Marietta Slomka im Gespräch mit dem Vorstand von Mahle Arnd Franz. Foto: Roberto Bulgrin

Das „heute journal“ berichtete kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg live aus Esslingen. Zu Tage kam: Es gibt große Sorgen.

Rund dreieinhalb Millionen Zuschauer sahen drei Tage vor der Wahl einen Beitrag aus Esslingen: Das „heute journal“ berichtete kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg über die Stimmung im Land.

 

Marietta Slomka meldete sich live von der Hochschule Esslingen. Zu Wort kamen Studentinnen und Studenten, Dozenten und Unternehmer. Im Mittelpunkt des Beitrags: die Automobilindustrie. „Die Angst vor einem Abstieg ist zu spüren, überall“, so Slomka. „Mehr als man sich das vor Jahren hätte vorstellen können.“

Marietta Slomka sprach auch mit Studierenden über die Erwartungen an die Zukunft. Foto: Roberto Bulgrin

Studentin: „Ingenieurskunst darf man nicht einfach so klein reden“

„Man kennt das von den Eltern, man kennt das von alten Kommilitonen, die waren gewollt. Da sind die Firmen auf die zugekommen“, sagte der Fahrzeugtechnikstudent Sebastian da Costa Zemsch. Man habe sich um Ingenieure geschlagen. „Und jetzt sind wir schon auf der Suche. Wir müssen uns beweisen. Es ist gerade eine schlechte Zeit. Da müssen wir schon zeigen, warum sollten die trotzdem Geld in uns reinstecken.“

Dass Ingenieursarbeitsplätze abgebaut werden, sei bedrückend, sagte Lissi Mayer, ebenfalls Fahrzeugtechnikstudentin. „Da wird es aber auch wieder andere Zeiten geben.“ Die Ingenieurskunst dürfe man jetzt nicht einfach so klein reden.

Studierende zieht es nicht mehr zwangsläufig in die klassische Automobilindustrie

Frank Niewels, Professor für Mobilität und Technik, sagte, er erfahre von Absolventen immer häufiger, dass sie nicht unbedingt in der klassischen Automobilindustrie ihre Arbeit fänden, sondern beispielsweise in der Rüstungsindustrie. Der Dekan der Fachgebiete Fahrzeugtechnik und Mobilitätssysteme Elektromobilität, Norbert Schreier, riet: Die Studierenden „sollen auf das vertrauen, was sie hier an der Hochschule gelernt haben.“

Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf das Amt des Ministerpräsidenten sind Manuel Hagel (CDU, rechts), und Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen). Wer es auch immer sein wird: Die Zeiten sind schwierig. Foto: Marijan Murat/dpa

Arnd Franz, Vorstand des Automobilzulieferers Mahle aus Stuttgart, sagte, die Automobilindustrie sei gezwungen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Würde dies nicht gelingen, könnten in den kommenden Jahren 190 000 Arbeitsplätze wegfallen. Bereits jetzt fielen Jahr für Jahr 10 000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe weg. Mahle hat weltweit mehr als 67 000 Mitarbeitende. Kunden hat der 1920 gegründete Technologiekonzern sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugsektor.

Die Frage, ob die Industrie den Trend zum Elektromotor verschlafen habe, verneinte Franz. Schon vor langer Zeit sei davor gewarnt worden. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Elektromobilität mit weniger Wertschöpfungstiefe einhergeht und mit deutlich weniger Arbeitsplätzen. „Insofern kann sich jetzt niemand darüber beschweren, dass das überraschend kommt.“