Wie sich die Farben künftig im Landtag verteilen – darüber entscheiden die Bürger am 13. März. Foto: dpa, factum/Granville (5)

Die Oberstufenschüler des Sindelfinger Gymnasiums in den Pfarrwiesen interviewen die Bewerber der Landtagsfraktionen von den Grünen, der SPD, CDU und FDP. Die meisten dürfen am 13. März aber nicht wählen, weil sie noch nicht volljährig sind.

Sindelfingen - Wer in den Landtag möchte, sollte nicht nur rhetorisch versiert sein. Gut sind auch Sangeskünste und eine gewisse zeichnerische Begabung. Und in jedem Fall sollte ein Kandidat den Text der deutschen Nationalhymne fehlerfrei aufsagen können. All diese Kenntnisse fragten die Oberstufenschüler des Sindelfinger Pfarrwiesen-Gymnasiums am Montag bei den Kandidaten der vier aktuell im Landtag vertretenen Parteien ab. Und da offenbarte sich so manche Lücke.

Während der Landtagsabgeordnete Florian Wahl (SPD) fröhlich gemeinsam mit den Jugendlichen die Nationalhymne schmetterte und auch sein Kollege von der CDU, Paul Nemeth, Sangestalent bewies, musste Andreas Knapp (FDP) passen. „Wegen meines Gesangs hat sogar schon einmal jemand die Polizei gerufen.“ Immerhin konnte er den Text fehlerfrei aufsagen. Da versagte Thekla Walker (Grüne) komplett. Auch ihren Namen konnte sie zum Bedauern der Schüler nicht tanzen, die in der grünen Landeschefin eine ehemalige Waldorfschülerin vermutet hatten. Dafür bewies Walker ausgesprochen zeichnerisches Talent, als sie bildhaft erklären sollte, was Politik ist – ihr detailreiches Werk erinnerte an frühere Grünen-Plakate. Andreas Knapp hingegen beschränkte sich auf eine grafische Darstellung mit vielen Pfeilen.

Kreativ waren die Interviews der vier Politikkurse, zwischen denen die Politiker im 20-Minuten-Rhythmus pendelten. Klimaschutz und Flüchtlinge, die Legalisierung von Cannabis und die Frage nach kostenlosem Kindergartenbesuch, der Feinstaub-Alarm in Stuttgart und die Schullandschaft in Sindelfingen – die Palette der Fragen der Schüler an die Politiker war breit.

Rigide Vorgaben der Schüler

Schwer taten sich die Gäste allerdings mit den rigiden Vorgaben. „Erklären sie in zwölf Worten ihre Partei und deren Ziele“, war eine. „Die CDU ist die Volkspartei, bei der versucht wird, das Wohl der Gemeinschaft und einen sozialen Ausgleich zu schaffen, bei der aber auch das Leistungsprinzip des Einzelnen gefördert wird“, erklärte Nemeth. „Das waren mindestens 20 Worte“, tadelte ihn eine Schülerin. Florian Wahl hatte Schwierigkeiten, sich in 20 Sekunden vorzustellen. „Die Zeit ist lange rum“, mahnte ein Lehrer.

Neben vielen konkreten Fragen ging es vor allem um das Thema Politik. Zum elften Mal organisierte die Schule eine solche Politiker-Rund für die Oberstufenschüler. „Vor jeder Wahl – Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlwahl – machen wir das“, sagte der Rektor Bodo Philipsen. Er selbst ist leidenschaftlicher Kommunalpolitiker. Politik sei für ihn ein Ausgleich zum stressigen Schulalltag, betonte der SPD-Fraktionschef im Herrenberger Gemeinderat. Seinen Schülern will er Lust aufs Einmischen in die Gesellschaft machen – auch wenn die meisten am 13. März aus Altersgründen nicht mitwählen dürfen.

Das war auch das Anliegen der Gäste. Mit 16 sei er in die FDP eingetreten, weil ihn bereits damals Politikdebatten fasziniert hätten, erzählte Andreas Knapp. Mit 20 Jahren sei er als damals jüngster Stadtrat in Baden-Württemberg ins Sindelfinger Gremium eingezogen. „Es macht Spaß mitzugestalten“, betonte Florian Wahl, der bereits im Jugendalter in den Böblinger Gemeinderat eingezogen war. Ihm sei es wichtig, mit seiner Person für das Vertrauen der Menschen in die Politik zu werben.

Diese direkten Kontakte mit Parteienvertretern sei eine gute Werbung für Politikthemen, sagte der Rektor Philipsen. „Die Schüler merken, dass es den meisten Politikern nicht, wie oft behauptet, nur um das eigene Wohl geht.“ Stolz verweist Philipsen auf viele ehemalige Pfarrwiesen-Schüler, die sich mittlerweile in den Kommunalparlamenten in der Region tummelten.

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