Der Vorstand der Grüne Jugend will mehr Themen für junge Menschen im Landtagswahlprogramm der Partei unterbringen. Manche Überschriften klingen eher nach Junger Union. Kann das funktionieren?
Und dann stehen da Themen, die so gar nicht nach der eher links orientierten Grünen Jugend klingen. „Krisensicherheit garantieren“ und „Ehrenamt stärken“, heißt es im Entwurf für einen Aktionsplan, mit dem der Vorstand der Grünen Jugend in Baden-Württemberg Einfluss auf das Wahlprogramm der Partei nehmen will. „Wir wollen sicherstellen, dass die Themen und Zukunftsängste von jungen Wählern ernst genommen werden“, sagt Landessprecher Tim Bühler. „Die Ergebnisse der vergangenen Wahlen zeigen, dass die Grünen das zuletzt nicht geschafft haben.“
Gunst der Grünen bei Jungwählern sinkt
Das ist nicht von der Hand zu weisen. Bei der Bundestagswahl punkteten vor allem Linke und AfD bei den jüngeren Wählern. 2026 dürfen erstmals 16-Jährige bei der Landtagswahl abstimmen. Und auch wenn die Wahlbeteiligung in den älteren Jahrgängen meist deutlich höher ist, machen sie ein relevante Wählergruppe aus.
Tim Bühler ist gemeinsam mit Tamara Stoll seit Herbst Landessprecher der Grünen Jugend im Land. Im Gegensatz zum Bund lief der Wechsel an der Spitze der Jugendorganisation im Südwesten geplant und geräuschlos. Schon damals sagten die beiden unserer Zeitung, man müsse mehr auf Probleme und Zukunftsängste junger Menschen blicken. Nun will die Grüne Jugend ihre Ideen ins Programm der Partei für die Landtagswahl im März 2026 einbringen. Die Arbeit daran hat gerade erst begonnen. Erst im Dezember darf wird die Parteibasis bei einem Landesparteitag über das Programm abstimmen.
Mit Forderungen wie der Halbierung des Pestizideinsatzes liegen die Jungen sogar auf Kurs mit dem Noch-Landwirtschaftsminister und designierten Landtagswahl-Spitzenkandidaten Cem Özdemir. Der hatte ein ähnliches Ziel noch im Herbst skizziert, wenn auch ohne Verbote. Und auch mit der Idee, mentale Gesundheit und Gesundheitssystem zu stärken, dürften die jungen Grünen eher dem Zeitgeist entsprechen.
Traditionelle soziale Themen
In den Vorschlägen des Grüne-Jugend-Vorstands, die im Mai noch von der Mitgliederversammlung der Jugendorganisation abgesegnet werden sollen, finden sich die traditionellen sozialen Themen: Um den Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen bringt der Vorstand eine Idee auf, die auch SPD und Linke seit Jahren verfolgen: Eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, die gezielt Sozialwohnungen schafft. Das überrascht ebenso wenig wie die Vorschläge zum Thema Gleichberechtigung, zur zur Teilhabe von queeren Menschen oder im Bildungsbereich, wo eine Enquete und gemeinsamer Unterricht bis zur sechsten Klasse stehen. Wenig Widerhall dürfte angesichts der aktuellen Diskussion der Vorschlag haben, den internationalen Frauentag wie in Berlin als feministischen Kampftag zum Feiertag zu machen.
Thema Krisensicherheit ist Neuland
Neuland betritt die Grüne Jugend mit dem Thema Krisensicherheit. Neben einem verpflichtenden Katastrophenschutztag an Schulen fordert sie den Ausbau und die staatliche Absicherung von Notstromversorgungen für Arztpraxen und Rettungsdienste sowie ein digitales Verzeichnis für Pflegekräfte, um im Krisenfall schnell Personal mobilisieren zu können, sowie klare Einsatzstrukturen für Ehrenamtliche und Spontanhelfer. Das Wort Verteidigung kommt in dem Dokument zwar nicht vor, aber es ist die Rede von „Krisen aller Art“. Es dürften also nicht nur Naturkatastrophen gemeint sein. Zudem sprechen sie sich für spürbare Vorteile für Ehrenamtliche aus. So soll etwa das Ehrenamt als Einstellungskriterium in öffentlichen Einrichtungen und Universitäten aufgenommen werden.
Doch die Grüne Jugend wäre nicht die Grüne Jugend, wenn nicht an aller erster Stelle der Klimaschutz stünde: „Die Grünen müssen die Kernwählerschaft zusammenhalten, bevor über zusätzliche Potenziale nachgedacht wird“, sagt Tamara Stoll. „Deshalb dürfen Kernthemen wie Klimaschutz nicht vernachlässigt werden.“