Links: Oliver Kube heute. Noch weiter links: Oliver Kube früher. Foto: privat, factum

Oliver Kube (Linke) engagiert sich gegen Rassismus: in der Politik und auf der Straße. Er wirbt im Wahlkreis Ludwigsburg aktiv für seinen Einzug in den Landtag – geht aber nicht wirklich davon aus, dass das auch klappt.

Ludwigsburg - Am 14. März, einen Tag nach der Landtagswahl, wird Oliver Kube sein Studium an der Hochschule der Medien beginnen. Der Zeitpunkt verrät einiges über Kubes Wahlchancen, und der Ludwigsburger Linken-Stadtrat macht sich keine Illusionen. „Ich rechne nicht damit, dass ich in den Landtag komme“, sagt der 25-Jährige. Was vor allem daran liegt, dass der Linken wenig Chancen eingeräumt werden, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Dazu kommt, dass sich Kube im Regierungsbezirk gegen durchaus prominente interne Konkurrenz behaupten müsste: unter anderem gegen Hannes Rockenbauch und Bernd Riexinger.

Wahlkampf macht Kube trotzdem, und das durchaus engagiert, er verteilt Flyer, steht an Infoständen, lädt regelmäßig zu Bürgergesprächen zu verschiedenen Themen ein. Obwohl seine Antworten in nebenstehendem Steckbrief („Sex, Suff, Sozialismus“) eher humoristischen Charakter haben, begegnet man im direkten Gespräch einem nachdenklichen jungen Mann. Warum er sich zur Wahl stellt? Ihm gehe es weniger um das Ergebnis, antwortet Kube. „Ich denke, wenn man etwas verändern will, muss man sich engagieren – und darf nicht nur meckern und hoffen.“

Man muss „ein Arschloch“ sein

Kube will viel verändern. Er nennt sich selbst Marxist, betont aber sofort, totalitäre Strukturen abzulehnen. „Step by step“, sagt er, sei er in den vergangenen Jahren nach links gerückt. Aufgewachsen sei er in einem sozialdemokratischen Elternhaus, aber die SPD sei „ja heute nur noch eine rot lackierte CDU“. Gegen Nationalismus, gegen Rassismus – das sind die wichtigsten politischen Koordinaten für Oliver Kube, der Mitorganisator des Festivals Rock gegen Rechts in Ludwigsburg ist. Der Rechtsruck in Deutschland mache ihm Sorgen, sagt er, und es ärgere ihn, dass es kein breites demokratisches Bollwerk gegen die AfD gebe, den seiner Meinung nach „schlimmsten Auswuchs“ nationalistischer Politik.

Gefragt, wer für ihn ein politisches Vorbild ist, weiß Kube keine Antwort. Er überlegt lange und sagt dann: „Wer sich in der großen Politik durchsetzt, muss ein ganz schönes Arschloch sein, anders geht es wohl nicht.“ Ihm sei aber bewusst, dass er ein ziemlich kritischer Mensch sei. Immerhin ein kleines Lob lässt sich Kube dann doch entlocken, wenn man es denn so nenne will. „Wenn ich mir so manche Beiträge von Politikern zum Thema Flüchtlinge anhöre, muss ich wohl sagen: Angela Merkel ist vermutlich weniger schlimm.“

Verurteilt wegen einer Gegendemo

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Kube im Herbst 2014. Damals wurde er vom Stuttgarter Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Demonstrationszug von Bildungsplan-Gegnern auf dem Schlossplatz gestört hatte. Mit rund 100 Gegendemonstranten hatte er den genehmigten Marsch aufgehalten, was als Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gewertet wurde. Widerstand gegen fundamentalistische Demonstranten, die gegen Homosexuelle hetzen, sei legitim und notwendig, sagte er nach dem Urteil.

Auch wenn manches von dem, was Kube sagt, radikal klingt: im Ludwigsburger Gemeinderat ist er bislang nicht mit extremen Thesen aufgefallen, seine Redebeiträge sind meist kurz und konkret– was auch daran liegen mag, dass es in der Kommunalpolitik selten um große Würfe und oft um ganz praktische Lösungen geht. Bezahlbarer Wohnraum, das sei ein Thema, das ihn umtreibe, erzählt er. Auch dafür engagiere er sich. „Dass bezahlbarer Wohnraum fehlt, hängt nicht mit den Flüchtlingen zusammen. Das Problem ist schon viel länger da.“

Public Relations will Kube studieren, Öffentlichkeitsarbeit. Ob das zu einem überzeugten Marxisten passt? „So lange es Kapitalismus gibt, muss man Geld verdienen“, antwortet er. „Das gilt auch für mich.“

Oliver Kube im Steckbrief

Name
: Oliver Kube Geburtsdatum
: 26. Mai 1990 Familienstand
: Polyamor Beruf
: Student Ehrenämter:
Mitglied des Gemeinderats Ludwigsburg, Mitorganisator Festival Rock gegen Rechts

Eine Überschrift über mich sollte lauten:
„Suff, Sex, Sozialismus“

Das größte Ärgernis im Kreis:
Dass vier Parteien rechts der CDU die erforderlichen Unterschriften für die Landtagswahl sammeln konnten

Der noch aktive Lieblingspolitiker einer anderen Partei?
Martin Sonneborn (Die Partei)

Als Hauptdarsteller wäre ich am besten geeignet für den Film:
„Radio Rock Revolution“

Wenn ich ein Jahr lang mit einer Person aus dem Kreis tauschen könnte, dann wäre das . . .
jemand, der keine finanziellen Sorgen hat

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