(von links) Lehrer Marvin Buortesch, Regina Dvořák-Vučetić (CDU), Florian Wahl (SPD) und Christina Watrinet (FDP) haben sich in der Freien Evangelischen Schule in Holzgerlingen die Bälle zugespielt – zwar nicht auf dem Fußballplatz, dafür aber in der politischen Diskussion. Foto: mel

Am Tag der Freien Schulen waren drei Landtagskandidaten auf Besuch in der Freien Evangelischen Schule in Holzgerlingen und diskutierten dort mit Schülerinnen und Schülern.

In der Aula der Freien Evangelischen Schule in Holzgerlingen ist am Freitag viel los: Die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen haben sich dort versammelt, um mit Landtagskandidaten ins Gespräch zu kommen. Anlass dafür ist der Tag der Freien Schulen, zu dem Schulen in freier Trägerschaft regelmäßig Politiker einladen. Dieses Jahr steht die Veranstaltung ganz im Zeichen der Landtagswahl 2026.

 

Der Einladung folgten die Kandidaten Florian Wahl (SPD), Regina Dvořák‑Vučetić (CDU) sowie Christine Watrinet (FDP). Thekla Walker von den Grünen sei verhindert und könne nicht teilnehmen, war in der Einladung vermerkt gewesen. Die Kandidatin, die die AfD für den Wahlkreis Böblingen-Sindelfingen-Schönbuch ins Rennen schicken will, Christine Schäfer, ist auch nicht anwesend, wird allerdings auch nicht in der Einladung erwähnt.

Nutella mit oder ohne Butter?

Die Veranstaltung beginnt in lockerem Tonfall mit der Möglichkeit für die Kandidaten, sich vorzustellen: Was machen sie in ihrer Freizeit? Essen sie Nutella lieber mit oder lieber ohne Butter? Was essen sie am liebsten?

Dass sich die Kandidaten schon mitten im Wahlkampf befinden, merkt man: Alle weisen auf ihre Ambitionen für die Wahl im nächsten Jahr hin. Florian Wahl (SPD) ist dabei der einzige in der Runde, der bereits als Politiker arbeitet: 2011 wurde er das erste Mal in den Landtag gewählt, 2016 verpasste er den Wiedereinzug. 2021 konnte er seinen Sitz im Landtag zurückgewinnen und geht nun auch 2026 wieder ins Rennen. Regina Dvořák‑Vučetić (CDU) hat zwar aktuell kein politisches Mandat, trotzdem hat sie Kontakte in die Politik: Seit 2021 arbeitet sie als Büroleiterin der Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz (CDU), die vor einem Jahr verkündete, dass sie sich 2026 nicht mehr zur Wahl aufstellen werde. Christine Watrinet (FDP), die sich selbst als Newcomerin bezeichnet, ist Unternehmensberaterin.

Die Schülerinnen und Schüler stellen viele Fragen

Zunächst übernehmen die beiden Lehrer Josia Kurfiss und Marvin Buortesch die Fragerunde, dann kommen die Schülerinnen und Schüler selbst zu Wort. Deren Fragen drehen sich vor allem um zwei Themen: die Wehrpflicht und die AfD. Viele junge Männer bewegt offenbar besonders, ob sie zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden könnten. Auf Bundesebene war sich jüngst darauf geeinigt worden, dass ab dem kommenden Jahr alle 18-Jährigen einen Fragebogen zugeschickt bekommen. Männer müssen diesen verpflichtend ausfüllen, auch die Musterung soll verpflichtend sein. Alle Kandidaten geben sich erleichtert, dass es keine verpflichtende Wehrpflicht gibt. „Ich finde die Lösung auf Bundesebene gut“, sagt Florian Wahl (SPD). Regina Dvořák‑Vučetić (CDU) betont, dass gehandelt werden müsse: „Die Situation hat sich geändert.“ Auch Christine Watrinet (FDP) ist gegen eine Wehrpflicht, doch dass etwas getan werden müsse, um für den Verteidigungsfall gut aufgestellt zu sein, findet auch sie.

Frust in Bezug auf die Politik ist in der Schülerschaft spürbar

Als die Diskussion auf das Parteiverbot der AfD kommt, geht zunächst ein Raunen durch die Menge. Die Argumente der Kandidaten spiegeln die öffentliche Debatte wider: Ein Verfahren für ein Parteienverbot sei langwierig, die Demokratie müsse allerdings geschützt werden. Christine Watrinet (FDP) fordert vor allem die demokratischen Parteien auf, mit ihren Argumenten zu überzeugen. Doch aus der Schülerschaft kommt immer wieder Gegenrede – für die extremistische Partei: Ist es fair, eine Partei wie die AfD, die teilweise hohe Stimmenanteile bei Wahlen erhält, zu verbieten? Wäre das überhaupt demokratisch?

Der Schulleiter Moritz Widmaier bemerkt im Nachgang, dass ein gewisser Frust in Bezug auf die aktuelle Politik in der Schülerschaft zu spüren gewesen sei. „Umso wichtiger ist der Dialog“, findet er.

Die Diskussion mit den Landtagskandidaten ist an diesem Tag nicht das einzige Event, das in der Aula der Freien Evangelischen Schule stattfindet, denn die Schule feiert ebenfalls ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Empfang und bis zu 100 geladenen Gästen.