2027 plant das Landratsamt weitere 24 Millionen einzusparen – das gab Landrat Dietmar Allgaier in einem internen Video bekannt. Foto: Simon Granville

Ein Video im Intranet des Landratsamt Ludwigsburg beunruhigt Beschäftigte. Es soll erneut am Personal gespart werden – auch, um die Kommunen nicht weiter zu belasten.

Im Intranet des Ludwigsburger Landratsamts wurde vor wenigen Tagen ein Video hochgeladen, in dem Landrat Dietmar Allgaier zu den Mitarbeitenden – und erstmals öffentlich über neue Einsparziele – spricht: „Sie kennen das noch aus dem vergangenen Jahr. Es geht um ein Einsparvolumen von rund 24 Millionen Euro, das wir 2027 einsparen müssen.“

 

Es ist eine von vier jährlichen internen Informationsformate für die Belegschaft. In dem rund 10-minütigen Video geht es um die Vorstellung der neuen Dezernentin für Umwelt, Technik und Bauen, Kristin Wagner, und eben die laufende Haushaltskonsolidierung, die unter dem Namen „(Re-)Set 2027“ läuft. Der Spardruck im Landratsamt bleibt also – und kommt von zwei Seiten. Der Kreis muss den Schuldenaufbau in den Griff bekommen und gleichzeitig die Kommunen nicht weiter belasten.

„Wir haben gehofft, das war’s erstmal“

Denn mit dem Beschluss des Haushalts 2026 hat der Kreistag beschlossen, dass die Kreisumlage bei 33 Prozent bleiben soll. Eine Kreisumlage ist eine Abgabe, die Gemeinden an ihren Landkreis zahlen, um dessen Aufgaben wie Sozialhilfe oder Infrastruktur zu finanzieren.

In der bisherigen Finanzplanung für 2027 waren ursprünglich 35 Prozent vorgesehen – zu dieser Steigerung kommt es nun eben nicht. „Das heißt, wir müssen die Differenz von zwei Prozentpunkten ausgleichen – konkret durch Einsparungen, Einnahmeoptimierungen und effizientere Prozesse“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts. Von den Einsparziel von insgesamt 24 Millionen sollen fünf Millionen Euro über Personaleinsparungen erreicht werden, weitere 19 Millionen über effizientere Prozesse und Einsparungen in den Sachkosten.

Ein Jahr nachdem das Sparpaket „(Re-)Set26“ beschlossen wurde, mit dem 45 Millionen Euro eingespart wurden, sorgt die Nachricht zu „(Re-)Set27“ gerade bei Beschäftigten für Unruhe – und kommt gleichzeitig wenig überraschend. Denn unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation ächzen schon längst nicht mehr nur die Kommunen, sondern auch die Landkreise. Weil der Landkreis in diesem Jahr trotz Einsparungen etwa 15 Millionen Euro neue Schulden machen wird, hatte Landrat Allgaier einen „(Re-)Set 2027“ bereits in Aussicht gestellt.

„Wir haben aber schon gehofft, dass es das mit Personaleinsparungen erst einmal war“, sagt ein Beschäftigter. „Jetzt wird klar, dass man die wirtschaftliche Situation wohl länger nicht in den Griff bekommt.“ Zwar habe niemand Angst vor einer Entlassung, sehr wohl aber Sorge, die eigenen Aufgaben nicht mehr angemessen erfüllen zu können. Das fehlende Personal sei jetzt schon deutlich spürbar – intern, aber auch bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Städte haben schon Haushaltssperre verhängt

„Kündigungen müssen die Mitarbeitenden natürlich nicht befürchten“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts. Stattdessen würden Kolleginnen und Kollegen, deren Aufgaben sich verändern oder entfallen, in Bereichen eingesetzt, in denen ihre Qualifikationen weiterhin benötigt werden.

Der Prozess wird durch die Haushaltskommission gesteuert – die besteht aus erfahrenen Kreisräten. Die erste von fünf Sitzungen hat bereits Ende März stattgefunden. Drei Mitglieder der Kommission haben mit dieser Zeitung gesprochen und von konstruktiver Arbeit berichtet – auch die Kommunikation der Einsparmaßnahmen an die Belegschaft und an die Öffentlichkeit werde dabei immer mitgedacht. Final über das Sparpaket entscheiden die Mitglieder des Kreistags in der öffentlichen Kreistagssitzung am 17. Juli.

„Durch die Konsolidierung halten wir nicht nur die Kreisumlage stabil und entlasten die Kommunen vor höheren Abgaben, wir vermeiden auch eine potenzielle Haushaltssperre“, heißt es aus dem Landratsamt. Viele Fraktionen hatten in ihrer Haushaltsrede im vergangenen Jahr davor gewarnt, die Kreisumlage weiter zu erhöhen, um die Situation der finanziell gebeutelten Kommunen nicht weiter zu verschärfen.