Im Oberen Filstal herrscht die Sorge, dass der Planfeststellungsbeschluss für den A 8-Ausbau dieses Jahr nicht kommt. Denn damit würde sich der Ausbau verschieben
Es klirren die Gläser in den Wohnzimmerschränken, wenn schwere Lastwagen durch die engen Straßen in Wiesensteig fahren. So hat es Bürgermeister Gebhard Tritschler von Anwohnern gehört. „Der Unmut kommt bei uns auf dem Rathaus an“, sagt er. Lärm und Erschütterungen machen den Bewohnern, als auch den Gebäuden der historischen Altstadt teilweise arg zu schaffen. „Man merkt es ganz extrem, wenn die Autobahn gesperrt ist“, sagt er. Dann verstopfen die Autofahrer die Ortsdurchfahrten. Umso wichtiger sei es, dass der A 8-Ausbau endlich Realität wird, macht Tritschler deutlich.
Seit zwei Jahrzehnten läuft das Planfeststellungsverfahren, doch geändert hat sich in dieser Zeit nichts auf den Straßen. Und es sind insbesondere die Kommunen im Oberen Filstal bis runter in den Raum Geislingen, die regelmäßig von Blechlawinen auf den Straßen gequält werden. Staus sind in diesem Teil des Landkreises alles andere als selten und die Bürger nicht nur wegen des bislang fehlenden A 8-Ausbaus frustriert, sondern auch weil es beim B 10-Ausbau nicht sichtbar vorangeht.
Es droht, dass Gutachten ungültig werden
Seit bekannt ist, dass Gutachten zum A 8-Albaufstieg drohen, ungültig zu werden, sollte in diesem Jahr nicht endlich der erhoffte Planfeststellungsbeschluss kommen, machen sich wieder die Sorgen im Oberen Filstal breit. „Es wäre fatal, wenn die Gutachten verfallen“, sagt Gebhard Tritschler.
Sollte das passieren, so befürchtet er, dass der Ausbau mindestens um drei bis vier Jahre zurückgeworfen werden könnte. Ähnlich war es bereits 2015, als Unterlagen angepasst werden mussten. Das habe bis Mitte 2018 gedauert. „Mit solchen Zeiträumen muss man schon rechnen“, befürchtet er. „Die Bürger hätten dafür kein Verständnis“, sagt er und sieht vor seinem geistigen Auge „einen Sturm der Entrüstung“.
Damit den Planern und Politikern in der Landeshauptstadt klar wird, wie dringend der Ausbau für die Region ist, schlossen sich vor der jüngsten Kreistagssitzung am 11. Oktober mehrere Rathäuser im Oberen Filstal zusammen, darunter Mühlhausen, Hohenstadt, Drackenstein, Gruibingen, Bad Ditzenbach und Deggingen. Bei besagter Kreistagssitzung erhielt Tritschler dann auch Redezeit und vertrat damit seine Kollegen, wie er weiter berichtet. Auch Landrat Edgar Wolff habe es für wichtig gehalten, dass das Obere Filstal seine Stimme erhebt. Zudem hatte der Landrat ebenfalls gefordert, dass der Beschluss dieses Jahr kommt.
Streckenabschnitt mit zwei Brücken und zwei Tunneln
Ob all das etwas nutzt? Immerhin sind Tritschler und seine Amtskollegen nicht die Ersten, die auf die Probleme hinweisen. Erreichen sie die Köpfe des Regierungspräsidiums (RP) in Stuttgart? „Es ist wichtig, auf die extreme Situation hinzuweisen“, antwortet Tritschler. „Jetzt ist der Tag, jetzt ist die Zeit“, betont er. In der besagten Kreistagssitzung teilte das RP mit, dass der Verfahrensstand sehr weit fortgeschritten sei, dass es Hoffnung für einen baldigen Abschluss gebe und dass der Albaufstieg höchste Priorität genieße. Zweifelt Tritschler das an? „Uns wird versichert, dass mit Hochdruck daran gearbeitet wird“, antwortet er. Beurteilen wolle er das nicht, ihm sei es vielmehr wichtig, aktiv zu sein und alle politischen Kanäle zu aktivieren. Er gibt aber auch zu verstehen, dass die fünfte Planänderung bald auch schon wieder zwei Jahre her sei und dass es bei anderen Neubauprojekten durchaus schon schneller ging. Das habe man beispielsweise bei der ICE-Neubaustrecke erlebt. Dort ging es später los als beim Albaufstieg, in Betrieb ist sie aber schon.
Der Neubau der A 8 zwischen Mühlhausen und Hohenstadt soll drei Fahrstreifen pro Richtung bieten, zuzüglich des Standstreifens. Zudem sollen auf der Strecke zwei Brücken und zwei Tunnel entstehen. Zuletzt wurden die Kosten vor sieben Jahren auf 603 Millionen Euro geschätzt. Das Projekt ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan enthalten, der 2030 endet.
Immer wieder Staus im Oberen Filstal
Treffen
Als sich am 1. August Bundes- und Landespolitiker mit lokalen Politikern in Mühlhausen trafen, ging es um einen gemeinsamen Schulterschluss beim A 8-Ausbau. Regierungspräsidentin Susanne Bay betonte: „Wir priorisieren das Projekt, da es die wichtigste Infrastrukturmaßnahme in ganz Baden-Württemberg ist. Wir wollen das Projekt jetzt endlich mal vom Tisch haben.“ Neuigkeiten zum Sachstand beim laufenden Planfeststellungsverfahren gibt es seit diesem Tag aber keine. Bei dem Treffen im August sagte beispielsweise Mühlhausens Bürgermeister Bernd Schaefer: „Wir haben die Nase voll von den wöchentlichen Staus, Dreck und Lärm. Es muss jetzt gehandelt werden!“
Staus
Ob wie zuletzt bei Baum-Arbeiten beim Albaufstieg oder wie so häufig bei Unfällen auf der A 8 – immer wieder verstopfen dann Staus die Orte im Oberen Filstal. Prekär war beispielsweise die Verkehrsbelastung im April 2022. Damals war die A 8 in Richtung Stuttgart wegen Felssturzgefahr am Drackensteiner Hang mehrere Tage gesperrt. Der Verkehr staute sich schon vor Merk–lingen sowie auf der B 10, der B 466 und den Landstraßen. In Städten wie Geislingen kamen Autofahrer kaum noch voran. Die Sperrung und deren Auswirkungen waren so immens, dass auch überregionale Medien über die Verkehrsbelastung berichteten.