Höhepunkt des vielfältigen Programms der langen Einkaufsnacht Foto: Peter Petsch

Die die lange Einkaufsnacht an diesem Samstag erreicht neue Dimensionen. Erstmals sollen 90 Prozent aller City-Händler sowie die beiden Einkaufscenter Milaneo und Gerber dabei sein. Und dennoch liegt ein Schatten über dem Motto „Die City leuchtet“: der Bahnstreik.

Stuttgart - Das Zauberwort von Horst Lenk, dem Präsidenten des Handelsverbands, lautet „Erlebnis-Shopping“. „Wenn der stationäre Handel angesichts eines tiefgreifenden Strukturwandels am Ball bleiben will“, sagt Lenk, „dann muss er den Kunden Events bieten und seine Individualität herausstreichen.“ Nur so könne der Handel im Wettbewerb mit dem wachsenden Online-Handel bestehen.

Nichts anderes macht der Stuttgarter City-Handel an diesem Samstag. Zum 18. Mal veranstaltet die City-Initiative Stuttgart (CIS) die lange Einkaufsnacht unter dem Motto: „Stuttgart City leuchtet“. Die Händler locken mit Feuerwerk, Rabatten, Kunst, Musik und – insgesamt mit 200 Programmpunkten. „Es ist wirklich ein Knaller“, frohlockt City-Managerin Bettina Fuchs, „so vielfältig und umfangreich war das Programm wahrscheinlich noch nie.“

Erlebnis-Shopping in Reinkultur

Alleine das Kaufhaus Breuninger bietet 14 Aktionen bis Mitternacht an. Unter anderem Yoga-Vorführungen. Es ist nur ein Event, das für die Kreativität der jeweiligen Händler spricht. Ein anderes ist das Angebot der Yeans Halle auf der Königstraße. Wer dort zwei Oberteile einer bestimmten Marke kauft, bekommt von bekannten Tattoo-Künstlern kostenlos ein Bildchen auf die Haut gestochen.

Beide Beispiele treffen den Charakter der langen Einkaufsnacht ganz gut. „Umsatz zu machen ist an diesem Abend nicht das Hauptziel“, sagt die City-Managerin, „es geht darum, die Stadt bis weit über die Region hinaus als Einkaufs- und Erlebnisstadt zu positionieren.“ Fuchs schielt auch auf Kunden aus Tübingen, Reutlingen oder Heilbronn. Die Mischung aus langen Öffnungszeiten, Schaulust und kulinarischem Angebot soll 170 000 Menschen an diesem Samstag in die Stadt locken.

So weit die Theorie. In der Praxis könnte alles ganz anders kommen. Ein gewisser Claus Weselsky, bekannt als Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL, könnte den Planungen der CIS einen dicken Strich durch die optimistische Kalkulation machen. „Es ist eine Katastrophe“, seufzt City-Managerin Bettina Fuchs, „denn viele Menschen wollen erfahrungsgemäß mit der Bahn kommen.“ Auch viele Händler fürchten, dass sich durch den Bahnstreik ein großer Schatten über die leuchtende Nacht in der Stadt legen könnte.

Auch Milaneo und Gerber öffnen bis Mitternacht

Warum Bettina Fuchs von einem „Drama“ spricht, hat noch einen weiteren Grund. Denn diese langen Nacht sollte eine Ära der Solidarität und Geschlossenheit einläuten. Jetzt ist auch dies in Gefahr. Erstmals sind auch die neuen CIS-Mitglieder Milaneo und Gerber dabei. Beide Einkaufscenter haben bis Mitternacht geöffnet.

Für Bettina Fuchs hat das Symbolkraft: „Es dürfte ein reger Austausch zwischen den Quartieren stattfinden. Es zeigt, dass die City weiter zusammenwächst.“ Sie meint an den beiden Enden der Königstraße im Norden und Süden, aber auch sinnbildlich. Denn bisher gab es vor allem in den Randlagen immer wieder Händler, die sich verweigerten. Sie sperrten ihre Ladentür bereits um 18 oder 20 Uhr zu. Zum Beispiel Hollister in der Stiftstraße. „Dieses Mal sind 90 Prozent aller Händler dabei“, sagt Fuchs und wertet das als einen Erfolg ihrer bisherigen Arbeit, „ich habe das Gefühl, hier wächst etwas Neues heran.“

Rekord oder Pleite: Abgerechnet wird am Ende der Nacht. Denn das schönste Erlebnis könnte zum ernüchternden Ergebnis werden, wenn sich der Bahnstreik dramatisch auf die Besucherzahlen auswirkt.

Das ganze Programm der langen Einkaufsnacht findet man unter www.cis-stuttgart.de. Von 9.30 bis 24 Uhr steht ein Bus der SSB vor dem Königsbau. Wer seinen Fahrausweis vorweist, kann kostenlos Einkaufstüten zum Aufbewahren abgeben.