In einer Schlosserei in der Sindelfinger Straße in Tübingen ist in der Nacht zum Dienstag ein Brand ausgebrochen. Die Polizei vermutet, dass ein Blitzeinschlag das Feuer verursacht hat. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Im Landkreis Tübingen und im Ortenaukreis hat es gleich drei Mal gebrannt. Der Blitzschutz werde aus Kostengründen vernachlässigt, warnen Experten und raten zu mehr Prävention.

Tübingen - Die Zahl der Blitzeinschläge ist in den Sommermonaten besonders hoch. Gleich dreimal kam es in den vergangenen Tagen zu Bränden, die wohl durch Blitze verursacht worden waren. In der Nacht zum Dienstag ist eine Schlosserei in einem Tübinger Firmenkomplex in Brand geraten. Das Feuer zerstörte die Halle, in der sich drei Fahrzeuge befanden. Verletzt wurde niemand. Die Polizei geht von einem Schaden von 200 000 Euro aus.

Nahezu gleichzeitig brach im nahe gelegenen Mössingen (Kreis Tübingen) ein Feuer in einem Haus aus. Die drei Bewohner konnten das Gebäude unverletzt verlassen. Das Einfamilienhaus brannte vollständig ab, der Schaden liegt bei mehreren Hunderttausend Euro.

Außerdem haben mehr als 130 Feuerwehrleute am Montagabend einen Waldbrand im Ortenaukreis bekämpft. Die Ursache des Feuers in Zell am Harmersbach dürfte ersten Einschätzungen zufolge ebenfalls ein Blitzeinschlag gewesen sein. Die Flammen zerstörten eine Fläche von etwa 1000 Quadratmetern.

Im langjährigen Mittel sind in Baden-Württemberg vor allem der Landkreis Tübingen, der Zollernalbkreis und der Kreis Reutlingen von Einschlägen betroffen. Wie die Daten des Blitz-Informationsdienstes von Siemens zeigen, gab es von 1999 bis 2015 im Landkreis Tübingen im Durchschnitt 3,93 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer. Im Zollernalbkreis liegt die Zahl bei 3,87 Einschlägen und in Reutlingen bei 3,74. Der Spitzenreiter bundesweit ist der Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit 4,46 Einschlägen.

Eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung für einen Blitzschutz gebe es nicht, von einigen Ausnahmen abgesehen, sagt Michael Kuhn, der Pressesprecher der Sparkassenversicherung (SV). Hochhäuser und öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser müssten auf jeden Fall gesichert werden. Die Experten unterscheiden zwischen einem äußeren und einem inneren Blitzschutz. Ersterer ist das, was landläufig als Blitzableiter bezeichnet wird, ein Elektriker, Dachdecker oder Klempner kann ihn installieren. Diese Schutzvorrichtungen fangen Blitze ein, die in das Gebäude einschlagen, leiten die Energie in die Erde und verteilen sie dort.

Für Telefon- und Datenleitungen gibt es spezielle Schutzvorrichtungen

Der innere Blitzschutz dagegen schützt die elektrischen Leitungen des Hauses, und zwar durch Blitzstromableiter am Verteilerkasten und Überspannungsableiter in der Stromversorgungs-Unterverteilung. Zusätzliche Überspannungsableiter werden direkt vor empfindlichen elek­tronischen Geräten wie Computern installiert. Auch für Telefon- und Datenleitungen gibt es spezielle Schutzvorrichtungen.

In der Regel deckt die Wohngebäudeversicherung Schäden am Haus ab, die durch Blitzeinschlag entstanden sind. Sogenannte Überspannungsschäden an Leitungen und Geräten laufen aber über die Hausratversicherung. „Da gibt es einige Tarife, bei denen Überspannungsschäden nicht miteingeschlossen sind“, sagt der SV-Sprecher Kuhn und rät dazu, die Police daraufhin zu überprüfen.

„Blitzschutz ist vorbeugender Brandschutz“, sagt Thomas Raphael, ein Blitzschutzexperte beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnologie (VDE). Rund 2500 Euro koste der Rundumschutz für ein neues Einfamilienhaus. Dennoch sinke die Bereitschaft der Bürger, in den Blitzschutz zu investieren. Da werde an der falschen Stelle gespart, warnt der Elektroingenieur, schließlich seien viele Haushalte mit teuren elektrischen Geräten ausgestattet.

Was viele Menschen nicht wüssten, ist, dass sich Überspannungen in einem Umkreis von 300 Metern über Leitungsverbindungen ausbreiten können. Es ist folglich bereits gefährlich, wenn der Blitz ein Nachbarhaus trifft. Auf dem Land kann der riskante Radius bis zu 1,5 Kilometer betragen.

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