Bei der Runde mit den Spitzenkandidaten wird ausführlich über die geplante Erstaufnahme auf dem Schanzacker diskutiert. Dazu gibt es eine Spitze gegen den Kornwestheimer OB.
Das Thema Migration hat bei der Wahlarena des SWR für leidenschaftliche Diskussionen gesorgt. Mittendrin: zwei Bürger aus dem Kreis Ludwigsburg. Damit erreichte der lange schwelende Streit um die geplante Erstaufnahmeeinrichtung (EA) auf dem Schanzacker zwischen Asperg und Tamm sein wohl bislang größtes Publikum.
Jürgen Ling, ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer aus Asperg, machte in einem Einspieler auf die Probleme mit der Erstaufnahme auf dem Schanzacker aufmerksam. „Ich stelle mir die Frage: Was sollen 1000 bis 2000 Geflüchtete auf diesem Gelände anstellen? Das Einzige, was es hier wirklich gibt, ist ein Fast-Food-Restaurant. Da ist die Chance groß, dass es zu Streit und Krach kommt.“
Hagel plädiert für kleinere Einheiten
Die sechs Spitzenkandidaten zur Landtagswahl nahmen zur EA auf dem Schanzacker Stellung. FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke gab an, sich die Situation vor Ort angeschaut zu haben. „Ich glaube, das ist kein geeigneter Standort in der Größenordnung von 2000 Menschen. Wir sollten klären, ob jemand kommen kann oder nicht, bevor er einreist. Dann brauchen wir auch weniger solcher LEAs.“
Auch CDU-Ministerpräsidentenkandidat Manuel Hagel sagte, dass er vor Ort gewesen sei und mit der Bürgerinitiative, die gegen die Errichtung der EA kämpft, telefoniert habe. Er plädierte für „kleinere, dezentrale Einheiten“. Darin stimmte er mit Andreas Stoch (SPD) und Cem Özdemir (Grüne) überein, die sich ebenfalls gegen große Einrichtungen aussprachen.
Überzeugt zeigte sich Ling von den Aussagen der Politiker allerdings nicht: „Ich höre von vielen Parteien, dass sie keine großen Einrichtungen wollen. Ich verstehe nicht, warum sie trotzdem weiterhin geplant werden. Für 2000 Leute bekommen wir nicht genug Ehrenamtliche. Die Verwaltung verwaltet, die wird sie nicht betreuen.“
Ex-OB-Kandidat kritisiert Flüchtlingswohnheim in Kornwestheim
Beim Themenblock Migration meldete sich später noch ein zweiter Mann aus dem Kreis zu Wort: Stefan Duscher, der 2023 zur Bürgermeisterwahl in Kornwestheim angetreten war und rund vier Prozent geholt hatte, sagte: „Ich finde, dass die Diskussion über Migration ziemlich vergiftet ist. Sobald man auch nur ansatzweise migrationskritisch ist, wird man schnell in Richtung rechtsradikal oder Nazi geschoben.“
Er sprach auch die Erweiterung eines Flüchtlingsheims an. Damit meinte er wahrscheinlich die geplante Umwandlung eines Wohnheims in Kornwestheim in eine Unterkunft für geflüchtete Ukrainer und Obdachlose. „Die ganze Bevölkerung will das nicht, es wird aber einfach drübergestülpt. Und den Oberbürgermeister, der nicht mal in Kornwestheim wohnt, juckt das gar nicht. Warum kann man es nicht akzeptieren, wenn die Mehrheit Nein sagt?“
AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier nahm das zum Anlass, um eine grundsätzliche Rede gegen Migration zu halten – was vom Publikum mit empörten Zwischenrufen kommentiert wurde.