Wer aus Freiberg in Richtung Benningen fährt, gibt zum Ortsende hin Gas. Einige Autofahrer sind in eine mobile Messung geraten und ärgern sich über die aus ihrer Sicht unfaire Methode. Foto: Simon Granville

Autofahrer beschweren sich: Am Ortsausgang von Freiberg (Kreis Ludwigsburg) wird mobil geblitzt – obwohl stationäre Geräte in der Nähe stehen.

Abzocke ist ein Vorwurf, der emotional aufgeladen ist – und der in Freiberg derzeit konkret an der Benninger Straße diskutiert wird. Der Leser E. schildert seine Beobachtungen und spart nicht mit deutlichen Worten: „Dies ist an und für sich schon dreist“, schreibt er über die Kombination aus stationären und mobilen Geschwindigkeitsmessungen kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Benningen.

 

Ausgangspunkt seiner Kritik ist eine Stelle der Landesstraße an der Einmündung Am Altneckar, einer kleinen Seitenstraße, die in ein Wohngebiet führt. „Dort wird häufig zusätzlich mit einem mobilen Gerät in Fahrtrichtung Benningen geblitzt“, sagt E. – obwohl der Ortsausgang in Sichtweite vor den Autofahrern liege. Nach Tempo 30 glaubten viele Fahrer, bis zum Ortsschild nun auf Tempo 50 beschleunigen zu dürfen. „Die Unwissenheit der Leute wird ausgenutzt.“ Sie nehmen an, die Seitenstraße würde Tempo 30 aufheben.

Die mobile Geschwindigkeitsmessung findet am Beihinger Ortsende von Freiberg in Richtung Benningen statt. Foto: Zapletal

Besonders irritierend findet E. die konkrete Praxis: „Man klebt den stationären Blitzer Richtung Benningen gut sichtbar ab, damit die Leute denken, dieser ist außer Betrieb, um dann kurz dahinter einen mobilen Blitzer aufzustellen.“ Das sei „in den vergangenen Tagen bereits so praktiziert“ worden.

„Viele Verkehrsteilnehmer beschleunigen unmittelbar nach dem stationären Blitzer, obwohl sich die Ortstafel noch mehr als 100 Meter entfernt befindet.“

Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamtes Ludwigsburg

Das Landratsamt Ludwigsburg widerspricht dieser Darstellung deutlich. Pressesprecher Andreas Fritz erklärt: „Den Vorwurf der ‚Abzocke‘ weisen wir entschieden zurück.“ Die Kontrollen dienten „ausschließlich der Sicherheit im Straßenverkehr“ und dem Schutz der Anwohner. Gerade im Bereich der Einmündung Am Altneckar gebe es „viel ein- und ausbiegenden Verkehr“, weshalb eine reduzierte Geschwindigkeit sinnvoll sei.

Hinzu komme, so Fritz, ein weiterer Aspekt, der im Alltag oft unterschätzt werde: Für die Anwohner des angrenzenden Wohngebiets bedeuten abruptes Beschleunigen und aufheulende Motoren eine erhebliche Lärmbelastung.

LRA-Sprecher betont: Tempo 30 gilt bis zur Ortstafel

Der LRA-Sprecher stellt zudem klar: „Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h gilt auch nach der Einmündung weiterhin.“ Erst an der Ortstafel ende die Beschränkung. Genau hier liege das Problem: „Viele Verkehrsteilnehmer beschleunigen unmittelbar nach dem stationären Blitzer, obwohl sich die Ortstafel noch mehr als 100 Meter entfernt befindet.“

Die mobilen Kontrollen setzten genau dort an – nicht aus finanziellen Gründen, sondern aufgrund „langjähriger Erfahrung aus der Verkehrsüberwachung“. Auch Gerüchte über Prämien weist Fritz zurück: „Behauptungen, die Kontrollen dienten der Einnahmeerzielung oder Mitarbeitende würden nach Verstößen vergütet, entbehren jeder Grundlage.“ Weder bestünden entsprechende Vorgaben noch würden Prämien oder sonstige finanzielle Anreize gewährt.

Mobile Kontrollen nur, wenn stationärer Blitzer nicht in Betrieb ist

Auch der Vorwurf, der stationäre Blitzer werde bewusst abgeklebt, um Autofahrer in Sicherheit zu wiegen, sei völlig haltlos: „Mobile Kontrollen finden nur statt, wenn der feste Blitzer gerade nicht in Betrieb ist oder nicht funktioniert.“ Beschwerden seitens der Stadt Freiberg habe es wegen der Kontrollen nicht gegeben.

Von Abzocke zu reden, sei auch verfehlt, weil das Ziel nicht sei, möglichst viele Bußgelder einzunehmen, stellt Andreas Fritz klar: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Mitarbeiter der Mess-Teams ausschließlich zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit und zum Schutz der Anwohner vor Verkehrslärm eingesetzt werden“, so der Pressesprecher.

Die Stadt Freiberg selbst sieht ihre Rolle begrenzt. Der Erste Beigeordnete Stefan Kegreiß betont: „Da es sich um eine Landesstraße handelt, hat die Stadt weder Mitsprache- noch Einflussmöglichkeiten.“ Einnahmen aus Bußgeldern flössen nicht in den städtischen Haushalt.

Das Landratsamt Ludwigsburg misst an dieser Stelle bei der Einmündung der Straße Am Altneckar (rechts). Die Behörde will die Anwohner vor Lärm schützen. Foto: Simon Granville

Gleichwohl verteidigt Kegreiß die Tempo-30-Regelung grundsätzlich: „Die Stadt hat sich seinerzeit stark gemacht, um für die Anwohner eine Reduzierung der Lärmbelastung zu erreichen.“ Und er ergänzt nüchtern: „Sofern man sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hält, werden die ‚Blitzer‘ vermutlich nicht aktiv.“