Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will Glyphosat zurückdrängen. Foto: dpa

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner macht ernst: Mit einem Maßnahmenkatalog will sie den Unkrautvertilger Glyphosat zurückdrängen. In Parks und Privatgärten soll er bald tabu sein.

Berlin - Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Dienstag in Berlin einen Maßnahmenkatalog vorgestellt, mit dem sie den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zurückfahren will. „Ich habe vor, einen Verordnungsentwurf als einen ersten Baustein der Minimierungsstrategie von Glyphosat auf den Weg zu bringen“, kündigte Klöckner an. Der Entwurf solle nun zur Abstimmung in die Ressorts gehen. Vorgesehen sei, die Anwendung des Wirkstoffs durch Privatpersonen etwa in Hausgärten zu verbieten. Auch in Parks und Sportanlagen solle die Chemikalie nicht mehr versprüht werden dürfen. Nur mit einem Sachkundenachweis sollen Gärtner an den Wirkstoff kommen. „Für Glyphosat braucht es Fachkenntnis“, sagte die Ministerin. Professionelle Anbauer wie Obstgärtner müssten auch nachweisen, dass keine nicht-chemische Methode möglich ist.

Die Bahn soll das Pflanzengift weiter spritzen dürfen

Untersagt werden soll zudem die Nutzung von Glyphosat in Naturschutzgebieten und in der Nähe von Gewässern. In der Landwirtschaft solle die Glyphosatnutzung „massiv eingeschränkt“ werden, kündigte Klöckner an. Ausnahmen sollten etwa dort gelten, wo der Ackerboden stark erosionsgefährdet sei und deswegen nicht mechanisch mit schweren Eggen oder Pflügen bearbeitet werden könne. Auch bei der Gefährdung ganzer Ernten in Jahren mit überdurchschnittlich viel Regen solle das Mittel ausgebracht werden dürfen, um die Abreifung des Korns vor der Ernte zu beschleunigen. Voraussetzung sei aber die Genehmigung durch örtliche Behörden. Die Bahn solle die Chemiekalie zunächst weiterhin nutzen können, um die Gleise frei von Bewuchs zu halten. Nach Schätzungen des Bundes setzt die Bahn jährlich rund 80 Tonnen Glyphosat ein. Die gesamte Ausbringung des Mittels in Deutschland liegt bei rund 5900 Tonnen im Jahr.

„Mein Ziel ist es, die Anwendung zu minimieren, damit die Anwendungen überflüssig werden“, sagte Klöckner. Sie machte keine Angaben, wann der vollständige Verzicht auf Glyphosat in Deutschland erreicht werden könne. Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte dagegen am vergangenen Freitag noch betont: „Bei Glyphosat haben wir im Koalitionsvertrag ja vereinbart, dass wir in dieser Legislaturperiode aus Glyphosat aussteigen wollen.“ Im schwarz-roten Koalitionsvertrag ist das Ziel eines Ausstiegs aus der Glyphosatnutzung festgeschrieben, ohne dass dies mit einer Frist versehen ist. Glyphosat wird von Umweltverbänden für das dramatische Artensterben und die Entstehung resistenter Unkräuter verantwortlich gemacht.

20 Städte und Gemeinden im Südwesten nennen sich pestizidfrei

Laut dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund) haben sich bundesweit bereits 210 Städte und Gemeinden zum Verzicht auf Glyphosat in ihrer Gemarkung entschieden. Wie der baden-württembergische Bund-Landesvorsitzende Gerhard Pfeifer mitteilte, nennen sich 20 Kommunen im Südwesten „pestizidfrei“. Zu den größeren Städten gehörten Freiburg, Tübingen, Karlsruhe, Heidelberg sowie Konstanz, wo bei der Neuverpachtung von Landwirtschaftsflächen das Glyphosat-Verbot auch festgeschrieben werden soll. In Stuttgart wird um diesen Punkt noch gerungen.

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