Die Ergebnisse im Landkreis Ludwigsburg ähneln denen auf Landesebene – dennoch gibt es einige regionale Besonderheiten. Sechs interessante Details zum Wahlergebnis auf Kreisebene.
Die Grünen haben die Landtagswahl knapp gewonnen. In den drei Wahlkreisen des Landkreises Ludwigsburg geht das Direktmandat trotzdem an drei CDU-Kandidaten. Über die Landesliste haben es zudem die drei Grünen-Kandidaten sowie erstmals auch zwei AfD-Vertreter in den Landtag geschafft.
Damit wird der Kreis künftig mit acht Abgeordneten im Stuttgarter Parlament vertreten sein – drei mehr als bisher, was auch eine Folge des neuen Wahlrechts ist. Insgesamt spiegeln sich die landesweiten Trends im Kreis Ludwigsburg wider, doch es gibt auch einige Überraschungen. Die wichtigsten Erkenntnisse eines denkwürdigen Wahlabends.
1. Erst- und Zweitstimmenergebnisse gehen auseinander
Bei den Wahlen 2016 und 2021 waren die Wahlkreise Ludwigsburg, Vaihingen und Bietigheim-Bissingen noch fest in der Hand der Grünen. Dieses Mal holte die CDU überraschend alle drei Direktmandate zurück. Doch obwohl die Christdemokraten bei den Erststimmen teils haushohe Siege einfuhren, zeigt sich das nicht in den Zweitstimmenergebnissen.
Bei den Zweitstimmen siegte die CDU nur im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen knapp. Besonders gravierend ist die Diskrepanz im Wahlkreis Ludwigsburg: Dort gewann Lukas Tietze das Direktmandat mit 3,5 Prozentpunkten Vorsprung, doch im Zweitstimmenergebnis lag seine Partei über sechs Prozentpunkte hinter den Grünen zurück.
2. Tietze schafft die Überraschung
CDU-Kandidat Lukas Tietze ist im Wahlkreis Ludwigsburg das gelungen, was Manuel Hagel auf Landesebene nicht geschafft hat: Als junger Kandidat rang er bei seiner ersten Kandidatur der erfahrenen Silke Gericke das Direktmandat ab. Der 27-Jährige aus Tamm holte 32,8 Prozent der Erststimmen und distanzierte damit die 51-jährige Gericke, die 2021 noch mit großem Abstand den Wahlkreis gewonnen hatte.
Tietze sprach am Wahlabend selbst davon, dass Ludwigsburg für seine Partei bei den vergangenen beiden Wahlen ein „sehr schwieriger Wahlkreis“ gewesen sei. 2021 lag die CDU dort fast zwei Prozentpunkte unter dem Landesergebnis. Das ist bei den Zweitstimmen nun nicht anders, weswegen das Erststimmenergebnis umso mehr überrascht.
Nach der Ernüchterung infolge der ersten Hochrechnung wurde es für Tietze zumindest persönlich noch ein erfreulicher Abend: „Es stimmt, anhand der 18-Uhr-Prognose hätten viele wohl gedacht, der Wahlkreis Ludwigsburg ist für die CDU auf jeden Fall verloren. Ich freue mich, dass die Wählerinnen und Wähler einen engagierten Wahlkampf goutiert haben.“
3. Tok mit enttäuschendem Ergebnis
Noch deutlicher als bei Silke Gericke fiel der Absturz beim Grünen-Kandidaten für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, Tayfun Tok, aus. Der hatte 2021 noch mit 34,2 Prozent deutlich das Direktmandat geholt, nun kam er gerade mal noch auf 27,0 Prozent. Damit liegt er über zehn Prozentpunkte hinter CDU-Kandidat Tobias Vogt, der sein Ergebnis wiederum um 13 Prozentpunkte steigern konnte.
Tok fand sein Erststimmenergebnis „total in Ordnung“. Dass er weitere fünf Jahre im Landtag vertreten ist, hat er aber seinem guten Listenplatz zu verdanken. Nachdem die Grünen landesweit nur 13 Wahlkreise gewonnen haben, reichte es für Tok auf Platz 28 locker, um über diesen Umweg sein Mandat zu behalten.
Auf den großen Jubel bei der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung, als Tok kurzerhand verkündet hatte: „Wir haben die Wahl gewonnen!“, folgte also noch ein „verrückter Abend“ mit einer „Achterbahnfahrt der Gefühle“, die schließlich sowohl für seine Partei als auch für ihn selbst versöhnlich endete. „Die Freude überwiegt, auch wenn es mit dem Direktmandat nicht geklappt hat“, sagte er schließlich.
4. Deutliches Stadt-Land-Gefälle
Die Grünen gewinnen die Städte, die CDU die Dörfer. Dieses Muster zeigt sich in vielen Teilen des Landes – und auch im Landkreis Ludwigsburg, wo städtische und ländliche Räume teils nur wenige Minuten voneinander entfernt liegen.
In den bevölkerungsreichen Städten wie Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim, Vaihingen, Marbach und Ditzingen kommen die Grünen teils deutlich auf über 30 Prozent der Zweitstimmen. Auffällig ist außerdem ein geografischer Trend: Je weiter südlich – also in Richtung Stuttgart – eine Kommune liegt, desto stärker schneiden die Grünen ab.
Im Norden des Landkreises und in kleineren Gemeinden zeigt sich hingegen ein anderes Bild. In ländlich geprägten Kommunen wie Oberstenfeld, Hessigheim, Löchgau und Affalterbach überspringt die CDU deutlich die Marke von 30 Prozent.
Besonders konservativ bis rechts wählen die Bürger in Gemmrigheim. Dort erreichen die Grünen mit 23,5 Prozent ihr schwächstes Ergebnis im Landkreis. Die CDU kommt auf 34,2 Prozent, die AfD auf 23,2 Prozent – zugleich das beste AfD-Ergebnis im Kreis.
5. Erste AfD-Abgeordneten aus Kreis
Aus dem Landkreis Ludwigsburg saß bislang noch nie ein AfD-Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag. Nach dieser Wahl wird sich das ändern – und zwar gleich doppelt. Künftig werden zwei AfD-Politiker aus dem Kreis im Landtag vertreten sein.
Christoforos Tsoulopoulos zieht für den Wahlkreis Ludwigsburg ins Parlament ein, Nikolaos Boutakoglou für den Wahlkreis Vaihingen. Beide zeigten sich mit dem Abschneiden der AfD sehr zufrieden. „Viel mehr war nicht zu erwarten, das wäre zu illusorisch gewesen“, sagte Tsoulopoulos.
Der pensionierte Architekt aus Kornwestheim kündigte an, sich unter anderem für eine abgespeckte Bauverordnung einsetzen zu wollen und gegen die Bebauung des Schanzackers. Boutakoglou möchte parallel zu seinem Mandat weiterhin als Handwerksmeister arbeiten. Im Landtag will er sich unter anderem für das duale Ausbildungssystem starkmachen.
6. Auffälliges rund um SPD, FDP und Linke
Vor 15 Jahren war die SPD in den Wahlkreisen Ludwigsburg, Bietigheim und Vaihingen noch eine relevante Kraft. Bei der Landtagswahl 2011 erreichten die Sozialdemokraten in allen drei Wahlkreisen jeweils rund 25 Prozent der Stimmen. Seither ist die Partei über mehrere Wahlen hinweg deutlich geschrumpft und kommt nun nur noch auf etwa fünf bis sechs Prozent.
In sieben Kommunen überspringt die SPD immerhin die Marke von sechs Prozent, darunter Kornwestheim, Marbach und Möglingen. Auch in der Heimatstadt des SPD-Direktkandidaten Daniel Hass schneidet die Partei vergleichsweise gut ab: In Freiberg holte Haas rund 10 Prozent der Erststimmen.
Die Linke erzielt im Landkreis insgesamt schwache Ergebnisse – mit einer Ausnahme: In der Stadt Ludwigsburg, wo die linksaktivistische Szene seit Jahren aktiver wird. Dort kommen die Linken auf 7,7 Prozent der Erststimmen und 6,2 Prozent der Zweitstimmen – jeweils mehr als die SPD.
Die FDP überschreitet nur in Gerlingen die Marke von sechs Prozent der Zweitstimmen. Vor allem in den ländlichen Gemeinden im Norden des Landkreises bleibt die Partei schwach. In Walheim, Kirchheim und Hessigheim erhält sie lediglich zwei bis vier Prozent der Stimmen – also dort, wo konservative und rechte Wähler besonders stark sind.
Übersicht: Diese acht Abgeordneten aus dem Kreis sitzen im Landtag
Direktmandate
Die drei Direktmandate der Wahlkreise Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Vaihingen haben die CDU-Kandidaten Lukas Tietze, Tobias Vogt und Konrad Epple gewonnen.
Listenplätze
Über die Parteiliste ziehen zudem die Grünen-Politiker Silke Gericke (Wahlkreis Ludwigsburg), Tayfun Tok (Wahlkreis Bietigheim-Bissingen) und Meike Günter (Wahlkreis Vaihingen) in den Landtag ein. Für die AfD sind Christoforos Tsoulopoulos (Wahlkreis Ludwigsburg) und Nikolaos Boutakoglou (Wahlkreis Vaihingen) dabei.