Nahe der Haltestelle Bockelstraße in Heumaden fielen im April 2016 Schüsse. Jetzt hat das Landgericht ein Urteil gefällt. Foto: StZ

Bei einer brutalen Auseinandersetzung an einer belebten Straße in Heumaden wurde ein Mann in den Hals gestochen. Ein Angeklagter erlitt einen Beindurchschuss.

Stuttgart - Das Landgericht Stuttgart hat ein 24 und 28 Jahre altes Brüderpaar hinter Gitter geschickt. Der jüngere Angeklagte ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Den Älteren schickte die 9. Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis.

Der Hintergrund der Auseinandersetzung, bei der am Nachmittag des 27. April vergangenen Jahres an der belebten Bockelstraße in Heumaden scharf geschossen worden war, soll ein Drogengeschäft gewesen sein. Der jüngere Bruder hatte von dem späteren Opfer noch Geld zu bekommen. Der 24-Jährige war wütend, dass der ­28-jährige Drogenkäufer nicht bezahlte. Er soll ihm unter anderem gedroht haben, er werde die Freundin des 28-Jährigen vergewaltigen, wenn das Geld nicht fließe. Der 28-Jährige – ein Thaiboxer, der sein Geld als Profikämpfer bei Martial-Art-Veranstaltungen und als Fitnesstrainer verdient – wollte die Sache aus der Welt schaffen und bestellte den jüngeren Angeklagten nach Heumaden. Weil er aber mit einer körperlichen Auseinandersetzung rechnete, nahm er zwei Kumpel mit, die mit Teleskopschlagstöcken und mit einer Beretta bewaffnet waren. Am Treffpunkt tauchte jedoch der 28-jährige Bruder auf, nicht der mutmaßliche Gläubiger.Die sich entwickelnde aggressive Diskussion verlagerte sich auf eine nahe gelegene Wendeplatte, wo der jüngere Bruder dazustieß. „Ohne Vorwarnung“, so der Vorsitzende Richter Jörg Geiger, rammte der ­24-Jährige dem Thaiboxer ein Messer in den Hals. „Er wollte ihn verletzen und nahm seinen Tod billigend in Kauf“, so Richter Geiger. Da das Opfer aber mit einer Attacke gerechnet hatte und somit nicht wehr- und arglos gewesen sei, liege keine Heimtücke vor. Deshalb lautete das Urteil nicht auf Mordversuch, sondern auf versuchten Totschlag.

Eine Kugel durchschlägt ein Bein

Es entwickelte sich ein „chaotisches Kampfgeschehen“, so der Richter. Der Hauptangeklagte versuchte, weiter auf den 28-Jährigen einzustechen. Sein Bruder setzte einen Schlagstock ein. Der blutige Kampf fand teilweise in einem Pfefferspraynebel statt. Die Begleiter des Thaiboxers waren so von der Attacke überrascht, dass sie erst mit Verzögerung reagierten. Ein Kumpel zückte die Beretta und feuerte einen Warnschuss ab. Eine zweite Kugel durchschlug den Oberschenkel des Hauptangeklagten. Nach dem Angriff tauchten die Brüder unter. Der Ältere konnte am 4. Mai festgenommen werden, der Jüngere stellte sich schließlich.

Opfer bekommt Schmerzensgeld

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Die Brüder hätten in Notwehr gehandelt, so die Argumentation. Dem folgte die Strafkammer nicht. Zwar habe die Dreiergruppe ein „ordentliches Mitverschulden“ an der Eskalation gehabt, aber von Notwehr könne keine Rede sein. Der jüngere Bruder habe eindeutig zuerst zugestochen.Zuvor war die Staatsanwältin von ihrem Vorwurf des Mordversuchs abgerückt. Sie hatte auf versuchten Totschlag plädiert und für den Hauptangeklagten sieben Jahre Gefängnis gefordert, für dessen Bruder zweieinhalb Jahre.

Am Ende wurden es fünf Jahre und zwei Monate für den 24-Jährigen und 21 Monate für den älteren Bruder. Beide Angeklagte sind mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Deshalb komme auch keine Bewährung für den Älteren in Betracht, so der Richter. Die Männer müssen dem Opfer Schmerzensgeld bezahlen – der Jüngere muss 5000 Euro überweisen, der Ältere 1000 Euro. Ob die Verteidigung das Urteil anficht, ist noch unklar.

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