Die Hummel gehört zu den Wildbienen. Etwa 30 Arten gibt es in Deutschland, einige von ihnen sind bedroht. Foto: Sandra Hintermayr

Pro Biene hat das Volksbegehren für mehr Artenschutz auf den Weg gebracht. Der Landesbauernverband lehnt die Forderungen ab. Wir haben Bio-Bauern und konventionelle Landwirte nach ihrer Meinung gefragt. In einem Punkt sind sich alle einig.

Filder - Ende Juli haben die beiden Berufsimker David Gerstmeier und Tobias Miltenberger vom Institut Pro Biene den Antrag für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Landesinnenministerium abgegeben. Zum Antrag gehören ein Gesetzesentwurf und Listen mit 35 000 Unterschriften von Bürgern, die diesen unterstützen. Das Ziel sei es, den Artenschutz gesetzlich zu verankern und klare Perspektiven für die regionale Landwirtschaft zu schaffen, sagte Gerstmeier bei dem offiziellen Termin.

Die Initiatoren des Volksbegehrens fordern unter anderem die Erhöhung des Ökolandbau-Anteils auf 50 Prozent bis 2035, die Halbierung der mit Pestiziden belasteten Flächen bis 2025 und das Verbot von die Artenvielfalt gefährdenden Pestiziden in Schutzgebieten. Die für den Südwesten typischen Streuobstwiesen sollen unter Schutz gestellt werden.

In Bayern gab es mit dem Volksbegehren einen Bewusstseinswandel

Der Landesbauernverband lehnt das Volksbegehren ab. Die Landwirte seien schon jetzt dem Natur- und Artenschutz besonders verpflichtet, sagt der Präsident Joachim Rukwied. Für ihn ist Pro Biene gar ein „Treiber für einen beschleunigten Strukturwandel auf Kosten kleinerer Familienbetriebe“. Diese würden ohnehin nach hohen Standards produzieren. Die Umsetzung der von dem in Möhringen beheimateten Institut formulierten Forderungen würde für sie das Aus bedeuten, argumentiert Rukwied.

Martin Schäfer, Bio-Landwirt aus Leinfelden-Echterdingen, sieht das anders. „Ich finde das Volksbegehren eher gut“, sagt er. Bisher reagiere die Politik zu zögerlich auf die aktuellen Entwicklungen. „Alle haben super Ideen, aber es tut sich einfach nichts.“ In Bayern, wo ein ähnliches Volksbegehren bereits erfolgreich war, sei das Thema mittlerweile in aller Munde. Es habe eine Art Bewusstseinswandel gegeben, und das sei positiv.

„Wer die Natur schützen will, muss sein Leben ändern“

Schäfer sagt aber auch: „Mit einer Unterschrift allein ist es nicht getan.“ Wer es ernst meine mit der Rettung der Bienen und der Bewahrung der Artenvielfalt, der müsse sein Leben ändern. Wer der Natur etwas Gutes tun wolle, müsse mit lästigen Auswirkungen auf eigene Gewohnheiten rechnen. Dazu gehöre zum Beispiel auch, das Auto häufiger stehen zu lassen und aufs Fahrrad umzusteigen. Bezogen auf die tägliche Ernährung bedeute es, auch einen Salat mit Raupe und wurmstichige Pflaumen zu akzeptieren statt ausschließlich perfekte Ware.

In der Stellungnahme des Landesbauernverbands zum Volksbegehren spiegelt sich nach Schäfers Ansicht „ein Festhalten an der konventionellen Landwirtschaft“ wider. Er könne sich schon vorstellen, dass eine Umsetzung der von Pro Biene gestellten Forderungen große, stark spezialisierte Betriebe in Schwierigkeiten bringen könnte. Denn diese würden oft gewinnmaximierend arbeiten. „Aber was sind schon rein wirtschaftliche, kurzfristige Interessen im Vergleich zu einer langfristigen Bodengesundheit?“, fragt der Bio-Landwirt.

„Ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit“

Michael Gehrung sieht das ganz anders. Er stehe voll und ganz hinter den Statements des Landesbauernverbands zum Volksbegehren, sagt der landwirtschaftliche Obmann in Plieningen. Er selbst hat einen konventionellen Hof, und seiner Meinung nach sollten Regionalität und Saisonalität die wichtigsten Kriterien beim Konsum sein und nicht zwingend die Bio-Qualität. Um den Bedarf an Lebensmitteln hierzulande aber auch mit vor Ort produzierten Produkten decken zu können, brauche es die vielen kleineren Familienbetriebe, die es derzeit noch gebe. Die von Pro Biene gestellten Forderungen würden jedoch genau diese in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohen. Die Folge wäre, dass Deutschland mehr Lebensmittel importieren müsste. „Wir haben das Geld, um den Menschen in ärmeren Regionen auf der Welt das Essen wegzukaufen. Aber genau das darf doch nicht passieren. Wem wäre damit geholfen?“, fragt Gehrung. Die Umsetzung des Gesetzesentwurfs würde den Wettbewerb verzerren und in die unternehmerische Freiheit der Landwirte eingreifen.

Viel mehr ärgert ihn aber, und in diesem Punkt scheint er sich mit dem Bio-Landwirt Martin Schäfer weitgehend einig zu sein, die Doppelmoral vieler Menschen. Nicht wenige derer, die beim Volksbegehren unterschreiben, würden dazu mit dem Auto ins Rathaus fahren und wenig später auf der kurz gemähten und völlig blüten- und insektenfreien Wiese im eigenen Garten die Flüge für den nächsten Urlaub buchen. Gehrung spricht von „selbst ernannten Naturschützern, die null Ahnung von der Materie haben“.

„Viele richtige Ansätze, doch zum Teil zu pauschal“

Lukas Dreyer, einer der beiden Betriebsleiter auf dem Möhringer Reyerhof, hat bereits für das Volksbegehren unterschrieben. Im Grunde halte er den Gesetzesentwurf für eine „sinnvolle Notwendigkeit“. Es sei gut, wenn die Landwirtschaft insgesamt ökologischer werde, sagt der Bio-Bauer. Dass kleine Familienbetriebe damit ein Problem haben, glaubt er nicht. Denn gerade diesen würde es in der Regel leichter fallen, nachhaltig und vielfältig strukturiert anzubauen.

Dass sich die Forderungen von Pro Biene eins zu eins umsetzen lassen, glaubt Dreyer allerdings nicht. An manchen Stellen sei der Gesetzesentwurf zu absolut und zu pauschal. So könne zum Beispiel auch der Bio-Bauer nicht komplett auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Selbst die strengen Demeter-Richtlinien erlaubten bestimmte Insektizide. Dreyer setzte solche im vergangenen Jahr zum Beispiel gegen den Kartoffelkäfer ein, sonst wäre von der Ernte kaum was übrig geblieben. „In dem Volksbegehren sind viele richtige Ansätze, doch manches muss man differenzierter sehen“, lautet Dreyers Fazit.

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