Immer wieder betrügen falsche Polizisten vornehmlich ältere Menschen. Jetzt wurden zwei Männer in Stuttgart verurteilt. Foto: dpa

Das Landgericht Stuttgart hat zwei Männer verurteilt, die als falsche Polizisten ältere Menschen um Zehntausende Euro betrogen haben.

Stuttgart - Der Mann kam ihr einfach komisch vor. Ende März vergangenen Jahres stand ein Bursche vor der Tür der Frau in Heumaden, der ihr Bargeld vor ruchlosen Kriminellen in Sicherheit bringen sollte. Ein Polizist, angeblich. „Dem geb’ ich nichts“, so die Frau später im Zeugenstand. Doch der falsche Polizist ließ sich nicht abwimmeln und riss der Frau das Täschchen mit 1000 Euro aus der Hand.

Diesen Mann, einen türkischstämmigen 34-Jährigen aus Reutlingen, hat die 8. Strafkammer des Landgerichts jetzt wegen Raubes und Betrugs zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er soll sich Ende 2017 einer Gruppierung angeschlossen haben, die mit dem perfiden Falsche-Polizisten-Trick ältere Leute um Zehntausende Euro gebracht hat. Die Beute aus den Taten, die dem Angeklagten vorgeworfen werden, summiert auf mehr als 100 000 Euro.

Halbbruder legt frühes Geständnis ab

Zu Beginn des Prozesses saß noch der Halbbruder des Mannes mit auf der Anklagebank. Doch der 23-Jährige aus dem Rems-Murr-Kreis hatte schon früh ein Geständnis abgelegt und dabei seinen Halbbruder belastet. Das Verfahren des jungen Mannes wurde abgetrennt, die Kammer verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis.

Der Prozess gegen den drogenkranken 34-Jährigen lief weiter. Vorerst schwieg er, erst spät verlas sein Verteidiger ein Teilgeständnis, in dem der Angeklagte wissen ließ, er sei nur ein kleines Rädchen innerhalb der Gruppierung gewesen.

Das nahmen ihm die Richterinnen und Richter so nicht ab. „Er war für die Rekrutierung der Abholer, für die Mietfahrzeuge und die Verwahrung sowie Weiterleitung der Beute zuständig“, so Ulrich Tormählen, Vorsitzender Richter der 8. Strafkammer.

Die Masche ist immer dieselbe, und sie ebbt nach Erkenntnissen der Polizei auch nicht ab. Bei den Opfern meist fortgeschrittenen Alters ruft ein Mann an, der behauptet, Kriminalkommissar zu sein. Tatsächlich sitzt der Mann in einem Callcenter in der Türkei und ist genau das Gegenteil eines Polizisten.

Der Anrufer, in Kriminellenkreisen Keiler genannt, lügt etwas von einer Bedrohungslage vor. Es sei die Liste einer Einbrecherbande aufgetaucht, auf der der Name des Angerufenen stehe. Man müsse Bargeld und Schmuck in Sicherheit bringen, ein Polizeibeamter hole die Wertsachen vorübergehend ab. Alles gelogen – trotzdem fallen immer wieder Menschen darauf herein. So wie in diesem Fall in Gärtringen (Kreis Böblingen), in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) sowie am Bodensee und in Freiburg.

Polizei schnappt Hintermann

In Schwieberdingen allerdings war Schluss. Das Ehepaar, das die Täter auserkoren hatten, war nach dem Insistieren eines Bankmitarbeiters stutzig geworden und holte die echte Polizei ins Boot. Der Abholer konnte festgenommen werden. Und just dieser Mann packte aus. Die Ermittler messen seinen Angaben große Bedeutung zu, denn er habe auch Taten zugegeben, die man ihm nicht hätte nachweisen können, so Richter Tormählen. Jetzt wartet der Mann in U-Haft auf seinen Prozess.

In der Folge nahm die Polizei die zwei Halbbrüder fest. Ein mutmaßlicher Hintermann der Bande wurde am Züricher Flughafen dingfest gemacht und nach Stuttgart ausgeliefert. Auch er wartet auf seinen Strafprozess.

Für den jetzt verurteilten 34-Jährigen hatte Staatsanwalt Thomas Schek sechseinhalb Jahre beantragt. Der Verteidiger, der seinen Mandanten für nicht so wichtig in der Gruppe ansah, hielt viereinhalb Jahre für ausreichend. Es wurden am Ende fünf Jahre und drei Monate Gefängnis. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte war erst drei Monate vor den angeklagten Taten aus der Haft entlassen worden.

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