Landtagswahl in Stuttgart Reinhard Löffler muss zurück in die Juristerei

Von Josef Schunder 

Tief enttäuscht: Der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann und   der gescheiterte Kandidat Reinhard Löffler (rechts) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Tief enttäuscht: Der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann und der gescheiterte Kandidat Reinhard Löffler (rechts) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Zehn Jahre vertrat er den Wahlkreis Stuttgart III im Landtag, jetzt muss Reinhard Löffler dort zusammenpacken. Der CDU-Kandidat konnte das Direktmandat nicht verteidigen. Das führt er auf einen ganz bestimmten Grund zurück.

Stuttgart - „Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen mir und Franz Untersteller von den Grünen“, hatte Reinhard Löffler (CDU) kurz vor der Wahl am 13. März geschwant. So kann man sich täuschen und vom Wahltag doch überrascht werden. Am Ende setzte sich der Grünen-Bewerber Untersteller vom CDU-Bewerber Löffler um 4486 Stimmen ab.

Zum Vergleich: 2011 war Löffler noch mit 3894 Stimmen vorn gelegen. Damals, als Löffler sein Direktmandat gegen den noch neuen Kontrahenten Untersteller vergleichweise klar verteidigt und der geschlagenen Stuttgarter CDU wenigstens eines von vier Stuttgarter Direktmandaten erhalten hatte. Jetzt muss der 61-Jährige es abgeben, nach insgesamt zehn Jahren im Landtag sein Zeug zusammenpacken. Allem Optimismus zum Trotz, den Löffler trotz der schwierigen Vorzeichen bis zuletzt demonstriert hatte. Er versucht dabei tapfer zu sein. „Ich trage es mit demokratischer Gelassenheit“, versichert er, „ich falle nicht in ein tiefes Loch.“ Jetzt werde er seine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Stuttgart intensivieren, sagt Löffler, der nun froh darüber ist, dass er die Kanzlei vor einiger Zeit aufgebaut hat. Wohlwissend, wie er sagt, dass man ein Mandat in der Demokratie eben nicht auf Lebenszeit hat.

Gedankenspiele nach der Niederlage

Verstärkte Anwaltstätigkeit heißt in Löfflers Fall, dass er sich noch mehr um das normale „Feld-, Wald- und Wiesen-Geschäft“ in der Juristerei kümmert – Arbeitsrecht, Vertragsstreitigkeiten und dergleichen mehr. Eigentlich wäre er als frühere IBM-Führungskraft, die mit 60 in den obligatorischen Ruhestand geschickt wurde, ja für eine Betätigung auf dem Sektor Gesellschaftsrecht und Informationstechnologie prädestiniert, glaubt er, doch dafür müsse man in einer großen Anwaltskanzlei sein.

Der Rest sind Überlegungen und Gedankenspiele nach dem Motto „Was wäre wenn?“. Wenn zum Beispiel die Wähler in Mühlhausen nicht „völlig nach rechts gedriftet“ wären und wenn sie den Bezirk nicht zur Stuttgarter Hochburg der rechtspopulistischen AfD gemacht hätten wie in den 1990er-Jahren bereits schon einmal zur Republikaner-Bastion. Hätte die AfD in Mühlhausen statt 19 nur zehn Prozent bekommen, „wäre ich wieder in den Landtag eingezogen“, sagt Löffler. Noch bei der letzten Bundestagswahl hätten 46 Prozent Union gewählt. Demgegenüber habe nun jeder Zweite in Mühlhausen nicht mehr CDU gewählt, wofür das Flüchtlingsthema ein Hauptgrund sei. So half Mühlhausen mit, dass Löffler im großen Wahlkreis Stuttgart III gegenüber 2011 um 10,7 Prozentpunkte zurückfiel – und aus dem Landtag raus.

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