Die 19. Ausgabe der Langen Kunstnacht lockt in Leonberg die Besucher in die Altstadt. An mehr als 20 Stationen präsentieren die Künstler ihre Arbeiten. Bei perfektem Wetter sind viele auf den Beinen.
Musik ist ja schließlich auch Kunst. Da traf es sich gut, dass der Chor Rytmix auch bei der 19. Ausgabe der Langen Kunstnacht in Leonberg mit von der Partie war. Den ersten von drei Auftritten der Sängerinnen und Sänger im Stadtmuseum nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher für einen schwungvollen Auftakt ihres „Lakuna“-Rundgangs. Sie erfreuten sich unter anderem an Stücken von Abba und Hubert von Goisern – und währenddessen bewunderten sie gleich die Werke von David Pain. Seine maritimen Gemälde schmücken noch bis die 22. Juni die Wände des Museums.
Positive Kunst in schwierigen Zeiten
Allerdings: Das Stadtmuseum war bei der Langen Kunstnacht nur eine von insgesamt 22 Stationen in der Leonberger Altstadt. Nicht weit entfernt im Treffpunkt Stadtkirche zeigte zum Beispiel die Malgruppe „Malblockhütte“ ihre Aquarelle. „Wir malen anders als die anderen“, betonte Künstlerin Monika Geitner, während sich vor der Tür sogar eine veritable Schlange gebildet hatte. Angelika Simon, die wie auch Elke Odrich-Liebthal und Daniela Rank ihre Malerei präsentierte, ergänzte: „Es ist ein Kommen und Gehen und die Menschen erfreuen sich an den positiven Bildern.“ Vielleicht sei es ja gerade in heutiger Zeit wichtiger denn je, etwas Positives zu gestalten.
Lakuna: Künstler aus der Alten Schuhfabrik jetzt bei „Bild + Rahmen“
Eine Gasse weiter befindet sich der neue Standort der Manufaktur „Bild + Rahmen“. Auch diese Räumlichkeiten hatten sich zur Lakuna in eine Galerie verwandelt. Bemerkenswert: Das Geschäft hatte bis ins vergangene Jahr über Jahrzehnte seinen Sitz in der Alten Schuhfabrik. Wie auch zahlreiche Künstler musste es jedoch weichen, da das 120 Jahre alte Gebäude irgendwann abgerissen werden soll. Jene Künstler hatten für diesen Samstagabend nun einen Platz bei „Bild + Rahmen“ bekommen. Das konnte man gut und gerne als Zeichen des Zusammenhalts in der Leonberger Kunstszene deuten.
„Aber nur vorübergehend“, sagte „Bild + Rahmen“-Mitarbeiterin Birgit Bofinger, während sich ein nicht enden wollender Strom an Besuchern an ihr vorbei in die hinteren Werkstatträume schob. Aus ihrer Sicht sei der neue Laden zwar kleiner, die Lage an sich aber nicht schlecht. An der Lakuna sei es schön, dass abseits der vielen, vielen Rahmen zusätzlich Farbe ins Geschäft komme.
Lakuna auch in der Natur: Blütenpracht im Pomeranzengarten
Apropos Farbe: Die gab es nicht nur in den verschiedenen Galerien, Läden, Kanzleien und Agenturen. Wer genau hin- und zwischen den Altstadtgiebeln durchschaute, durfte sich über ein malerisches Abendrot freuen. Auf dem Weg zum Marktplatz konnten sich die Bummelnden auch noch von der Blütenpracht im und um den Pomeranzengarten hinreißen lassen. Es spielte bei dieser Lakuna einfach so gut wie alles mit.
Und die Kunstnacht schrieb auch ihre besonderen Geschichten. Wie jene, die sich im Tattoostudio Arctic zutrug. Dort wurden nicht etwa die kunstvollsten Tattoomotive ausgestellt. Nein – Künstlerin Olga Manilow zeigte dort ihre strukturierten Arbeiten, die sie unter anderem aus Holz, Asche oder Kaffeesatz herstellt. Der Studioinhaber, Künstlername Igor Arctic, berichtete vom ersten Kontakt: „Sie stand einfach hier in der Tür und hat nach einer Location gesucht.“ Gesagt, getan. „Für uns ist es eine gute Gelegenheit, am kulturellen Leben in Leonberg teilzuhaben“, so der Tattoo-Artist, der vor drei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist und das Studio mit seiner Frau betreibt.
Volksbank wird bei Langer Kunstnacht zur Galerie
Für Olga Manilow selbst war es nicht der erste Kontakt mit jener Art von Körperkunst. „Mein Sohn hat ein Tattoostudio in Heilbronn“, sagte sie lachend – und im Bewusstsein darüber, dass viele der Besucher bis zu diesem Samstagabend noch nie ein solches von innen gesehen hatten.
Wandelbar präsentierten sich wie üblich die einstigen Räumlichkeiten der Volksbank am Marktplatz. Dort, beim Betreuungsverein „fish“, zeigten Elke Bader, Regina Biesdorf, Margun Dürr und Susanne Hindemith ihre Gemälde. Zusammen sind sie die Gruppe Aufbruch. „Wir haben vor 19 Jahren die Lakuna mitbegründet“, betonte Susanne Hindemith inmitten von zahlreichen Gästen, viele davon bedacht auf ein Künstlerinnengespräch. Die vier Frauen hatten sich jedoch vorgenommen, auch selbst noch eine Runde durch die Altstadt zu drehen.