Einige haben schon per Briefwahl gewählt. Die Landtagswahl wird in Stuttgart trotz großen Kandidatenaufgebots mutmaßlich zu einem Zweikampf zwischen den Bewerbern von Grünen und CDU. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Grünen sind seit 2011 im Stadtzentrum eine Macht. Sie gehen mit einer etablierten Kandidatin ins Rennen, doch ihren Zenit hat die Partei offenbar überschritten. Die CDU setzt auf Rückenwind aus der gewonnenen OB-Wahl.

Stuttgart. - Stuttgart ist wieder schwarz!“, titelte der CDU-Kreisverband nach der siegreichen OB-Wahl Ende 2020 in seinem Magazin. Bei der Landtagswahl 2016 hieß es dagegen im Wahlkreis Stuttgart I: grüner geht’s nicht. Die Ökopartei hatte die Christdemokraten schon 2011 in den Innenstadtbezirken derart überflügelt, dass Wahlforscher zu Superlativen griffen: „Wahlhistorisch beispiellos“ und „fulminant“ sei der Zuwachs um 18,6 Punkte auf 42,5 Prozent. Das Waterloo brachte der CDU Muhterem Aras bei. Sie schnappte Andrea Krueger (CDU) das Mandat weg.

Doch auch für Aras wuchsen die Bäume nicht weiter in den Himmel. Zwar geriet die heute 54-Jährige für die CDU 2016 mit einem Abstand von 23,5 Prozentpunkten außer Sichtweite, doch ihr Wahlergebnis von 42,4 Prozent bedeutete auch, dass die Grünen in dem Wahlkreis den Zenit überschritten. Marginalen Zuwächsen in West und Süd standen Verluste in Mitte und Nord gegenüber. Durch ihr Amt als Landtagspräsidentin und Angriffe der AfD, die oft unter die Gürtellinie reichten, konnte Aras (ihre Familie stammt aus Anatolien) ihr Profil schärfen.

Alle Kandidaten der Etablierten sind neu

Bekanntheit ist das, was den Kandidierenden der weiteren etablierten Parteien fehlt. Alle sind neu im Ring. Das wiegt in Coronazeiten mit all den Einschränkungen doppelt. Alle sind jünger als Aras, alle bräuchten eine erdrutschartige Bewegung, um das Herz der Grünen, das in der Mitte am stärksten schlägt, aus dem Takt zu bringen. Für die CDU will die Architektin Ruth Schagemann den seit 2001 anhaltenden Negativtrend wenden. Fragt sich, ob die Brise ausreicht. Schagemann setzt auf durchaus grüne Themen.

2016 tummelten sich im Wahlkreis I zwei Stadträte. Michael Conz lieferte für die FDP (9,7 Prozent), der Stuttgart-21-Gegner Hannes Rockenbauch für Die Linke (7,3) respektable Ergebnisse ab. Nun treten Johanna Molitor, die für die FDP im Landtag arbeitet, und der Agrarwissenschaftler Filippo Capezzone für Die Linke an. Die AfD traf im Innenstadt-Wahlkreis bisher auf die geringste Resonanz, ihr Kandidat Steffen Degler, 1990 in Backnang geboren, ist der Jüngste in der Runde der Etablierten. Einer Herkulesaufgabe hat sich Wirtschaftsförderer Sascha Meßmer verschrieben, der die darniederliegenden Sozialdemokraten aufrichten will.

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