Auch wenn es mittlerweile etwas geregnet hat: Die Felder sind viel zu trocken. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Bauer Harald Kauffmann aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) kann sich an „kein so trockenes Frühjahr erinnern“ und prophezeit „eine Katastrophe“. Seine Kollegen sind weniger pessimistisch.

Die Geschäftigkeit der Landwirte am Dienstag auf den Feldern und in den Weinbergen im Remstal war auffallend. Sie hatte einen triftigen Grund und hat sich – im Rückblick betrachtet – gelohnt. Der Wetterbericht hatte für Mittwoch im Remstal Regen in Aussicht gestellt. Der ist tatsächlich gekommen, nach vielen trockenen, sehr windigen Wochen. Ein Segen für bereits gepflanzten Kulturen und neue Setzlinge gleichermaßen.

 

Als Beispiel: In Fellbach haben die Landwirte und Wengerter zu Wochenbeginn bis in den Abend hinein gearbeitet, ebenso ihre Kollegen etwa in Winnenden, Hegnach, Schnait und Strümpfelbach. Traktoren und Landmaschinen wohin man schaute. Schnell wurden am Dienstag noch Kürbisse, Kohl und Salat gepflanzt und etwa mit dem Balkenmäher die Weinberg-Gassen zwischen den Rebstöcken freigeschnitten. Bevor der Regen kommen sollte, und dann ja auch kam.

In den zurückliegenden Nächten hat Merz regelmäßig gewässert, normalerweise erwartet ihn diese „Nachtarbeit“ erst in den heißen Sommermonaten. Aber: wachsen und gedeihen geht halt nicht ohne Wasser. Auch Tau und kühle Temperaturen in der Nacht konnten den teilweise heftigen und vor allem stetig vorherrschenden, austrocknenden Wind der letzten Wochen nicht ausgleichen. Zwischen 21 Uhr am Abend und 10 Uhr am nächsten Morgen hat Merz die Salatpflanzen deshalb regelmäßig bewässert. Merz besitzt einen eigenen Brunnen, knapp 150 Meter tief. In solchen Zeiten ist das ein Glück. Der Salat stehe noch „relativ schön“ da, sagt Christian Merz. Der Betrieb ist bekannt für seine große Vielfalt an verschiedenen Salaten – vom ordinären grünen Salat bis zum Radicchio.

Selbst die Maschinen beißen sich am harten Boden die Zähne aus

Der Boden war an der Oberfläche betonhart, „wie zementiert“. Bei Christian Merz von Gemüse Merz in Rommelshausen hat sich vergangene Woche sogar eine Maschine am Boden regelrecht „die Zähne ausgebissen“. Auch als er und seine Mitarbeiter am Dienstag rund 30 000 Kohl- und Salatsetzlinge in die Erde gebracht haben, war der Boden eine Herausforderung. „Wir mussten ihn vorher doppelt bearbeiten.“ Viel zu trocken sei der Boden für die Jahreszeit.

Ein ausgiebiger, sanfter Landregen käme der Landwirtschaft jetzt sehr gelegen. Den Wunsch teilt Dominik Welz. Auch bei Gemüse Welz in Fellbach war Bewässern in den vergangenen Wochen ein permanentes Thema. „Ich habe eigens einen Mitarbeiter dafür abgestellt, er ist nachts regelmäßig unterwegs und bewässert“, sagt Dominik Welz. Auch sein Betrieb verfügt über einen eigenen Brunnen. Mit Stadtwasser könnte er die Menge nicht guten Gewissens bewältigen geschweige denn bezahlen: „Man könnte bewässern ohne Ende.“ In seinem Betrieb baut er ganzjährig Rucola und Feldsalat an, im Freien. Die Felder sind abgedeckt. Die Tomaten wachsen bei Welz mittlerweile ausschließlich unter Glas und im Gewächshaus. Tomatenpflanzen mögen weder Regen noch Wind. Eine Temperatur von zirka 17 Grad sei für sie im Gewächshaus ideal, in den kalten Nächten der vergangenen Wochen musste er deshalb die Gewächshäuser noch heizen.

Bisher keine Bauchschmerzen wegen des trockenen Wetters

Auch Harald Kauffmann in Schmiden hat sich bereits vor einigen Jahren gegen den weiteren Anbau von Erdbeeren entschieden. Er konzentriert sich jetzt auf Getreide und auch auf Kürbisse. Am Dienstag hat er letztere noch gepflanzt, in Erwartung von Regen. Die Rechnung ist aufgegangen. Bei den Getreide-Kulturen hat Kauffmann das trockene, windige Wetter in diesem Frühjahr bisher keine Bauchschmerzen bereitet. Auch Schädlingsbefall sei kein Thema. „Winterweizen, Roggen, Dinkel und Wintergerste profitieren noch vom nassen Sommer 2024.“ Ihre Wurzeln sind bereits so tief, dass sie in die Erdschicht kommen, die noch feucht ist. „In 25 bis 30 Zentimeter Tiefe ist im Erdreich noch genügend Feuchtigkeit vorhanden“, sagt Kauffmann. Dagegen bräuchten Kartoffeln und Mais „ganz dringend Wasser – sonst wird es eine Katastrophe“. Die dürfte fürs Erste wohl abgewendet sein. Er könne sich nicht erinnern, dass es im Frühjahr schon einmal so trocken gewesen sei, sagt der Schmidener Landwirt. Sein Wunsch für die kommenden zwei Wochen: „Regen und Wärme.“

Dagegen hätte auch der Bio-Winzer Markus Heid aus Fellbach nichts einzuwenden, wobei er nicht einstimmt in das allgemeine Jammern übers Wetter. Alte Reben haben tiefe Wurzeln und holen sich ihr Wasser, erklärt er. Auch die jungen Pflanzen kämen mit dem derzeitigen Wetter im Großen und Ganzen zurecht. „Hitze um diese Jahreszeit würde für sie Stress bedeuten“, sagt Markus Heid, der sich über einen guten Austrieb der Reben freut und darüber, dass es bisher keine Schäden durch späten Frost, „wie im letzten Jahr um diese Zeit“, gegeben habe.