Wurzeln als Wengerterdorf

Auf 1,5 Kilometern immer der Nase nach: Die Düfte und manchmal auch die Rauchschwaden aus den verschiedenen gastronomischen Ständen und Zelten sind der beste Wegweiser. Im Hof der Gärtnerei Krämer auf der Gablenberger Hauptstraße beispielsweise erschnuppert man den köstlichen Geruch von Flammkuchen. Und hier kehrt man auch zu den Wurzeln des Weinbauerndorfes zurück, denn hier bewirtet der Wein- und Obstbauverein Gablenberg mit eigenen Weinen. Einem Trollinger, einem Trollinger Weißherbst und einem Riesling, angebaut auf 14 Ar am Buchwald. „Wir bewirtschaften den Weinberg in Eigenregie vom Schneiden bis zur Lese mit einer Kernmannschaft von zehn Leuten“, berichtet Vereinsvorsitzender Eger. Bei der Lese müssen aber dann schon an die 30 Helfer ran. Das Keltern und Ausbauen werde beim Weinbaubetrieb Siegloch in Winnenden erledigt. Der Lohn der Mühe: „Im Jahr 1200 bis 1800 0,75-Liter-Flaschen“, gibt Eger Auskunft. Käuflich zu erwerben bei Margarete Strauß, der zweiten Vorsitzenden des Vereins, die ihren Keller für die Lagerung der Flaschen zur Verfügung stellt (Grünblickstraße 4, Telefon 48 44 22).

„Die Lange Ost Nacht ist etwas Besonderes“, begeistert sich auch Christina Schäfer, die Vizepräsidentin der Karnevalsgesellschaft Rosenmontag. Am letzten Wochenende vor Ferienbeginn, dem traditionellen Termin, herrsche schon richtige Urlaubsstimmung. Trotzdem hat sie sich dieses Jahr zum ersten Mal für einen strammen Arbeitseinsatz entschieden: Mit einem Stand, an dem nicht nur Hamburger und Cheeseburger, sondern Langos, eine herzhafte, in Fett rausgebackene ungarische Spezialität, angeboten wird. Die Kollegen von der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen beschränken sich auf Flüssiges, mit und ohne Alkohol. Dafür hat Präsident Thomas Klingenberg die Gardemädchen mitgebracht, die nach den Jazz- und Hip-Hop-Tänzerinnen des VfL Stuttgart die Bühne am Schmalzmarkt erobern.

Von Skandinavien über Indien bis Eritrea

Einen Abstecher nach Skandinavien bietet Dirk Högerle aus Rottweil mit seinem norwegischen Flammlachs, der direkt über dem offenen Feuer des entzündeten Buchenholzes gegart wird und sein rauchiges Aroma bekommt. Die Vielfalt der Gastronomie im Osten sorgt aber auch für Exotik: Indische und ceylonesische Gerichte an den Ständen der Restaurants Ganesha in der Gablenberger Hauptstraße und Vinayaga im Hof des Kulturwerks Ostheim, dazu eritreische Ragouts, zubereitet mit unvergleichlich pikanten Gewürzen von den Eritreischen Frauen in Stuttgart-Ost.

Etwas Bauchweh, gibt Peter Metzler, habe er nach der Amok-Nacht von München schon vor dem Fest gehabt. „Aber deswegen absagen? Nein, das geht nicht.“ Ein Sicherheitsrisiko erschien ihm auch die am Samstag stattfindende Demonstration der Kurden: Ihr Auftauchen beim Fest könnte zu einem Zusammenstoß mit dem türkischen und deutschen Familienförderverein und dem türkischen Kulturverein führen. Aber alles blieb friedlich, die Politik war so fern wie der Bosporus und verdarb niemanden den Appetit auf Spezialitäten der türkischen Küche wie Gösleme, Yufka, Adana Kebap, Kavurna und Tavuk Sis.

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