Lichtdurchflutet und mit Sitzen auf Schienen – der renovierte Plenarsaal (oben) wartet auf die erste Sitzung. Auch im Außenbereich wird noch gearbeitet, während man in den Gängen auf einem Boden wandelt, der dem alten nachempfunden wurde. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wenn die Abgeordneten zur konstituierenden Sitzung zum Haupteingang den Landtag betreten, werden die letzten Handwerker das Gebäude durch die Hintertür verlassen. Aber man wird rechtzeitig fertig werden.

Stuttgart - An der Tür zur Herrentoilette für Besucher fehlt noch der Griff, aus der Decke hängen hie und da noch lose Kabel, die auf eine Lampe oder sonst ein Endgerät warten. Im komplett sanierten und renovierten Landtag ist 48 Stunden vor der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments am 11. Mai noch jede Menge Betrieb. Bis zu 100 Handwerker täglich waren und sind mit Hochdruck im Einsatz. Das reicht vom Gärtner, der im Freibereich noch ein Stück Rasen anlegt, bis zum Aufzugmonteur, der vor einem Schaltschrank steht, aus dem gefühlt so viele Kabel ragen, wie Stuttgart Einwohner hat.

Vier Monate Puffer sind aufgebraucht

Trotzdem ist sich Franz Sandner sicher, dass am 11. Mai alles klappen wird. Der Projektleiter verweist bei einem Rundgang am Montag nicht ohne Stolz auf die Tatsache, dass das im Herbst 2013 gestartete Projekt sowohl in zeitlicher als auch in finanzieller Hinsicht im Plan sei – bei Sanierungen im 50-Millionen-Euro-Bereich gewiss keine Selbstverständlichkeit. Allerdings werde man bis zum letzten Drücker brauchen, die vier Monate Puffer, die man für die Feinjustierung der Haustechnik geplant hatte, gibt es nicht mehr. Und bis alle Büros und Einrichtungen genützt werden können, wird es bis Ende Juni oder sogar bis zum Ende der Sommerpause dauern. Auch das Restaurant Plenum wird Ende Mai zunächst mit reduzierter Karte eröffnen, weil die große Küche noch nicht fertig sein wird.

Das geschmiedete Landeswappen durfte nicht verändert werden

Ansonsten sei aber alles bereit, was angesichts der komplexen Aufgabe bemerkenswert ist. Bei der Renovierung war schließlich auch der Denkmalschutz zu beachten. Manche Dinge, wie zum Beispiel das aus Blitzableitern des Freiburger Münsters geschmiedete Landeswappen, durften nicht verändert werden. Auch die alten Telefonzellen vor den Sitzungssälen wurden wieder aufgebaut, obwohl sie wohl keiner mehr braucht. Bei neu verbautem Holz zum Beispiel für Wände musste darauf geachtet werden, dass es zu alten, restaurierten Flächen passt. Völlig neu ist dagegen die komplette Licht- und Heizungstechnik. Im Plenarsaal soll eine ausgetüftelte Deckenarchitektur die Volksvertreter erhellen, die Feinjustierung und Programmierung der Anlage läuft noch. Beim Rundgang fehlte zunächst ein Passwort zum Einschalten der Beleuchtung, später wurde es dann aber doch noch hell. Und wenn am Mittwoch die Angeordneten auf ihren auf Schienen montierten Sitzen Platz nehmen, wird das auch so sein.

Zufrieden ist Sandner auch, dass ein Brandschutzproblem rechtzeitig gelöst werden konnte. Zu Beginn der Arbeiten hat man festgestellt, dass Teile der Dachkons­truktion nicht den aktuellen Verordnungen genügen. Durch einen speziellen Brandschutzputz droht nun auch im Ernstfall von oben keine zusätzliche Gefahr.