Nominierungsveranstaltung im Zeichen der Corona-Pandemie: Die Grünen gingen im Römerkastell in den Hof und übertrugen Bilder in einen großen Saal. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die 55-Jährige gehört jetzt zum Kandidaten-Quartett der Grünen in Stuttgart. Der Wahlkreis, in dem sie zur Landtagswahl antreten will, war besonders umkämpft.

Stuttgart - Die Grünen in Stuttgart sind für den Landtagswahlkampf aufgestellt. Am Donnerstagabend nominierte der Kreisverband im Römerkastell in Bad Cannstatt seine Bewerberinnen und Bewerber für die vier Wahlkreise in der Landeshauptstadt. Das verband die Partei mit einer Kampfansage besonders an die CDU-Spitzenkandidatin, Kultusministerin Susanne Eisenmann.

 

„Ich will das Direktmandat holen und die eiserne Lady auf Rang 2 verweisen – dann ist sie weg, denn ein Zweitmandat wird ihr auch kaum zufallen“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. Er wird wie Eisenmann im Wahlkreis Stuttgart II (Filderbezirke) antreten.

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, möchte Eisenmann ebenfalls unbedingt „verhindern“, damit sie das von den Grünen Erreichte nicht wieder abbauen könne. Olschowski ist auch zuversichtlich. Der Grund: „Eisenmann kann keinen Dialog mit den Menschen führen.“

Drei Frauen, ein Wahlkreis

Die 55-jährige Staatssekretärin, gelernte Journalistin, sicherte sich die Nominierung im Wahlkreis Stuttgart IV (Bad Cannstatt, Neckarorte und Stuttgart-Ost), obwohl hier noch zwei Frauen als Erstkandidatin zum Zuge kommen wollten. Schon im ersten Wahlgang setzte sie sich mit 97 Stimmen gegen die Stadträtin und frühere Kreisvorsitzende Petra Rühle (53 Stimmen) durch, außerdem gegen die 64-jährige Diplomchemikerin Antje Vogel-Sperl (28 Stimmen), die beim baden-württembergischen Handwerkstag arbeitet. Vogel-Sperl hatte sehr betont, die Themen nachhaltige Wirtschaftspolitik und Umweltpolitik müssten beackert werden, da Umweltminister Franz Untersteller, bisher Abgeordneter des Wahlkreises Stuttgart III, nicht mehr antrete. Rühle (Jahrgang 1976) hatte sich auf Sozialpolitik und Klimaschutzpolitik konzentriert. Von dem Trio kam Olschowski mit ihrer Rede am besten an. Sie warb für Bildungsgerechtigkeit, kulturelle Teilhabe und eine betont menschliche Politik.

Minister Hermann blieb ohne einen Gegenkandidaten. Der 68-Jährige sicherte sich 176 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Die 54-jährige Landtagspräsidentin Muhterem Aras sammelte, ebenfalls ohne Konkurrenz, 162 Ja-Stimmen bei sieben Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Sie wird wieder im Wahlkreis I (Stadtmitte und direktes Umfeld) den Wiedereinzug in den Landtag anstreben.

Der Landesvorsitzende kandidiert auch in Stuttgart

Im Wahlkreis Stuttgart III versucht der Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand ein Mandat zu erringen. Der 32-jährige Psychologe galt bisher nicht gerade als Eigengewächs des Kreisverbandes Stuttgart. Er hatte aber schon beim Einreichen seiner Bewerbung betont, dass er mit seinem Freund in Stuttgart zu Hause sei. Auf ihn entfielen 173 Ja-Stimmen. Zuvor hatte er auf eine Frage hin zugestanden, nicht kommunizierte „Nebenabreden“ zum eigentlichen Koalitionsvertrag würde er das nächste Mal, anders als mit der CDU bei der letzten Koalitionsbildung, nicht mehr machen. Hildenbrand erhielt sämtliche Ja- Stimmen, sein 49-jähriger Mitbewerber Thomas Nufer, ein Techniker aus dem Wahlkreis III, ging nach einer wirren Vorstellung ganz leer aus. Acht Mitglieder hatten pauschal „Nein“ auf den Stimmzettel geschrieben, drei hatten sich enthalten.

Mit den beiden Neulingen Hildenbrand und Olschowski sowie den erneut kandidierenden Winfried Hermann und Muhterem Aras möchten die Grünen vier Direktmandate in Stuttgart verteidigen. Vor fünf Jahren hatte außer den Grünen in Stuttgart nur die FDP ein Mandat errungen: ein Zweitmandat im Wahlkreis III.