Wer zur Langen Nacht der Museen draußen unterwegs gewesen ist, hat eine gewisse Winterfestigkeit gebraucht. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Lange Nacht der Museen in Stuttgart ist wieder ein voller Erfolg gewesen. Der Wintereinbruch verlangte den Besuchern allerdings einiges ab – zum Beispiel beim Warten.

Stuttgart - Die Zahlen können sich wahrlich sehen lassen: Rund 20 000 Besucher sind am Samstagabend durch die Landeshauptstadt gestreift um in 82 an der Langen Nacht der Museen teilnehmenden EinrichtungenKunst und Kultur in den Abendstunden zu erleben. Oder aber Events, die speziell für diese eine Nacht angeboten wurden, wie die Hafenrundfahrt – vorbei an kunstvoll illuminierten Industriegebäuden.

„Ein tolles Angebot“, resümiert Agnes Staiber am Ende der Rundfahrt kurz vor Mitternacht. „Nur hätte es eben 15 Grad wärmer sein sollen.“ Glücklicherweise habe sie Handschuhe und eine Mütze dabeigehabt, so die 32-Jährige. „Sonst hätte ich diese Fahrt wohl nicht so gut überstanden.“ Einen Teil der etwa 20 Minuten dauernden Rundfahrt durch den Stuttgarter Hafen hat Staiber im Freien absolviert. „Im Schiffsinnern war es zwar wärmer, aber die Scheiben waren beschlagen.“ Da habe man von den Lichtinstallationen nur wenig gesehen. Vor dem Vergnügen auf dem Schiff galt es aber – je nach Ankunft – zunächst Geduld zu beweisen und bibbernd Schlange zu stehen. Schließlich legte die „Wilhelma“ nur im Halbstundentakt ab.

Geduld war aber auch in der Stadtmitte von vielen Besuchern gefordert, vor allem von denjenigen, die einmal das Neue Schloss besuchen wollten, die mit einem Oldtimer vom Ehrenhof des Neues Schlosses auf Rundfahrt gehen oder im Kunstmuseum die Arbeiten von Patrick Angus oder die dort im Kontext dieser Ausstellung gezeigte Aufführung der „Operette für zwei schwule Tenöre“ erleben wollten.

Junge Kunstexperten stehen Rede und Antwort

Im Kunstmuseum wurde die Geduld der Musikliebhaber mitunter dreimal auf die Probe gestellt: Beim Einlass – gegen 20.30 Uhr hatte sich hier eine rund 50 Meter lange Warteschlange gebildet; bei der Garderobe, da größere Taschen und Rucksäcke, die die Besucher zuhauf bei sich hatten, abgegeben werden mussten; bei der musikalischen Darbietung der Tenöre Felix Heller und Robin Neck. Die beiden Sänger waren schließlich erst kurz vor ihrem Auftritt in der Landeshauptstadt eingetroffen, da ihr von Berlin kommender Zug wegen des Wintereinbruchs vier Stunden auf der Strecke halten musste. Die beiden Künstler machten aus der Not am Ende aber eine Tugend und sangen sich vor dem Publikum warm – und ernteten selbst dafür von den pünktlich erschienenen Besuchern bereits tosenden Applaus. Der fiel bei den offiziellen Darbietungen mit je vier Arien, dann nochmals deutlich stärker aus.

Gut angenommen wurde von den Besuchern auch wieder das Angebot, sich von jungen Kunstexperten, den Cicerones, über einzelne Kunstwerke und Künstler informieren zu lassen. Einen spannende Erfahrung war dies auch für den erstmals an der Aktion beteiligten Studenten Thomas Maier, der über die Werke von Dieter Roth referierte. „Am Anfang hatte ich etwas Lampenfieber“, gesteht er. Dieses habe sich aber schnell gelegt und mit den Besuchern habe sich ein spannender Austausch ergeben. „Es macht wirklich Spaß“, so Maiers Fazit nach den ersten Stunden.

Mit Spraydosen Wände gestaltet

Viel los war über den gesamten Abend auch im Wilhelmspalais, wo Besucher nicht zuletzt virtuell Wände per Spraydose gestalten konnten. Clara Kaufmann, die zuvor nie eine Spraydose fürs künstlerische Schaffen in der Hand hatte, probierte sich als Sprayerin aus und war begeistert. „Das war fast wie in echt“, resümiert sie und ist nun auch ein wenig angefixt, sich vielleicht mal selbst als Sprayerin zu versuchen: „Das macht nämlich echt Spaß.“

Spaß an der Langen Nacht der Museen hatten auch Gunther Wenzel aus Öhringen und dessen seit vielen Jahren in Stuttgart lebende Schwester Almut Kaiser. „Die lange Nacht der Museen ist für uns immer das erste große Event, das wir gemeinsam Besuchen“, sagt Kaiser. Nachdem sich das Geschwisterpaar vor drei Jahren beim Besuch des Neuen Schlosses in die lange Schlange hatte einreihen müssen, war es diesmal gleich zum Auftakt seiner Kultur-Tour ins Neue Schloss gekommen. „Wir sind schon mindestens zum zehnten Mal bei der Museumsnacht und es immer etwas ganz Besonders“, schwärmt Wenzel, der vor allem die „tolle und entspannte Stimmung unter den vielen Kunstinteressierten“ schätzt.

Die herrschte nicht nur in den großen Ausstellungshäusern, sondern auch in vielen kleinen Galerien und Atelierhäusern, die sich abseits der Stadtmitte finden. Im Atelierhaus Brückenstraße hatten die Künstler „viele gute Gespräche“ mit den Besuchern, bestätigen Milena Geier, Ewald Mezger und Renate Strauß sowie Nina Joanna Bergold vom Atelierhaus Brückenstraße.

Spezielle Angebote für Kinder

Die Zahl der Besucher sei, so ihr Gefühl, diesmal auch etwas geringer gewesen – „und sie kamen später und nicht so lange – vielleicht auch wegen des Wetters“, so Strauß. Die Künstler würden es aber begrüßen, wenn die Museumsnacht früher beginnen würde und hinten raus nicht so lange dauern würde. Auch weil die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel – für Besucher wie andere Beteiligte – nach dem offiziellen Schluss um 2 Uhr kaum mehr gegeben sei.

Nicht nur die Erwachsenen kamen bei der Veranstaltung auf ihre Kosten. Schon um 16 Uhr hatten drei Stunden vor dem offiziellen Start eine Reihe von Institutionen ihre Tore für den Nachwuchs geöffnet. So auch das ifa-Institut, wo sich Kinder von dem Fotografen Hartmut Landauer mit allerlei Accessoires passend zur aktuellen Ausstellung Helga Paris in Schwarzweiß fotografieren lassen und die Bilder anschließen künstlerisch gestalten konnten. „Wir machen entsprechende Fotoaktionen schon seit Jahren und sie werden immer besser angenommen“, so Stefanie Alber, die für das Programm verantwortlich zeichnet.

Rund 120 Kinder und Jugendliche seien diesmal gekommen – „im kommenden Jahr bieten wir es daher sicher wieder an“, so Alber. Anders als in den Vorjahren gab es parallel für die Eltern Führungen durch die Helga-Paris-Fotoschau, „damit die Kinder alleine arbeiten konnten. Das ist pädagogisch einfach wertvoller“, so Alber schmunzelnd.

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