Der geplante Aussichtsturm des Besucherzentrums und der ihn umgebende Skywalk ist als Brücke aus dem Inneren der Ausstellung in den realen Schwarzwald gedacht. Die Schindeln kommen aus Nordamerika. Foto: bloomimages

Die drastisch gestiegenen Ausgaben für das Besucherzentrum im neuen Nationalpark machen dem Landtag zu schaffen. Die FDP wundert sich, dass Holz aus Nordamerika in den Schwarzwald importiert wird.

Stuttgart - Handgefertigte Schindeln aus Alaska-Zedernholz sollen den Aussichtsturm des Besucherzentrums im Nationalpark Schwarzwald zieren. Das macht die Landtags-FDP fassungslos. „Die Grünen importieren Holz aus Nordamerika in den Schwarzwald“, hält der Abgeordnete Andreas Glück fest. Das sei wie Eulen nach Athen zu tragen. Für Glück gibt es da nur eine Konsequenz: „Lassen Sie diesen überflüssigen Quatsch bleiben“, appellierte der Parlamentarier am Donnerstag an die Regierung. Zwei Tage vor der Grundsteinlegung für das Besucherzentrum am Ruhestein an diesem Samstag wurde im Landtag noch einmal heftig um die Kostensteigerungen für das Zentrum gestritten.

Im Inneren des Informationszentrums wird das Leben einer 600 Jahre alten Schwarzwaldtanne erzählt. Vom Aussichtspunkt aus soll der Besucher den Blick über die realen Fichten und Tannen schweifen lassen und für die Verkleidung des Turms ist ausgerechnet Alaska-Zeder vorgesehen.

Das meiste Holz kommt aus dem Land

Die Regierung kann zumindest zum Teil beruhigen. Das gesamte Besucherzentrum werde mit Schindeln verkleidet, auf einer Fläche von immerhin 6500 Quadratmetern. Den weitaus größten Teil nähmen Fichtenschindeln aus Baden-Württemberg ein. Acht Prozent der Fläche allerdings, der Aussichtsturm nämlich, werden mit Alaska-Zeder verkleidet. Die ist schätzungsweise doppelt so teuer wie die heimische Fichte. Fichte gehe aber aus gestalterischen Gründen nicht. Man will die Schindeln senkrecht verlegen. Das erhöht die Gefahr der Fäulnis. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erklärte, man benötige deshalb möglichst widerstandsfähiges Holz. Bestens geeignet sei die langsam wachsende Alaska-Zeder. „Fichtenholz aus dem Schwarzwald hätten wir in ein paar Jahren erneuern müssen“, sagte Untersteller. Das wäre auch nicht nachhaltig. Insgesamt stamme mehr als 90 Prozent des verbauten Holzes aus Baden-Württemberg.

Handgefertigte Schindeln halten länger

Handgefertigt müssten die Schindeln schon sein. Das macht sie rund 50000 Euro teurer als maschinengefertigte. Dafür seien sie länger haltbar, denn „durch das Spalten von Hand wird der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört“, das hatte schon Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) in einer Antwort auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Klaus Hoher erklärt. Alles in allem rechnet das Finanzministerium für die Schindeln mit Kosten von 617500 Euro.

Neue Kalkulation beläuft sich auf 37 Millionen

Für den Nationalpark Schwarzwald, das Vorzeigeprojekt der grün-roten Landesregierung greifen auch deren grün-schwarze Nachfolger tief in die Tasche. Das architektonisch anspruchsvolle Besucherzentrum am Ruhestein wird statt der anfangs kalkulierten rund 22 Millionen Euro wohl insgesamt 37 Millionen Euro kosten. Dieser Summe hat der Ministerrat längst seinen Segen gegeben. Der Landtag hat kontrovers diskutiert. Weitere Kostensteigerungen dürften nicht eintreten, sagte Reinhold Gall (SPD), auch die CDU findet das Besucherzentrum ziemlich teuer, die AfD kritisierte die Verteuerungen deutlich. Minister Untersteller bezeichnete das spektakuläre Gebäude an sich als ein Erlebnis, den Nationalpark als eine Touristenattraktion. Man erwarte 100 000 Besucher im Jahr. Da sei das Geld gut angelegt.

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