Nur zögerlich hat der Angeklagte den Überfall auf eine Tankstelle gestanden. Foto: dpa

Mutige Passanten haben im Dezember 2018 einen Räuber nach einem Überfall auf einen Kiosk in Stuttgart festgehalten. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

Stuttgart - Manuela Haußmann, Vorsitzende Richterin der 18. Strafkammer des Landgerichts, hält nicht hinterm Berg. „Ich weiß nicht, ob das die richtige Strategie ist“, sagt sie zu dem Mann, der vor ihr auf der Anklagebank sitzt. Der 35-Jährige ist wegen zweifachen Raubs, wegen räuberischer Erpressung und Drogenhandels angeklagt. Er soll eine Tankstelle und einen Kiosk im Stuttgarter Westen überfallen sowie Marihuana zum Weiterverkauf besessen haben. Ein umfassendes Geständnis kommt nicht von dem Kosovaren – noch nicht.

In den frühen Morgenstunden des 20. Dezember vorigen Jahres marschiert ein maskierter Mann in den Verkaufsraum einer Tankstelle an der Bebelstraße. Er zeigt der Angestellten ein Küchenmesser und verlangt Geld. Mit 135 Euro Beute flüchtet er. Am nächsten Tag, ebenfalls am frühen Morgen, taucht ein maskierter Mann mit Messer in einem Kiosk an der Rötestraße im Westen auf. Er will das Geld aus der Kasse. Da die Frau nicht sofort reagiert, greift er in die Kassenschublade. Er macht sich mit 200 Euro davon.

Passanten halten den Räuber fest

Der Räuber kommt allerdings nicht weit. Drei Passanten hatten den Überfall bemerkt, sie nehmen die Verfolgung auf. Schließlich holen sie ihn ein und halten ihn fest, bis die Polizei eintrifft.

Die Beamten finden bei dem mutmaßlichen Räuber 14 Gramm Marihuana. In seiner Wohnung in Botnang stoßen sie auf weitere 150 Gramm, die offensichtlich zum Weiterverkauf bestimmt sind.

Was vor Gericht wie ein umfassendes Geständnis anmutet, wird zur Taktiererei – zumindest, was den Überfall auf die Tankstelle angeht. Der berufslose Kosovare, der seit 28 Jahren in Deutschland lebt und eine kleine Tochter hat, gibt nur das zu, was er nicht bestreiten kann. Der Überfall auf den Kiosk? Ja, das sei er gewesen, der Überfall sei aber nicht akribisch ausbaldowert gewesen, sagt er. Allerdings habe er ein Messer und eine Maskierung dabei gehabt, so die Richterin. Zudem sei er nach dem Zwiebelprinzip gekleidet gewesen, um nach dem Überfall sein Aussehen schnell ändern zu können. Das komme ihr schon geplant vor, sagt Richterin Haußmann.

Taten „im Rausch“ begangen

Die Drogen? Ja, die habe er zum Verkaufen gehabt. „Ich habe aber nichts verkauft, kein Gramm“, sagt der 35-Jährige.

Und die Tankstelle? „Dazu kann ich nichts sagen“, lässt er wissen. Zu diesem Überfall gibt es offenbar Indizien, die den drogenkranken und mehrfach vorbestraften Angeklagten belasten, aber keine klaren Beweise. Sie wisse nicht, ob er gut beraten sei, wenn er in dieser Sache anfange zu pokern, sagt die Richterin.

Nach einer intensiven Beratung mit seinem Verteidiger Hans Bense gibt der Angeklagte schließlich auch den Tankstellenüberfall an der Bebelstraße zu. „Es tut meinem Mandanten sehr leid“, so Bense. „Ich hätte die Taten nie begangen, wenn ich nicht voll im Rausch gewesen wäre“, sagt der Angeklagte noch.

Wie er sich denn seine Zukunft vorstelle, will die Richterin wissen? Schließlich habe das Leben des Angeklagten bisher aus Drogen, Therapien, Haftstrafen, Rückfällen, erneuten Therapien und Haftstrafen bestanden. Er müsse und werde sich stabilisieren, so der 35-Jährige. „Wenn das so weitergeht mit mir, dann verliere ich meine Tochter. Das ist mir klar“, sagt er. Von der Mutter des Kindes ist er getrennt, das Mädchen hat er schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt.

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