Im Wahlkreis Backnang haben sich die politischen Verhältnisse neu geordnet. Foto: Gottfried Stoppel

Der Wahlabend im Wahlkreis Backnang bringt eine seltene Konstellation. Vier Politiker ziehen in den Landtag ein. Möglich macht das erstmals das neue Zwei-Stimmen-Wahlrecht.

Der Wahlabend im Wahlkreis Backnang (Rems-Murr-Kreis) bringt am Ende ein Ergebnis mit mehreren politischen Gewinnern – und spürbaren Verschiebungen im Kräfteverhältnis. Die CDU gewinnt das Direktmandat zurück, die AfD erzielt den größten Stimmenzuwachs, und durch das neue Wahlrecht ziehen gleich vier Abgeordnete aus dem Wahlkreis in den Landtag ein.

 

Mit 34,5 Prozent der Erststimmen setzt sich der CDU-Kandidat Jens Steinat deutlich durch – wie auch das folgende Schaubild zeigt:

Der Hausarzt aus Oppenweiler lässt den bisherigen Direktabgeordneten Ralf Nentwich von den Grünen deutlich hinter sich, der 22,2 Prozent erreicht.

CDU gewinnt das Direktmandat zurück

Für die CDU bedeutet dieses Ergebnis eine Rückkehr zu einem lange vertrauten Bild. Über Jahrzehnte stellte sie den Direktabgeordneten des Wahlkreises, bis die Grünen 2021 erstmals gewannen. Nun endet dieses Kapitel bereits nach einer Legislaturperiode.

Jens Steinat holt das Direktmandat für die CDU. Foto: privat/Benjamin Buettner

Steinat war ohne aussichtsreichen Listenplatz angetreten – für ihn galt im Wahlkampf deshalb von Anfang an: Direktmandat oder kein Landtag. Nach der Wahl zeigte er sich erleichtert. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Wähler“, sagte er. Gleichzeitig betonte er, er sei sich auch der Verantwortung bewusst. Er wolle künftig eine „Stimme für den ländlichen Raum“ sein und dazu beitragen, die „demokratische Mitte“ im Wahlkreis zu stärken.

In welchen Kommunen die CDU vorne lag, wo hingegen die Grünen und die AfD, zeigt diese Karte:

Seine ärztliche Tätigkeit will er trotz des Mandats nicht vollständig aufgeben. Die Praxis in Oppenweiler sei organisatorisch so aufgestellt, dass sie auch ohne ihn funktioniere, erklärte Steinat. Dennoch wolle er dort weiterhin als Arzt tätig bleiben.

Vier Mandate aus der Region Backnang

Die eigentliche Besonderheit des Wahlabends liegt jedoch weniger im Direktmandat als in der Zahl der Abgeordneten aus dem Wahlkreis. Durch das erstmals angewandte Zwei-Stimmen-Wahlrecht entsendet Backnang künftig gleich vier Politiker nach Stuttgart.

Neben Steinat ziehen drei weitere Kandidaten über die Landeslisten ihrer Parteien in den Landtag ein. Der bisherige Direktabgeordnete Ralf Nentwich bleibt über einen Listenplatz der Grünen vertreten. Auch Simone Kirschbaum von der SPD schafft den Wiedereinzug. Daniel Lindenschmid von der AfD galt aufgrund seines Listenplatzes vier bereits vor der Wahl als sicherer Abgeordneter.

AfD erzielt stärksten Stimmenzuwachs

Besonders auffällig ist der Stimmenzuwachs der AfD im Wahlkreis, die 24,5 Prozent der Stimmen gewann – wie auch diese Grafik zeigt:

Damit steiger sich die Partei bei den Zweitstimmen um 12,4 Prozentpunkte – der größte Zuwachs aller Parteien. Auch ihr Kandidat Daniel Lindenschmid legt bei den Erststimmen deutlich zu.

Daniel Lindenschmid (AfD) holt mehr als ein Viertel der Stimmen im Wahlkreis Backnang. Foto: privat

In einzelnen Gemeinden wird die Stärke der Partei besonders sichtbar. In Spiegelberg etwa erreicht die AfD bei den Zweitstimmen 35,4 Prozent und liegt damit klar vor CDU und Grünen.

Lindenschmid sagt dazu: „Dieses Ergebnis ist für mich ein starkes Zeichen der Anerkennung meiner Arbeit im Landtag von Baden-Württemberg und in meinem Wahlkreis. Ich sehe es als Auftrag die Anliegen unserer Bürger weiterhin klar, standhaft und ohne Kompromisse zulasten unserer Heimat zu vertreten.“

SPD: Mandat trotz schwachem Ergebnis

Für die SPD verläuft der Wahlabend zwiespältig. Simone Kirschbaum bleibt zwar über die Landesliste im Landtag vertreten, doch das landesweite Abschneiden ihrer Partei fällt schwach aus.

Simone Kirschbaum hat es trotz SPD-Listenplatz 7 nur gerade so in den Landtag geschafft. Foto: Frank Rodenhausen

„Das enttäuschende Ergebnis ist ein Schock, der uns alle tief trifft“, erklärte Kirschbaum nach der Wahl. Dennoch nehme sie ihr Mandat „mit Entschlossenheit“ an. In den kommenden Jahren wolle sie weiterhin für sozialdemokratische Positionen im Landtag kämpfen und daran arbeiten, die SPD im Land wieder „stark und glaubwürdig aufzustellen“.

Grüne verlieren das Direktmandat

Auch für die Grünen endet der Abend mit gemischten Gefühlen. Der Verlust des Direktmandats ist ein Rückschlag für Ralf Nentwich, der den Wahlkreis 2021 erstmals für seine Partei gewonnen hatte. Über die Landesliste bleibt er jedoch politisch im Spiel.

Ralf Nentwich bleibt über die Landesliste der Grünen im politischen Spiel. Foto: privat

Nentwich sprach am Wahlabend dennoch von einer „grandiosen Aufholjagd“ seiner Partei in den letzten Wochen des Wahlkampfs. Das Ergebnis bedeute einen klaren Auftrag, Verantwortung im Land zu übernehmen. Für ihn persönlich sei es eine große Ehre, den Wahlkreis weiterhin im Landtag vertreten zu dürfen.