René Niess will sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen. Foto: Horst Rudel

René Niess (Die Linke) setzt auf klassische Linke-Themen, wie Bildungs- und Arbeitspolitik. Kein Wunder, schließlich stammt er aus einem klassischen Arbeiterhaushalt.

Geislingen - Einen Termin mit René Niess zu bekommen ist gar nicht so einfach. Der Salacher ist sehr beschäftigt – und noch ungeübt im Umgang mit der Öffentlichkeit. Zum Interview bringt der junge Linke Unterstützung mit, den Kreisvorsitzenden und Ersatzkandidaten Thomas Edtmaier. Der hält sich betont zurück.

René Niess ist ein Neuling auf dem politischen Parkett. Bisher hat er einmal vor Wahlen Plakate für den Linke-Kreisverband Göppingen geklebt, jetzt bemüht er sich zum ersten Mal um ein Mandat. „Ich möchte wirklich politisch etwas tun“, sagt er. Der erst 23-Jährige geht im Wahlkreis Geislingen für die Linke an den Start.

Die Eltern können damit leben

René Niess’ Herz schlägt links. Da ist er erblich vorbelastet. Sein Lebenslauf liest sich wie die Vorzeigebiografie eines Linken. Niess stammt aus einer Arbeiterfamilie, die sich während der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder von der SPD ab- und der Linken zugewandt hat. Dass der Sohn nun selbst politisch aktiv werden will, an diesen Gedanken mussten sich die Eltern erst gewöhnen. „Sie fanden das befremdlich, doch sie können damit leben“, sagt René Niess.

Nach der Realschule absolvierte Niess bei einer Firma in Geislingen eine Ausbildung in der Galvanotechnik, dann holte er auf dem zweiten Bildungsweg im Berufskolleg Göppingen die Fachhochschulreife nach, um Chemie zu studieren. Er ist jetzt im fünften Semester, nach sieben steht die Prüfung an. Was dann kommt, hält er sich offen. „Vielleicht studiere ich noch Biochemie, die reduziert das Leben auf einfachste Formeln. Das Fach hat Zukunft.“

„Wir sind die einzige Arbeiterpartei“

Als politisch interessierter Mensch will René Niess die Zukunft mitgestalten. Da es außer der Linken keine wahre Arbeiterpartei mehr gebe, habe er sich von Anfang an von ihr angezogen gefühlt. Seit drei Jahren ist er mit dabei, er engagiert sich im Kreisverband als Webmaster und fungiert seit zwei Jahren als Kreisbeauftragter für politische Bildung. In dieser Funktion hält er auch Vorträge, über Fracking etwa.

Und nun die Kandidatur bei den Landtagswahlen. Es ist das erste Mal, dass er sich um ein politisches Mandat bemüht. Bei den vergangenen Kommunalwahlen in Salach sei er nicht angetreten, obwohl ihn die Kommunalpolitik interessiere. Die Linke habe in dem konservativ geprägten Flecken ohnehin einen schweren Stand. Auch am 13. März sind die Chancen gering, dass es der 23-Jährige in den Landtag schafft. Was ihn nicht schreckt. Irgendwann müsse man einen Anfang machen, und schließlich könne der Linke-Kreisverband von sich behaupten, auch junge Leute anzuziehen. Da mischt sich Edtmaier doch ein. „Das ist dein Verdienst, seit du unsere Homepage und Facebook-Seiten betreust, sind einige junge Leute dazugestoßen.“

Für kostenlosen Mittagstisch an Schulen

Die Themen, mit denen Niess auf Stimmenfang geht, sind Bildungs-, Arbeits- und Verkehrspolitik. Er fordert mehr Geld für Bildung – „unser wichtigstes Gut“. Er möchte auch ein kostenloses Mittagessen an Schulen und kostenlose Kindertagesplätze einführen. Großen Handlungsbedarf sieht er bei den Arbeitsbedingungen. Leih- und Zeitarbeit seien „moderne Sklaverei“, Hartz IV nichts anderes als „Armut per Gesetz“. Daher müsse die Gesellschaft verändert werden. Bei der Verkehrspolitik richtet er sein Augenmerk vor allem auf seinen Wahlkreis. Damit Geislingen nicht abgehängt werde, müssten der Nahverkehr aus- und die B 10 weitergebaut werden.

René Niess als Steckbrief

Geislingen - Die wichtigsten Daten zu René Niess, dem Kandidaten der Linken im Wahlkreis Geislingen, auf einem Blick:

Vorname

René Marcel

Name

Niess

Geburtsdatum

 26. Mai 1992

Familienstand

ledig

Beruf

Chemiestudent im fünften Semester, zurzeit im Praxissemester in Schwäbisch Gmünd

Ehrenämter

Webmaster und Beauftragter für politische Bildung des Göppinger Kreisverbands Die Linke

Fünf Fragen an den Kandidaten

Geislingen - Die Göppinger StZ-Redaktion hat den Kandidaten im Landkreis Göppingen fünf Fragen gestellt. Hier die Antworten von René Niess, Linke, Wahlkreis Geislingen

Wenn Sie mit dem Kandidaten einer anderen Partei einen Regentag im Zwei-Mann-Zelt verbringen müsste, dann wäre das
?Der Kandidat der Piraten gewesen. Da diese Partei in meinem Wahlkreis aber leider nicht antritt, würde ich den Tag ganz sicher auch mit guter Musik alleine verbringen.

Mit welcher anderen Person aus dem Landkreis würden Sie gerne für ein Jahr tauschen?
Mit Sascha Binder – um zu versuchen, den sozialen Flügel in der SPD wiederzubeleben.

Die überflüssigste politische Debatte 2015 war?
Die Humanität Flüchtlingen gegenüber in Frage zu stellen.

Wenn Sie ein Jahr freihätten, was würden Sie tun?
Den Posten des Tübinger Oberbürgermeisters übernehmen, damit der jetzige grüne OB keine AfD-Parolen mehr verbreiten kann.

Als Hauptdarsteller wären Sie am besten geeignet für den Film
?„Robin Hood“. Als Kämpfer für Gerechtigkeit unterscheidet uns letztlich nur der Bogen und die Strumpfhose.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: