Bei der Landtagswahl liefern sich CDU und Bündnis 90/Die Grünen ein enges Rennen um die Direktmandate.
Erneut eine grüne Revolution oder wieder alles beim Alten? Auch wenn die Backnanger Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen Ricarda Lang bereits nach der ersten Prognose von einem „historischen Wahlsieg“ für ihre Partei spricht, macht man sich in allen drei Wahlkreisen des Rems-Murr-Kreises auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Direktkandidaten von CDU und Bündnis 90/Die Grünen gefasst. Zu knapp waren die Ergebnisse auch vor fünf Jahren gewesen. Der Rems-Murr-Kreis war bis dato fest in CDU-Hand gewesen. Was bisher bekannt ist.
Der Wahlabend im Wahlkreis Backnang beginnt mit Spannung – und einem Déjà-vu für viele Beobachter. Nach der Auszählung der ersten Kommunen liegt CDU-Kandidat Jens Steinat hauchdünn vor dem grünen Amtsinhaber Ralf Nentwich. Noch ist das Ergebnis jedoch offen – viele Stimmen sind nicht ausgezählt.
Für die CDU wäre ein Sieg mehr als nur ein Mandat. Der Wahlkreis galt jahrzehntelang als sichere Bastion der Christdemokraten, bis Nentwich ihn 2021 überraschend für die Grünen gewann. Nun versucht die CDU, das verlorene Terrain zurückzuerobern. Steinat, Hausarzt aus Weissach im Tal, setzt dabei bewusst auf das Bild des pragmatischen Praktikers und will unter anderem die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum stärken.
Nentwich wiederum verteidigt sein Mandat mit Themen, die den Alltag vieler Menschen im Murrtal betreffen: eine stabilere Murrbahn, bessere Bildung und die Verbindung von Klimaschutz und wirtschaftlicher Stärke. Politik müsse „greifbar“ sein und konkrete Lösungen liefern, betont er.
Auch hinter dem Spitzenduo bleibt der Wahlkreis politisch spannend. Der AfD-Abgeordnete Daniel Lindenschmid ist über die Landesliste sicher im Landtag. Auch SPD-Kandidatin Simone Kirschbaum hat dank gutem Listenplatz gute Chancen – wenn ihre Partei, die ein historisch schlechtes Ergebnis anpeilt, die Fünf-Prozent-Hürde schafft.
Enges Rennen in Schorndorf: CDU und Grüne im Duell
Im Wahlkreis Schorndorf richteten sich die Blicke ebenfalls früh auf die Auszählung der Stimmen. Auch hier zeichnet sich ein enges Duell zwischen CDU und Grünen ab. Für die CDU geht der amtierende Landtagsabgeordnete Christian Gehring auf Listenplatz 21 ins Rennen. Der 46-jährige Kriminalhauptkommissar a.D. ist innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und stellt im Wahlkampf Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen in den Mittelpunkt. Auch verpflichtende Sprachförderung für Kinder vor der Einschulung gehört zu seinen zentralen Themen. Die Grünen setzen auf Florian Haßler. Der Staatssekretär im Staatsministerium Baden-Württemberg und Vertreter des Landes bei der Europäischen Union tritt die Nachfolge von Petra Häffner an, die den Wahlkreis seit 2011 im Landtag vertreten hatte und nicht mehr kandidiert. Haßler, Listenplatz 14, betonte im Wahlkampf vor allem die Verbindung von Klimaschutz und wirtschaftlicher Stärke sowie die Bedeutung Europas für die exportorientierte Wirtschaft in der Region.
Für die FDP tritt der langjährige Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann erneut an. Er setzte im Wahlkampf vor allem auf Bürokratieabbau, wirtschaftliche Stärke und eine gute Gesundheitsversorgung. Der 59-jährige Diplom-Betriebswirt steht auf Platz 2 der Landesliste. Ob ihm darüber wieder der Einzug in den Landtag gelingt, hängt jedoch vom landesweiten Abschneiden seiner Partei ab. Nach ersten Prognosen lag die FDP noch knapp unter fünf Prozent. Weitere Kandidaten im Wahlkreis sind Peter Hutzel (SPD), Stephan Schwarz (AfD) und Avra Emin (Die Linke). Sie stehen auf den Landeslisten ihrer Parteien auf den Plätzen 63, 18 und 17.
Grüne knapp vor CDU, SPD stürzt ab, FDP kämpft um 5%
Im Wahlkreis Waiblingen bestätigt das Ergebnis die landesweite Tendenz – zumindest bei den Zweitstimmen. Die Grünen liegen in den schon am frühen Abend ausgezählten Wahlbezirken knapp vor der CDU. Und während die SPD auf einen historischen Tiefstand fällt, scheint die FDP ausgerechnet im liberalen Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern.
Ausgezählt ist kurz nach 19 Uhr allerdings nur ein Bruchteil der gut 120 000 Stimmen. Schon da zeichnet sich freilich ab, dass der Blick auf die Erststimmen außerordentlich wird: Im Gegensatz zum Landesergebnis liegt die Grünen-Kandidatin Swantje Sperling im Rennen ums Direktmandat in vielen Wahlbezirken hinter ihrem Kontrahenten Siegfried Lorek von der CDU.
Vor fünf Jahren hatte sich Newcomering Sperling das Direktmandat geholt, dem CDU-Mann gelang der Einzug in den Landtag nach einer bis spät in die Nacht andauernden Zitterpartie nur über die Landesliste. Jetzt könnte die Reihenfolge beim Zieleinlauf umgekehrt sein. Das erste gemeldete Ergebnis aus dem Wahlkreis Waiblingen übrigens sah weder Sperling noch Lorek als Sieger. Um 18.37 Uhr ging das Ergebnis des WEahlbezirks „Kirche Bürg“ in Winnenden ein – mit satten 36 Prozent der Erststimmen für den AfD-Kandidaten Jürgen Braun.
Ein endgültiges Ergebnis für die drei Wahlkreise im Rems-Murr-Kreis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Das amtliche Endergebnis wird erst nach Abschluss aller Auszählungen erwartet.