Die Grünen wollen den hiesigen Bauern Gutes tun. Sie sind nicht die ersten. Foto: ddp

Der Landwirtschaftskoordinator: Aus dem Beziehungsdreieck von Politik, Verwaltung und Traktorfahrern. In Zukunft soll die Stelle des Landwirtschaftskoordinators gestärkt werden.

Filder - Am Anfang stand ein Wahlversprechen. Sie sollte helfen, wenn der Bauer sich im Dickicht der Bürokratie verlaufen hatte. Wenn die Schleichwegfahrer über die Feldwege brausten. Oder wenn es darum ging, über Grundsätzliches zu klagen, vom Flächenfraß bis zu Bäumen, die als Ausgleichsmaßnahme auf Äckern gepflanzt wurden. Sie, das ist die Stelle der Landwirtschaftskoordination der Stadt Stuttgart. Erst wurde sie geschaffen, als Schmankerl, dann wieder abgeschafft, dann wieder eingeführt, zumindest auf dem Papier, ebenfalls als Schmankerl, um nun, vielleicht, tatsächlich wiederbelebt zu werden. Oder auch nicht.

Was sich wirr anhört, ist es auch. Im Grunde also eine ganz alltägliche Geschichte im Beziehungsdreieck aus Politik, Verwaltung und Traktorfahrern. Ein Lehrstück gleichsam, besonders für die Bauern auf der Filderebene. Nirgendwo sonst in Stuttgart gibt es so viel Ackerfläche wie in Plieningen und Möhringen.

Stelle des Landwirtschaftskoordinators soll gestärkt werden

Vorläufig letzter Akt ist ein Wunsch der Grünen im Gemeinderat. „Wir haben vor, die Stelle des Landwirtschaftskoordinators zu stärken“, sagt der Fraktionsvorsitzende Peter Pätzold. Dafür soll eine neue Stelle geschaffen werden, am besten bei der Wirtschaftsförderung. Ob das sinnvoll wäre, bezweifeln einige, aber dazu später mehr. „Das könnte die Anlaufstelle für Landwirte sein“, sagt Pätzold. „Wir könnten den Biolandbau forcieren oder verhindern, dass die Landwirtschaft Flächen verliert.“ Das gleiche gelte für den Obst- und Weinbau. „Es wäre schön, wir hätten so etwas in 20 Jahren noch“, sagt er und fügt hinzu, dass es eigentlich die Stelle schon gebe. „Das dümpelt aber schon länger vor sich hin.“

Womit er Recht hat, wofür aber ein Blick in die Geschichte nötig ist. Michael Föll, seines Zeichens Finanzbürgermeister, versprach den Landwirten Anfang 2006, ihnen einen Helfer in der Verwaltung zur Seite zu stellen. Föll warb um Stimmen, er wollte in den Landtag. Das glückte, auch wenn er den Posten nach zwei Jahren wieder abtrat. Aber der Koordinator war geboren, sinnigerweise angedockt an die Obstbauberatung. Die dortigen Mitarbeiter haben einen grünen Daumen qua Stellenbeschreibung.

Gummistiefel trifft auf Stöckelschuh

Zum einen ging es darum, zu verhindern, dass Flächen zerstückelt werden, etwa durch Erbschaften. Dafür gibt es Gesetze, das war die Pflicht und ist es noch. Schließlich sollte die Flurbereinigung nicht umsonst gewesen sein. Die Kür war, den Landwirten bei allem anderen zu helfen, was ihnen am Herzen lag. Unter anderem wurde eine Umfrage gestartet, um die Bedürfnisse der Bauern in Erfahrung zu bringen, sowie eine Direktvermarkterbroschüre aufgelegt.

Ende 2011 wurde letzteres Aufgabengebiet gestrichen. Frisch im Amt, versprach Anfang 2013 der Oberbürgermeister Fritz Kuhn, erneut vor einer Gruppe von Landwirten, einen Koordinator bestellen zu wollen, diesmal bei der Wirtschaftsförderung. Nicht wenige sind der Meinung, dass das wohl keine kluge Entscheidung war. Die einen meinen, den dortigen Mitarbeitern fehle die Kompetenz. Andere meinen, sie verfolgten andere Ziele, die des Handels, des Gewerbes, der Industrie. Gummistiefel trifft auf Stöckelschuh.

„Das ist im Werden“

Jedenfalls sieht sich die Wirtschaftsförderung außer Stande, vollumfänglich darüber Auskunft zu geben, was sie für die Landwirte tun will. In wenigen Worten lässt sie über die Pressestelle der Stadt mitteilen, dass man an einer Konzeption arbeite, die Bedürfnisse der Stuttgarter Landwirte zu erheben und daraus Maßnahmen abzuleiten. Das klingt irgendwie bekannt.

„Das ist im Werden“, sagt Klaus Brodbeck. Das ist diplomatisch formuliert, der Möhringer Landwirt ist Kreisvorsitzender des Stuttgarter Bauernverbands. „Es gab schon erste Kontakte“, sagt er. Würde die Stelle, wie es die Grünen wünschen, gestärkt, wäre das im Sinne der Landwirtschaft. „Wir wären froh, wenn das wiederbelebt würde.“ Ähnlich sieht das Helmut Gehrung, landwirtschaftlicher Obmann in Plieningen. „Wenn jemand etwas für uns tut, kann das nicht schaden.“ Gleichwohl, „mit der neuen Kollegin“, die seit einiger Zeit seine Ansprechpartnerin sein soll, „habe ich noch keinen Kontakt gehabt.“

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