Worauf man beim Pilzesammeln achten muss: Tipps gibts von Pilzexperten aus der Region, wie Willy de Wit. Foto: /Giacinto Carlucci

Das schöne Herbstwetter lockt Pilzsammler in den Wald. Die Artenvielfalt ist riesig, die sichere Bestimmung oberstes Gebot. Denn Vergiftungen können tödlich enden.

Der Waldboden ist feucht, die Witterung noch ziemlich warm, da explodieren die Pilze im Wald förmlich. Auf Schritt und Tritt kann man die Exemplare bewundern und bei denjenigen, die sich mit der Bestimmung von Pilzen nicht absolut sicher auskennen, sollte es auch beim Anschauen bleiben. „Mit einer Pilzvergiftung ist nicht zu spaßen“, sagt der Pilzsachverständige Willy de Wit aus Wäschenbeuren und verweist auf den aktuellsten Fall, bei dem drei Kinder und ein Familienvater sich mit einem Knollenblätterpilz vergiftet hatten.

 

Sein dringender Appell: Wer sich mit der Bestimmung von Pilzen nicht sehr gut auskennt, sollte sie einfach im Wald stehen lassen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, die gesammelten Waldpilze direkt einem Sachverständigen wie Willy de Wit zur Bestimmung zu zeigen.

Der Grüne Knollenblätterpilz ist überaus gefährlich

Der Grüne Knollenblätterpilz sei der gefährlichste Blätterpilz weltweit, mehr als 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen werden durch ihn verursacht. Die Verwechslung mit dem Champignon komme häufig vor, was anhand der Bestimmungsmerkmale eigentlich fast unbegreiflich sei, so de Wit, und genau das sei der entscheidende Punkt, nichts zu essen, das man nicht hieb- und stichfest bestimmen könne. 15 bis 20 Gramm des Grünen Knollenblätterpilzes sind eine tödliche Dosis für Erwachsene. Vier bis sechs Stunden nach dem Verzehr kommt es zu heftigsten, oft stundenlangen Brechdurchfällen, dann setzt eine scheinbare Besserung ein, die zweite Phase läutet aber bereits die Zersetzung der Leber ein.

Auch die Eislingerin Tamara Deiss, seit frühester Kindheit mit dem Pilzesammeln aufgewachsen und vertraut, warnt vor dem Verzehr nicht sicher bestimmbarer Exemplare. Seit ihrer Ausbildung zum Pilzcoach bietet sie regelmäßig Führungen an, erklärt, wie Pilze bestimmt werden, worauf zu achten ist und von welchen Exemplaren man die Finger lassen sollte. „Seit Corona ist das Interesse an den Pilzen deutlich gewachsen“, sagt Deiss und das bestätigt auch Willy de Wit.

Steinpilz, Hallimasch, Pfifferling, Herbsttrompete oder Parasol sind nur einige beliebte Speisepilze, die derzeit noch oder bald zu finden sind. „Alle haben giftige Verwechslungspartner“, betont Deiss. Man müsse alle Merkmale unterscheiden können, um einen Pilz sicher bestimmen zu können. Auch sollte man erkennen können, ob etwa der Zersetzungsprozess schon eingesetzt habe oder ein Pilz von Schimmel befallen sei, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden.

Obergrenze liegt bei 1,5 Kilogramm Pilze pro Person und Tag

Einige Regeln sollten beherzigt werden. Gesammelt werden darf nur für den Eigenbedarf, Obergrenze sind 1,5 Kilogramm pro Person und Tag. Pilze sind schwer verdaulich, es kommt auch auf die richtige Zubereitung an, sonst können auch Speisepilze für Bauchschmerzen sorgen. „Gut durchgaren, bei nicht zu hohen Temperaturen braten ist ideal“, erklärt Deiss die Küchenregeln.

Basiswissen muss vorhanden sein, meint Willy de Wit. „Pilze sollten in Gänze, mitsamt ihrem Fuß, aus der Erde entnommen werden“, betont der Pilzsachverständige, dann könne man zu Hause, auch unter Zuhilfenahme eines Bestimmungsbuches, Klarheit schaffen. Am besten sei es, sich auf einige wenige Arten von Speisepilzen zu konzentrieren, dann sei man auf der ziemlich sicheren Seite. „Überhaupt ist das Wissen rund um die Pilze eigentlich lebenslanges Lernen“, sagt Willy de Wit.

Pilze als Faszination und Tücke

Pilzbestimmungen
 Der Pilzsachverständige Willy de Wit aus Wäschenbeuren bietet Gratis-Pilzbestimmungen an, Fruchtkörper samt Stiel und Fuß müssen mitgebracht werden. Kontakt: 01 72 / 6 08 69 28. Er ist außerdem an die Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT) angeschlossen und nimmt Notrufe an.

Gift-Notrufzentrale
 Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung hilft die Gift-Notrufzentrale in Freiburg. Sie ist für alle Vergiftungsfälle im Land zuständig. Kontakt: 07 61 / 1 92 40 

Akute Notfälle
Bei akuten Notfällen unbedingt die Notrufnummer 112 wählen.

Pilzführungen
Tamara Deiss ist Pilzcoach und bietet in dieser Funktion auch Führungen an. Weitere Infos gibt es online: www.waldsecrets.eu